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Fremdbestimmt

FPÖ H. C. Strache - <small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Fremdbestimmt

Angesichts der Konkurrenz durch FPÖ im Wahlkampf nun doch wieder auf das Thema, das eh immer schon ihr einziges war.

Strache: Ergebnisse, meine Herren! I brauch endlich Ergebnisse! Die Situation ist ernst! Der Feind steht in unserm Schrebergarten und pinkelt auf unsere Gartenzwerge!
Vilimsky: Pfah, echt jetzt? Oiso, i bin zum Glück no trocken.

Strache: Des is a Metapher, Harald.
Vilimsky: Was, des a no? A Wahnsinn! Und gegen die Haager Landkriegsordnung is es sicher a.

Strache: Herbert?
Kickl: Hmm?

Strache:
Könntest du mir bitte, bevor mich die Politikverdrossenheit übermannt, ganz schnell beweisen, dass wenigstens einer in dem Raum gscheiter is als i?
Kickl: Okay: Ein mal eins ist eins. Zwei mal eins ist …

Strache: Aus jetzt! Wir brauchen a Strategie gegen den Stronach, und zwar schnell! Dos kann do net sein, dass i gegen an 80-Jährigen so alt ausschau!
Vilimsky: Naja, samma uns ehrlich: Du warst scho amoi a bissl knackiger. Diese Falten um de Augen … Und langsam kriegst außerdem an Hals wie a Truthahn. De Luft in diese Discos is halt Gift für die Haut über 40!

Strache:
Halt’s mi zruck oder de Gschicht da endet im brutalsten Biermops aller Zeiten!
Vilimsky: I tät mir’s ja net anlegen mit mir. I bin praktisch der Klitschko des Negerboxens.

Kickl: Gib a Ruah jetzt, Harald. Der HC hat vollkommen Recht. Wir müssen uns langsam, aber sicher den Kopf zerbrechen, wie wir den Stronach klein halten. Und wie wir den Wähler dort abholen können, wo er steht.
Vilimsky: Also i geh dort net hin, des sag i euch gleich. Weil immer, wann i scho am Vormittag zum Saufen anfang, krieg i Sodbrennen.

Strache: Welches Thema brennt denn grad allen unter den Nägeln? Darauf müss ma uns konzentrieren!
Kickl: Genau: Was ist die wichtigste Frage, die sich unsere potenziellen Wähler stellen?

Vilimsky: Der Ansatz greift doch aber bitte viel zu kurz.
Strache: Harald, wir ham uns dran gewöhnt, dass du halt auch in der Parteizentrale herumsitzt. Und wir wollen a net in so einer heiklen wirtschaftlichen Lage und knapp vor der Wahl einen zusätzlichen Langzeitarbeitslosen schaffen. Aber sei jetzt so gut und halt endlich einmal die …

Vilimsky:
Es muss nämlich so heißen: Was is die wichtigste Frage, die sich unsere potenziellen Wähler stellen – und auf die wir a no blödere Antwort ham als der Stronach?
Kickl: Verdammt! Des glaub i jetzt net!

Strache: Er hat recht!
Vilimsky: Ehrlich?

Kickl: Ja, leider.
Strache: Weil damit fallt natürlich quasi alles weg.

Vilimsky: Wieso?
Kickl: Naja, no a blödere Antwort auf irgendwas zu ham als der Stronach – des kann ma eigentlich net amoi von uns verlangen.

Strache:
Jetzt schau ma liab aus.
Vilimsky: Und warum mach ma dann net, was ma immer scho gmacht ham und dreschen auf die Ausländer hin? Weil sie uns doch Jobs, Frauen und den Platz in der Straßenbahn wegnehmen? Weil sie Krankheiten einschleppen? Weil sie existieren?

Kickl: Minuszuwanderung! Das isses! Harald, du bist a Genie! Ein großer Stratege, den wir bis jetzt völlig verkannt haben!
Strache: Aber hamma net irgendwann gsagt, wir machen des nimmer?

Kickl: Ja. Und?
Strache: Gut. Diesem überzeugenden Argument will i mi net verschließen.

Kickl: Dann kömma ja jetzt gleich zu Phase zwei übergehen und mit der konstruktiven politischen Arbeit beginnen.
Strache: Genau. Wir brauchen a Konzept.

Kickl: Wozu denn des? Wir brauchen an Slogan!
Vilimsky: „Wenn du glaubst, es geht nicht mehr – hält wieder der Ausländer her!“

Strache: Hmm. Nein, der geht net. Der is mehr was für die interne Mitarbeitermotivation. Aber net für a Plakat.
Kickl: Die Zuwanderung ins Sozialsystem, die sollt ma thematisieren. Den mangelnden Arbeitswillen des Ausländers an den Pranger stellen! „Während wie der Teufel schuft i – singt den ganzen Tag der Mufti.“

Strache: „Um zwei steht auf der brave Bäcker – nur Mehmet nicht, der träumt von Mekka!“
Kickl: Wir sollten vielleicht auch den Mitbewerber in den Slogan mit einbeziehen: „Keine Kraft hat Frank Stronach – er würgt den Moslem viel zu schwach!“

Strache: Net schlecht! Eingängig und trotz aller Sachlichkeit angriffig, den Finger genau auf den Schwachpunkt des Gegners legend … So stell i mir des vor!
Vilimsky: Kinder, i spür’s genau: Da is was Großes im Entstehen! Unter diesen neuen Vorzeichen ist der Traum von der Kanzlerschaft noch lange nicht ausgeträumt!

Strache: Er hat scho wieder recht.
Kickl: Langsam wird er mir unheimlich. Und ministrabel wird er auch!
Vilimsky: Danke! Aber eine Sache müss ma no klären: Wer wascht die Gartenzwerge?

rainer.nikowitz@profil.at