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Bergkameraden

Michael Spindelegger Budgetrede - <small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Bergkameraden

Finanzminister Michael Spindelegger hat in seiner Budgetrede etwas entdeckt, das völlig unvermutet und ohne Zutun unserer wackeren Regierung in die Höhe geschossen ist: den Schuldenberg.

Faymann: I weiß net, da herinnen riecht’s irgendwie so streng.
Spindelegger: Des könnt eventuell mei Angstschweiß sein. Mei Handy könnt jederzeit läuten und der Erwin könnt dran sein.

Faymann: Geh, dann sei doch so guat und entfessel des Fenster.
Spindelegger: Hä?
Faymann: Mach’s auf!
Spindelegger: Ah so! Okay. Aaaargh!

Faymann: Was is los?
Spindelegger: Da! Da draußen!! Oh mein Gott, is des furchtbar!
Faymann: Was denn? Liegt jetzt leicht a no der Stadler neben dem Ehrenhauser?
Spindelegger: Schlimmer!

Faymann: Des gibt’s net.
Spindelegger: Da is auf amoi a Berg! A ganz a neuer! Und er is riesig!
Faymann: Lass amoi schauen. Na wusch! Der is wirklich net schwach. Aber du brauchst ka Angst net ham: Des is nur der Schuldenberg.
Spindelegger: Ja, aber … Wer hat denn den gmacht?
Faymann: Wir sicher net.

Spindelegger: Na ja, ihr Sozis wart’s aber immer scho super im Ausgeben vom Geld von anderen Leuten.
Faymann: Und wo wart’s ihr die letzten 27 Jahr? Net vielleicht zufällig in der Regierung?
Spindelegger: Äh … wart, jetzt fallt’s mir wieder ein: Der Berg kommt von der Hypo! So schaut’s nämlich aus.
Faymann: Richtig! Und zwar ganz allein von der Hypo.

Spindelegger: An der wir ja bekanntlich net schuld san.
Faymann: Was bei einem Untersuchungssauschuss zweifelsfrei herauskäme, weshalb wir ihn uns glei sparen können.
Spindelegger: Genau. Aber schiach is er scho, der Berg.
Faymann: Und er verstellt irgendwie die Aussicht auf die großartigen Errungenschaften der Sozialdemokratie.
Spindelegger: Und erst auf die der Volkspartei.

Faymann: Ihr seid’s aber keine Erringer, sondern Besitzstandwahrer. Sonst hätt ma scho längst a Vermögenssteuer und der Berg wär ratzfatz weg. Und wegen degen der Gerechtigkeit wär’s ja a.
Spindelegger: Wir ham eh scho die höchsten Steuern in ganz Europa – und dann hau ma no ane drauf?
Faymann: Schau: Wer es bei unseren Steuern schafft, a Vermögen zusammenzubringen – der kann ka grader Michl net sein.
Spindelegger: Dann müsst ma aber endlich die Lohnsteuer senken.
Faymann: Na. Wir müssen drüber reden, dass die Lohnsteuer gesenkt gehört. Des muaß reichen.

Spindelegger: In Deutschland wollen sie jetzt die kalte Progression abschaffen. Sollt ma net wenigstens darüber nachdenken?
Faymann: Bist arg? Du willst unsere genialste Budgetwaffe abschaffen? Die jährliche Steuererhöhung, die praktischerweise keiner mitkriegt? Was tät ma denn zur Gegenfinanzierung? Die Subventionen für die Bauern kürzen?
Spindelegger: Jetzt werd net unappetitlich, ja? Wie wär’s, wenn ma dafür sorgen, dass die Leut bei der Bahn oder der Gemeinde Wien net mit 52 in Pension gehen? Des wär gerecht!
Faymann: Na. Des wär deppert. Wer soll mi denn dann no wählen?

Spindelegger: Und was wär, wenn ma jetzt wirklich Strukturreformen …
Faymann: Nächster Punkt!
Spindelegger: Eine Föderalismusreform …
Faymann: Übernächster Punkt!

Spindelegger: Wir müssen aber sparen. Irgendwie.
Faymann: Start ma den Rasenmäher an und passt scho.
Spindelegger: Des is aber die unintelligenteste Art zu sparen.
Faymann: Sag i ja: Passt scho!

Spindelegger: Außerdem werden’s uns den Hypo-Schmäh a net ewig glauben.
Faymann: Mei Ewigkeit reicht vorderhand amoi bis zur EU-Wahl. Und dann no maximal bis zur Wien-Wahl.
Spindelegger: Die Bundespräsidentenwahl muaß si a no ausgehen. Wenn’s der Erwin diesmal wieder net wird, dann spielt’s Granada.

Faymann: Derf i dir a persönliche Frag stellen?
Spindelegger: Wenn i unpersönlich antworten derf.
Faymann: Warum bist du eigentlich Politiker worden?
Spindelegger: Weil mich die unbändige Lust am Gestalten, am Diskurs und am …

Faymann: Michl?
Spindelegger: Hm?
Faymann: Es san nur wir zwei da. Niemand sonst hört uns zu.
Spindelegger: Du zuerst!
Faymann: Na ja … I hätt schließlich net ewig Konsulent von der Zentralsparkassa bleiben können.
Spindelegger: Des warst du do in Wirklichkeit eh nie.
Faymann: A Grund mehr! Also, jetzt du.

Spindelegger: Na ja, schau mi an. Ohne Partei bin i nix.
Faymann: Du zitierst den Sinowatz?
Spindelegger: Warum net? Der war in seinem Mut und seiner Vorwärtsstrategie immer scho ein Vorbild für mi.
Faymann: Dann samma uns eh einig. Strukturreformen? Föderalismus? Zukunft? Kommt Zeit, kommt Rat. Morgen is a no a Tag.
Spindelegger: Stimmt. Nur kane Wellen.
Faymann: Und jetzt mach bitte des Fenster wieder zu.

rainer.nikowitz@profil.at