<small><i>Peter Michael Lingens</small></i>
Das TV-Ende der „Staatskünstler“

<small><i>Peter Michael Lingens</small></i>
Das TV-Ende der „Staatskünstler“

Ein Armutszeugnis im wahrsten Sinne dieses Wortes. Die ORF-Finanzierung als ewiges Gängelband.

Das Auftreten der „Staatskünstler“ im Burgtheater wurde doch nicht vom ORF übertragen, und wie es aussieht, werden sie auch nicht Bestandteil künftiger ORF-Programme sein. Das ist mediale Selbstverstümmelung. Vergleichbar nur der Idee, dass profil die Kolumne von Rainer Nikowitz auflässt. Der Einwand, dass Nikowitz nur eine von 96 Seiten füllt, wäre nicht stichhaltig, denn es ist eben die weit und breit beste Seite ihrer Art. Die „Staatskünstler“ waren nicht nur die beste ­satirische ORF-Sendung des Vorjahrs (innerhalb einer sehr respektablen internen Konkurrenz), sondern ich kann mich nicht erinnern, dort je eine bessere erlebt zu haben.
Auch nicht zu Zeiten eines Gerhard Bronner, denn damals wurden zwar einige seiner grandiosen Kabarettprogramme übernommen, aber als wöchentliche Sendung war sein „Guglhupf“ schwächer. Und zwar nicht zuletzt, weil Bronner & Co damals nicht die Narrenfreiheit von ­Maurer, Palfrader und Scheuba genossen – es war undenkbar, dass sie sich im gleichen Ausmaß mit Korruption beschäftigt oder den ORF auf die Schaufel genommen hätten.

Die „Staatskünstler“ waren nicht zuletzt deshalb von solcher medialer Bedeutung, weil sie die Behauptung widerlegten, dass der ORF der Politik hörig sei: Alexander Wrabetz und Kathrin Zechner erlaubten eine Sendung, von der sie wussten, dass sie ÖVP wie SPÖ missfallen und der FPÖ verhasst sein musste. Und sie ertrugen, dass der als Wrabetz’ Büroleiter vorgesehene Niko Pelinka zu ihrer Top-Lachnummer wurde.

Jetzt keimt zwangsläufig der Verdacht, dass sie froh waren, dass die Sendung einfach ausgelaufen ist. Aber so populär diese These wäre, ist sie doch falsch: Die Sendung war auch für 2013 vorgesehen, und Zechner hätte gern aus der Burg übertragen.

Beides ist am Geld gescheitert.

Die Staatskünstler behaupten auf ihrer Website, dass das daran lag, dass die Politik den ORF nach wie vor im Unklaren lässt, wie weit sie ihm die Beträge refundiert, die ihm durch Gebührenbefreiungen entgehen. Der ORF behauptet, die Refundierung habe nichts damit zu tun, zumal sie für 2013 noch gesichert sei, aber plötzlich etwa 140.000 Euro für eine Übertragung aus der Burg aufzubringen sei angesichts des engen finanziellen Korsetts aller Sendungen unmöglich gewesen.

Mir scheint der Widerspruch nur scheinbar: Wenn die Refundierung 2014 nicht zustande kommt, fehlen dem ORF zu diesem Zeitpunkt 70 Millionen, und er muss nicht erst 2014, sondern sofort den Sparstift zücken. Insofern hängt er doch am Gängelband der Politik: Sie kann die Verhandlungen über die Refundierung immer an Bedingungen knüpfen.

Derzeit sind ÖVP und FPÖ dagegen und verweisen auf die Erhöhung der Gebühren – der ORF möge sparen. Diese Haltung ist durchaus populär, solange man das ORF-Budget nicht mit dem von ZDF oder ARD vergleicht. In Wirklichkeit ist erstaunlich, dass er ihnen in der Qualität seines Programms nicht weit hinterherhinkt.

Es gibt nur einen Weg, die Finanzierung des ORF korrekt zu gestalten: jenen, den Deutschland soeben geht, indem es jeden Haushalt und Betrieb mit einer gestaffelten Rundfunkgebühr belegt. Die ist inflationsgesichert und de facto eine Steuer.Damit sind die Sender ein für alle Mal im aktuellen Ausmaß finanziert: Sie können nicht teurer werden, aber sie müssen auch nicht immer wieder als Bittsteller bei der Politik auftreten.
Wer einen möglichst unabhängigen ORF will, muss für diese Form der Finanzierung sein.

Das ist dann gerechtfertigt, wenn der ORF es durch die Qualität seines Programms rechtfertigt. Und damit bin ich wieder bei den „Staatskünstlern“. Ihre Sendung war ein Teil dieser Rechtfertigung.
Deshalb ist mir unbegreiflich, dass der ORF sie auslaufen lässt. Dort wird man einwenden, dass die Fortsetzung ja durchaus geplant war – es waren Scheuba, Palfrader und Maurer, die erklärten, dass sie sich dazu unter den aktuellen finanziellen Bedingungen außerstande sehen. Die Selbstausbeutung hätte Grenzen.

Für eine sendefertige Folge der Staatskünstler zahlte der ORF 70.000 Euro – die vergleichbare „Heute-Show“ kostet das ZDF einen sechsstelligen Betrag. „Heute“-Stars können weitgehend von ihren Gagen leben – die „Staatskünstler“ nicht im Entferntesten. Sie haben die Sendung auch gar nicht in dieser Absicht gestartet – es waren die besonderen politischen Zustände, die sie herausgefordert haben, sich zu engagieren. Aber um jede Woche eine Satiresendung zu produzieren, braucht es finanzierte Helfer im Hintergrund: Autoren, die Texte zuliefern; Journalisten, die recherchieren; ein TV-Team, das sich um die TV-gerechte Umsetzung kümmert.
Das alles kostet.

Ich meine, dass der ORF eben doch bei „Musikantenstadl“ oder „Dancing Stars“ die Beträge einsparen müsste, die notwendig wären, die „Staatskünstler“ fortzuführen.Sonst überlässt er den Privaten ein Feld, auf dem er bis dahin Marktführer war.

Eine Sendung, die im Schnitt 216.000 Zuseher hatte, obwohl sie nie vor 23 Uhr ausgestrahlt wurde, ist in Wirklichkeit ein Quotenrenner – und zwar bei der werbewichtigen AB-Schicht.

peter.lingens@profil.at