Mediamarkt von Sven Gächter: Frühstücksfernsehen

"Café Puls“, das seit 2004 ausgestrahlte Frühstücksfernsehen des Privatsenders Puls 4, ist knallbunt, quietschvergnügt und deshalb manchmal nur schwer auszuhalten: Munterkeit in ihrer überdrehtesten Form.

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"Guten Morgen Österreich“, das Konkurrenzformat des ORF und seit vergangener Woche on air, ist nichts von alledem. Das wäre durchaus eine gute Nachricht, wenn es bedeutete, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk die reichlich blamable Säumigkeit in diesem Genre dazu genutzt hätte, dem Bildungs-, Informations- und Unterhaltungsauftrag ganz neue, zeitgemäß prickelnde Facetten abzugewinnen. Stattdessen wird Steinzeitfernsehen wie in den 1950er-Jahren geboten: steif, dröge, bieder. Die Grundidee, ein Lkw-Studio durch die Bundesländer zu schicken, suggeriert Abwechslung und regionale Vielfalt, erzeugt in Wahrheit jedoch nichts als bleierne Provinzialität.

Die große, weite Welt findet in "Guten Morgen Österreich“ nicht statt - und wenn doch, dann alibihalber und streng homöopathisch dosiert im dreiminütigen Newsflash. Aber wer braucht schon Politik, wenn er episch breite Wetterberichte oder brühwarme Cholesterintipps von Christine Reiler serviert bekommt? Streng journalistisch betrachtet, ist "Guten Morgen Österreich“ ein einziger Offenbarungseid; auf den Berieselungs- und Wohfühlfaktor reduziert, bleibt nur lähmende Langeweile. Was Frühfernsehen soll und kann, führen ARD und ZDF im Übrigen seit 24 Jahren mit dem "Morgenmagazin“ exemplarisch vor. Vielleicht lassen sich die Verantwortlichen im ORF davon ein wenig inspirieren - zur Not, wenn gar nichts hilft, halt auch von "Café Puls“.

Sven   Gächter

Sven Gächter