Mediamarkt von Sven Gächter: Zum TV-Rücktritt von Stefan Raab

Mediamarkt von Sven Gächter: Zum TV-Rücktritt von Stefan Raab

Die Ankündigung von Stefan Raab, sich zum Jahresende aus dem Fernsehgeschäft zurückzuziehen, wurde in deutschen Medien mit einer Flut von Überraschungs- und Betroffenheitsbekundungen quittiert, die den makabren Charakter von Nachrufen zu Lebzeiten hatten.

Die "Bild“-Zeitung räumte zwei ganze Seiten für den jähen Abgang des "TV-Genies“ frei: Ära, wem Ära gebührt.

Tatsächlich ist Raab so etwas wie das dauergrinsende Gesicht des deutschen Privatfernsehens. Über zwei Jahrzehnte lang prägte der gelernte Metzger eine Unterhaltungskultur, in der Hemdsärmligkeit, Schadenfreude und eine Prise Anarchie fröhliche Urständ feierten. Humor, an sich nicht eben eine Kernkompetenz der Deutschen, wurde zum schnöden Allgemeingut und schließlich zur seriell konfektionierten Massenware. Ohne Raabs nimmermüde Front- und Pionierarbeit hätten etwa Mario Barth oder Oliver Pocher mit ihrer notorischen Dumpfbackenkomik nicht annähernd so leichtes Spiel gehabt und Lena Meyer-Landrut wäre einen sang- und klanglosen, aber gerechten Eintagsfliegentod gestorben.

Für seine geradezu manische Produktivität verdient Raab unvoreingenommenen Respekt. Sie jedoch mit visionärer Wucht oder gar Genie gleichzusetzen, ist Teil jenes großen Missverständnisses, auf das Stefan Raab mit der ihm eigenen Smartness eine einzigartige Fernsehkarriere gründete. In ruhigeren Momenten hat selbst er dafür wohl nur ein ungläubiges Grinsen übrig - und ruhige Momente wird er in Zukunft viele genießen.