<small><i>Peter Michael Lingens</small></i>
„Bald gengan s’ alle am Strich“

Werner Faymann und Josef Ostermayer philosophieren über ihre Zukunft und die Zukunft der Zeitungen.

Österreich ist das einzige entwickelte Land, in dem die Regierung ungeniert mit Steuergeld Berichterstattung kauft. Wirklich adäquat könnte nur Rainer Nikowitz diesen Zustand beschreiben, aber es reizt mich derart, dass ich mich als Plagiator versuche. Folgendes Gespräch des Kanzlers mit seinem Medienstaatssekretär Josef Ostermayer wurde mir hinterbracht:

Faymann: Du, Joe, meine Umfragewerte san net amoi mehr unterm Hund – sie san unterm Gusi.
Ostermayer: I hab dir gsagt: Mehr inserieren. Schau dir an, was der Pröll aus Haiti gmacht hat. Der hat bald so viel in die Werbung gsteckt, wie die Regierung dort hinschickt. Und dabei san dem seine Werte sowieso okay.

Faymann: Des is ja des Ungerechte! I hab fast in jeder Zeitung inseriert, wie gut die Regierung is, und nix is bei mir hängen blieben.
Ostermayer: Also erstens denkt bei „Regierung“ wirklich kana an di. Und zweitens is alles, was du jeder Zeitung gibst, fürn Hugo. Werbung muss ma zielen. Du kriegst was, weil bei dir les i was Schönes – du kriegst nix, weu bei dir find i nix, wos mi gfreit. Und ja kane Streuverluste: alles in die Größten – „Krone“, „Heute“, „Österreich“, aus. So wie damals, wie du weit hinterm Molterer gelegen bist.

Faymann: Die „Krone“ is halt wahnsinnig teuer.
Ostermayer: Was heißt da teuer? Dafür kriegst dort net nur die Innenpolitik, sondern a die Außenpolitik, die Wirtschaft, alles. Und der Dichand sucht dir die Leserbrief aus – des is in Wahrheit unbezahlbar.

Faymann: I weiß. Aber i bin nimmer Stadtrat in Wien, wo du jede Menge Geld hast. Den Wohnbau, die Wiener Linien … Als Bundeskanzler hat ma’s schwerer.
Ostermayer: Der Wolfi Schüssel hat jedem Olympiasieger per Inserat gra­tuliert.

Faymann: Aber jetzt gwinn ma nimmer so viel. Und außerdem hat si der Rechnungshof aufgregt.
Ostermayer: Du wirst do den net ernst nehmen.

Faymann: Die Grünen regen si a auf.
Ostermayer: Mit denen geht si nie mehr a Regierung aus, also wern s’ nie a Inserat vergeben können, also san s’ neidig. Genau wie die Blauen. Wie s’ no mitn Wolfi waren, ham s’ genau so fleißig inseriert und san net schlecht gfahrn.

Faymann: Aber der Gorbach …
Ostermayer: Nachher. Wie er vom Fenster weg war. Aber bis dahin – wie er die Bahn no ghabt hat …

Faymann: I hab ka Bahn. I hab afoch nimmer des Geld.
Ostermayer: Dann musst halt schaun, dass d’ Rabatt kriegst. Bei „Österreich“ kriegst den sicher. Sag, du zahlst höchstens die Hälfte vom bisherigen Inseratenpreis und willst die gleiche Berichterstattung. Die verschenken net nur die Zeitungen, die lassen a bei die Inserate die Hosen obe.

Faymann: Bei uns net. Da ham s’ immer Länge mal Breite verlangt, sonst könnten s’ die Zeitung nimma verschenken. Außerdem san die Fellner meine Freind. Die „Krone“ brauch i.
Ostermayer: Musst halt was inserieren, was den Dichand freut.

Faymann: Mir san e scho halbert gegen die EU. Mehr geht net.
Ostermayer: Inserier gegen die Vermögensteuer. Da macht er dir garantiert an Sonderpreis, weil bei sein Vermögen holt er si des zehnmal zruck.

Faymann: Ob des bei die klanen Leut so gut ankommt? Ka Vermögensteuer – wo sie so viel Steuer auf die Arbeit zahlen? Sogar in der Partei wollen s’ des nimmer, wegen der Basis.
Ostermayer: Also wann du amoi auf die Basis schaust, kannst es glei aufgeben. Sag’s do wie die Schwarzen: Die kleinen Sparer musst du schützen, die ihr ganzes Leben gearbeit ham, damit jetzt ab bissl was für die Kinder am Sparbuch liegt. Wie seinerzeit beim Hannes für die Villa. Oder sag’s glei wie er: Die Leistungsträger musst schützen, die Aktionäre und so. Und der Hannes sagt dafür in der „Krone“, dass du wirklich was von Wirtschaft verstehst.

Faymann: Und du meinst, des durchschaut kana?
Ostermayer: Ka „Krone“-Leser. Schau, des is des Tolle an der Zeitung: drei Millionen, die si jeden Tag für deppert verkaufen lassen. Drei Millionen, die dem Dichand abnehmen, dass er wegen die Rentner gegen die Vermögensteuer ist.

Faymann: I waaß. Die ham ihm ja sogar abgnommen, dass i a toller Bundeskanzler sein werd. Aber jetzt is er fürn Pröll.
Ostermayer: Weil du zu schnell in „Österreich“ gangen bist. Und mit fast so viel Geld. An dem hat er di gemessen.

Faymann: Des is ja des Schreckliche.
Ostermayer: Du müsstest ihm sagen: I werd durchsetzen, dass alle SP-Minister in der „Krone“ schalten.

Faymann: Aber des tuan s’ ja scho! Aber für si selber, net für mi. Was glaubst, was die Claudia scho in ihr Gesamtschul gsteckt hat. Net nur in die „Krone“, net nur in „Österreich“. Für „News“ hat s’ a ganze neue Zeitschrift finanziert: „NEWS-Schule“ – auf jeder zweiten Seiten a Bericht für sie. Nur: Über die Gesamtschul wissen die Leut ja wirklich wenig – aber was wissen s’ net über mi?
Ostermayer: Dass du a ka Steuer-CD kaufen willst.

Faymann: Und du maanst, des erwarten die Genossen?
Ostermayer: Die Zeiten, wo nur a Bürgerlicher die Steuer hinterziehen konnte, sind spätestens seit dem Hannes vorbei. Das können wir auf unsere Fahne schreiben.

Faymann: Im profil oder im „Standard“ schreiben s’ dagegen.
Ostermayer: Wer liest denn des? Höch­s­­tens „Leser“. Wannst dir den PISA-Test anschaust, gibt’s de in a paar Jahr nimmer. Hast scho amol gsehn, dass ana vo uns denen ordentlich a Werbung gibt? Kana.

Faymann: Und de kennan leben?
Ostermayer: Nimma lang. Fast alle, die ernsthaft Zeitung machen, gengan neben die Schuach – bald gengan s’ alle am Strich.

peter.lingens@profil.at