<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Summ, summ, summ

Nikolaus Berlakovich - <small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Summ, summ, summ

Dass die Mutter von Nikolaus Berlakovich ihn einst gezwungen hatte, beim Kinderfasching als fauler Willi zu gehen, musste langfristige Folgen haben.

Obwohl Nikolaus Berlakovich nicht gerade einer war, der gerne etwas zugab, musste er in seinen ehrlichsten Momenten doch einräumen, dass er von seiner eigenen Popularität mitunter nachgerade überrollt wurde.

Wenn er morgens, stets eingehüllt in eine Cumuluswolke aus „Poison“-Parfum sein Büro betrat – er wusste schon, dass das an sich ein Damenduft war, aber um seine Verbundenheit mit dem Bauernstand zu demonstrieren, war es doch ein wenig sozialverträglicher als ein ordentlicher Spritzer Mistlacke –, galt sein erster Gedanke dem Studium der wichtigsten Weltmedien. Und was sollte er sagen? Egal, ob es jetzt die „Bauernzeitung“ war oder auch der „Agraranzeiger“: Nahezu immer lächelte ein freundlicher Nikolaus Berlakovich heraus, der von den bekannt kritischen Journalisten dieser Renommierblätter ausnahmslos über den – nicht zuletzt wegen des von ihm stets geförderten, grundvernünftigen Einsatzes modernster Pflanzenpflegemittel – grünen Klee gelobt wurde.

Nikolaus war in dieser Sache natürlich auch dem Rechnungshof zu Dank verpflichtet. Ihm selbst wäre in der ihm ureigenen Bescheidenheit ja gar nicht aufgefallen, dass früher nur 94 Prozent aller Inserate seines Lebensministeriums mit dem Allerwichtigsten, das so ein Inserat zu transportieren hatte, versehen waren: mit seinem Foto! Als die wackeren Prüfer völlig zu Recht auf diesen skandalösen Umstand hingewiesen hatten, waren die restlichen sechs Prozent aber natürlich nur mehr einer Frage ganz kurzer Zeit gewesen.

Nikolaus vermutete sicherlich nicht ganz zu Unrecht, dass seine galoppierende Beliebtheit, die neuerdings sogar jene von Maria Fekter rechts überholt hatte, auf einer gewissen Wurschtigkeit fußte. Denn wer hatte sich denn, als im vergangenen Jahr eine der schlimmsten Krisen in der Geschichte der Zweiten Republik ausgebrochen war, entschlossen zu einem Würstlstand gestellt und mit einer Eitrigen auf dem Pappteller wütend in die zufällig anwesenden Kameras gebellt: „Wir lassen uns die Käsekrainer nicht verbieten!“?

Kein Wunder, dass die frechen Slowenen da ganz schnell kalte Füße bekommen hatten. Und das war auch wesentlich gesünder für sie gewesen. Denn sie wussten natürlich: Wenn wir jetzt nicht klein beigeben und die Überlegenheit von Nikolaus anerkennen – dann spielt’s „Air France“.
Auch, als sich damals herausgestellt hatte, wie viel Geld Nikolaus der Allgemeinheit durch die zurückhaltende Gestaltung der Homepage des Lebensministeriums, die vor allem aus seinem nervenzerfetzenden Tagebuch bestand, erspart hatte, waren ihm die Herzen quasi in Fünfhunderterbündeln zugeflogen. Ja, es war schon erstaunlich, was man in Zeiten der digitalen Revolution um schlappe 4,39 Millionen Euro so alles kriegen konnte. Eine Seite. Mit Menüpunkten. Und Fotos und so!
Und dass er die Beimengung von Biosprit gegen alle Widerstände von Unbelehrbaren verteidigte, die meinten, der sei vor allem teuer und eigentlich überhaupt nicht so bio und in Wirklichkeit bloß eine weitere Subvention für eine gewisse Berufsgruppe, die pro Jahr ohnehin schon 1,8 Milliarden Euro an Subventionen kassiere, dafür aber zum Ausgleich praktisch keine Einkommenssteuer zahlen müsse, hatte ihn dann selbst in den Augen anfänglich skeptischer Beobachter nur noch charakterstärker erscheinen lassen.

Aber heute, heute würde Nikolaus zu einem PR-Coup ausholen, der ihm endgültig einen Fixplatz in den Herzen der Nation garantierte. Und er hatte deshalb auch schon den ganzen Tag so ein fröhliches Summen in den Ohren, wahrscheinlich eine Art Vorfreude-Tinnitus.

Seit dem Tag, an dem er damals beim Kinderfasching in Großwarasdorf von seiner Mutter in dieses peinliche Faule-Willi-Kostüm hineingezwungen worden war, hatte er auf diese Gelegenheit gewartet. Und er wusste natürlich, dass alle anderen Österreicher diesen widerlichen Bienen gegenüber genauso empfanden, wie er. Ebenso, wie ihm sein untrüglicher Instinkt verriet, dass das Wahlvolk, das er manchmal, ganz Bauer, scherzhaft auch „Stimmvieh“ nannte, diese wunderbaren Neonicotinoide mit jeder Faser seines Herzens liebte! Jede Volksabstimmung über die Frage, ob denn ihr Einsatz weiterhin der Amtsverschwiegenheit unterliegen solle, hätte Nikolaus mit Pauken und Trompeten gewonnen!

Also war es für Nikolaus sonnenklar, was an diesem Tag in Brüssel zu geschehen hatte. Nicht etwa er, nein, ganz Österreich würde dort heute mit lauter Stimme sagen: „Nein!“ Und Nikolaus, Vollblutprofi, der er war, wusste natürlich auch, was dann passieren würde.

Und falls sich nun in der ÖVP tatsächlich noch jemand wundern sollte, warum die Umfrageergebnisse dieser stolzen Partei des Volkes so herausragend waren, wie sie eben waren – dann sollte er Nikolaus fragen. Sein unbändiger Wille, ein Minister für alle Österreicher zu sein und nicht etwa bloß ein jämmerlicher Klientelwurschtel, der sich schon auf seinen Versorgungsjob vorbereitete – der würde zweifellos die richtige Antwort geben.

rainer.nikowitz@profil.at