Ich bin Möchtegern-Sportreporter. Wer als solcher kritisch ist, steht schnell als Nestbeschmutzer da. Daher will ich rund um die Fußball-WM tadelnde Worte mit viel Diplomatie und dem sprachlichen Florett anbringen.

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1. Die Präsidenten von USA und FIFA bringen bei der WM Abwechslung in eine Gruppe angenehmer Menschen! (Ich überlasse es Donald Trump, Personen mit anderer Herkunft oder Meinung als Müll oder Volksfeinde zu beschimpfen. Das ist widerlich und disqualifiziert sich von selbst. Trump und seinen Kumpan Gianni Infantino kann man subtiler beschreiben.)

2. Die kritische Denkfähigkeit der Fans wird nicht in Dezibel gemessen! (Spätestens nach dem ersten Tor der eigenen Mannschaft werden Anhänger aller Länder grölen, statt meiner diskreten Kritik zu lauschen. Sollten sie zugleich den Unsinn vom unpolitischen Sport wiederkäuen, habe ich mir diese sanfte Anspielung auf eine mangelnde Fähigkeit zur Selbstreflexion überlegt.)

3. Patriotismus ist die Liebe zu den Seinen, Nationalismus ist der Hass auf die anderen! (Ich brülle bei Toren genauso. Der Unterschied meines Jubels zu jenem mancher Mitschreier ist nicht die Lautstärke, sondern würde sich höchstens bei einer Messung des Promillewertes im Blut zeigen. Um sich inhaltlich abzugrenzen, zitiere ich gerne den polnisch-französischen Schriftsteller Romain Gary.)

4. Es ist beeindruckend, wie das österreichische Team sein Tun nicht vom Können einschränken lässt! (Ich drücke unseren Kickern – und den Spaniern – beide Daumen. Dummerweise können aber Niederlagen und Debakel nicht ausgeschlossen werden. Zum Glück gibt es im Fall der Fälle sogar dafür eine diplomatische Umschreibung.)

5. Man darf jetzt nicht alles so schlechtreden, wie es war! (Nach einem verlorenen Spiel muss die nationale Moral neu aufgebaut werden. Dafür empfiehlt sich dieser Satz des einstigen Spielers und Fußballmanagers Fredi Bobic. Für die Motivation schlecht wäre ein Satz von Ex-Teamchef Josef Hickersberger aus dem Jahr 2008: „Wir haben nur unsere Stärken trainiert, deswegen war das Training heute nach 15 Minuten abgeschlossen.“)

6. Der deutsche Trainer glänzte mit leistungsunabhängigem Selbstbewusstsein! (Das passt vielleicht zum germanischen Teamchef Julian Nagelsmann, sollte seine wacklige Verteidigung offen wie ein Scheunentor sein. Hierzulande ist ja Ralf Rangnick in Rekordzeit vom Piefke zum Messias geworden. Sollten „wir“ – ich spiele nicht mit – dennoch in der Gruppenphase scheitern, ist es freilich gut, denselben Spruch in petto zu haben.)

7. Der Spieler schöpfte beim Einwurf und der Auswechslung sein volles Potenzial aus! (Oje, stellen wir uns das Unvorstellbare vor, dass von Marko Arnautović bis Lionel Messi einige Stars wider Erwarten nicht glänzen. Und sei es rein altersbedingt. Wie stürzt man ein Denkmal, ohne in der Heimat zur unerwünschten Person zu werden? Da empfiehlt sich als Analyse dieser siebte Stehsatz.)

8. Der Schiedsrichter ist ein Armloch! (Schuld sind beim Fußball selten wir selbst, sondern viel häufiger die unsympathischen Typen mit der Pfeife im Mund. Sie mit so einem Wort zu beglücken, ist nicht klagbar und erinnert nur vage an etwas anderes. Auch nicht schlecht: Wenn ich dem Referee beim Elfmeter recht gebe, haben wir beide Unrecht!)

9. Meine Fehltipps sind so falsch, dass nicht einmal das Gegenteil stimmt! (Der Begriff Armloch stammt übrigens vom israelischen Satiriker Ephraim Kishon. Selbiger hat anhand des Fußball-Totos treffend beschrieben, dass angebliche und tatsächliche Experten ständig falschliegen. Das Problem verschärft sich, weil jeder Ignorant – bei Kishon sein als Zweijähriger auf dem Töpfchen sitzender Sohnemann und ein Beduinenweib aus der Wüste Negev – nach einer Fernsehzeit von drei Fußballminuten zum Pseudoexperten wird.)

10. Ich habe fertig! (Wer das nicht kennt, verdient keinerlei Expertenstatus. Trotz harter Konkurrenz von Hans Krankls „Alles andere ist primär!“ stellte die deutsche Wutrede des Italieners Giovanni Trapattoni vor 28 Jahren alle autochthonen Stilblüten in den Schatten. Er trainierte damals Bayern München. Unsere Abwehrspieler können für Interviews mit lästigen Journalisten nach dem Vorbild des Grazer Verteidigers Günther Neukirchner auch „Deis is jo die nexte depperte Frog!“ googeln und üben.)

Peter Filzmaier

Peter Filzmaier

ist Politikwissenschafter … und Sportfan! Seine Doktorarbeit verfasste er zu den politischen Aspekten der Olympischen Spiele, außerdem schrieb er mehrere Sportbücher, gestaltete einen Sport-Podcast und betreibt das Sportblog atemlos.at