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Hier kommt Kurt

Kärnten - <small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Hier kommt Kurt

Wenn es nach all den herausragenden Faschingssitzungen noch eines Beweises bedurft hätte, dass Kärnten der lustigste Fleck ist, dann dieses: Kurt Scheuch.

profil: Herr Scheuch, haben Sie jetzt eigentlich ein Messer ein­stecken?
Scheuch: Sichalich. Ohne meinen Hirschfänger bin i irgendwie nit derselbe.

profil: Das stimmt vermutlich. Aber halten Sie die Wahrscheinlichkeit, heute noch einem Hirsch zu begegnen, für sehr hoch?
Scheuch: Durchaus. Und sie wird von Frage zu Frage höher.

profil: Verstehe. Sie gelten ja generell als sehr jähzornig.
Scheuch: Dos is Teil der Medienhetze gegen mich und meinen armen Bruder. Wollen Sie da jetzt no länger drauf herumreiten oder doch lieber Ihre Pension noch erleben?

profil: Sie sind auch einer breiteren Öffentlichkeit erst als „Reißwolf von Knittelfeld“ bekannt geworden, als Sie 2002 beim legendären Parteitag der FPÖ auf offener Bühne das Kompromisspapier zerfetzt haben.
Scheuch: Und Recht hab i gehabt.

profil: Warum? Weil die FPÖ bei der anschließenden Nationalratswahl halbiert worden ist?
Scheuch: Nein. Weil ich, so ehrlich muss ich jetzt schon sein, eigentlich immer Recht hab.

profil: Kritiker meinen, Ihr Demokratieverständnis sei das eines Herrenbauern, der alle anderen als minderwertig betrachtet.
Scheuch: Ana muaß schließlich anschaffen. Und dass dos nit der Knecht sein kann, der nix hat und nix is, dos is ja wohl klar.

profil: BZÖ-Chef Josef Bucher hat damals, nachdem Sie ihm das Ultimatum gestellt hatten, sofort zur FPK zu wechseln, gesagt: „Da haben nur mehr die Lederstiefel gefehlt.“
Scheuch: Ja. Und? Wos is jetzt schlecht an Lederstiefeln?

profil: Sie wissen, wie er das gemeint hat. Er hat Ihnen quasi Nazi-Methoden vorgeworfen.
Scheuch: Noch amol: Wos is schlecht an Lederstiefeln?

profil: Der Wechsel des Parteivorsitzes von einem Bruder zum anderen erinnert irgendwie an die Castros.
Scheuch: Aber der Uwe ist, bitte schön, schon noch um a Eck besser beinand als der Fidel.

profil: Zweifellos. Aber schaut das nicht mehr nach dynastischer Thronfolge aus als nach einer demokratischen Partei?
Scheuch: Die Delegierten beim nächsten Parteitag werden die Gelegenheit haben, mich in meinem neuen Amt zu bestätigen.

profil: Und wenn sie das nicht tun?
Scheuch: Dann betritt mei Hirschfänger das Rednerpult.

profil: Gute Taktik.
Scheuch: Man darf sich vom Delegierten schon auch ein bissal eine Dankbarkeit erwarten. Der muss schon a bedenken, wie er ohne die Partei ­dastehen täte.

profil: Mit der Mindestsicherung?
Scheuch: Lustig bin i selber.

profil: Stimmt. Sagen Sie, was macht Sie so sicher, dass sich bei einer Neuwahl in Kärnten, die ja jetzt im Frühjahr 2013 stattfinden soll, nicht viel an den Gegebenheiten ändern wird?
Scheuch: Schauen Sie sich die anderen an.

profil: Das ist ein Argument. Aber ob das angesichts aller Skandale Ihrer Partei reichen wird?
Scheuch: Und dann schauen Sie sich die Kärntner an. Ihr Wiener verstehts uns Kärntner halt einfach nicht.

profil: Na ja, lassen Sie mich einmal nachdenken: Sich von allen österreichischen Steuerzahlern vor dem Bankrott retten zu lassen und dann die Intelligenzbestien wieder zu wählen, die das alles angerichtet haben – klar, das müsste eigentlich ein jeder verstehen.
Scheuch: Dos is die Freiheit, die wir meinen!

profil: Beeindruckendes Geschäftsmodell. Und dann bringt ausgerechnet die Kärntner Landesregierung eine Verfassungsklage gegen den ESM ein.
Scheuch: Na klar. Unser Geld für unsere Leut. Oder na. Eigentlich: Euer Geld für unsere Leut.

profil: Noch eine Frage: Ihr leider viel zu früh zurückgetretener Bruder Uwe hat ja den Fokus seiner politischen Arbeit vor allem auf seine Tätigkeit als Kärntner Bildungsreferent gelegt. Dürfen die dankbaren Untertanen darauf hoffen, dass dem bei Ihnen auch so sein wird?
Scheuch: Bildung is mir sehr wichtig. Also, i hätt ja selber eigentlich keine gebraucht, weil i ja reich geboren worden bin. Aber es schadet trotzdem nit, wenn ma ein paar grund­legende Dinge weiß. Dass der Krieg unentschieden ausgangen is. Wer Jörg Haider war. Oder Odilo Globocnik. Solche Sachen halt. Und weil mir die Bildung eben so wichtig is, finde ich, dass sie Chefsache sein sollte. Also soll sie der Gerhard ­Dörfler übernehmen.

profil: Gerhard Dörfler zuständig für Bildung? Das kann man jetzt aber endgültig nicht mehr besser erfinden.
Scheuch: Wir sind eben eine durch und durch originelle politische Kraft.

profil: Darf ich mir Ihren Hirschfänger einmal anschauen?
Scheuch: Aber tun Sie sich nicht weh.
profil: Das kann ich nicht garantieren.

rainer.nikowitz@profil.at