Rainer Nikowitz: Albinos im Whirlpool

Rainer Nikowitz: Albinos im Whirlpool

Was die Öffentlichkeit am Wahlsonntag dann doch nicht zu hören bekam – das profil-Satirereferat aber sehr wohl.

15.18 Uhr.

Die ÖVP stellt sich zum ersten, aber beileibe nicht zum letzten Mal an diesem Tag die
Sinnfrage.

Kurz: Einstellig … Was will uns das sagen?
Mitterlehner: Dazu braucht ma jetzt oba net unbedingt an Dolmetscher, oder?
Kurz: Na ja, das muss man aber schon noch genauer analysieren.
Mitterlehner: Analysieren? Was muss ma groß analysieren an einem Ergebnis, das sagt: „Ihr seid’s schiach wie der Zins und euch braucht genau niemand!“?
Kurz: Jetzt komm! Du musst es positiv sehen.
Mitterlehner: Positiv, soso. Burschi, wir san in Wien ka Partei mehr – wir san a statistische Schwankungsbreite.
Kurz: Schau: Die Piraten und die Kummerln hamma putzt wie nix.
Mitterlehner: I gfrei ma an Wolf.
Kurz: Und de Erdogan-Partie siecht von da hinten a nur unsern Auspuff. In your face, Sultan!
Mitterlehner: Wenn i dir so zuhör, muss i sagen: Manchmal wär i gern no amoi jung.
Kurz: I a.
Mitterlehner: Wo is denn eigentlich der Juraczka? Auf Tauchstation?
Kurz: Der sitzt in sein Büro und zieht die Konsequenzen.
Mitterlehner: Ah. Schreibt er also scho sei Abschiedsrede?
Kurz: Er gibt a Immobilieninserat auf.
Mitterlehner: Scho wieder?
Kurz: Diesmal aber für sei eigene Parteizentrale. I mein, wir san schließlich immer no a Wirtschaftspartei.
Mitterlehner: Sagt wer?

16.24 Uhr.

Dass bei den Grünen keine uferlose Freude aufkommt, ist verständlich.

Vassilakou: Magst du Fair Trade oder koffeinfrei?
Glawischnig: Beides.
Vassilakou: Hu, hamma grad net.
Glawischnig: Dann koffeinfrei. Keine Macht den Drogen.
Vassilakou: Aber wenigstens a Bio-Milch hamma.
Glawischnig : Soja?
Vassilakou: Oje. Laktoseintolerant?
Glawischnig: Nein, das würd ich nie machen. Schließlich hat auch Laktose ein Recht auf ein selbstbestimmtes Leben ohne Diskriminierung. Vegan.
Vassilakou: Ah so. Aber leider is die Sojamilch auch aus.
Glawischnig: Dann trink i eam halt schwarz. Mit ein bisserl Stevia.
Vassilakou: I hab aber nur Zucker.
Glawischnig: Geh bitte! Haben wir überhaupt no irgendwelche Prinzipien, die wir auch leben?
Vassilakou: Es ist brauner Rohrzucker. Aus einer selbstverwalteten Kooperative von transsexuellen Albino-Rastas auf Jamaica. Eine Minderheit in zweifacher Hinsi…
Glawischnig: I mag oba kan Zucker! Und deine transsexuellen Albinos samma blunzn!!
Vassilakou: Wie kannst du so etwas nur sagen!
Glawischnig: Weil wir grad ein echtes scheiß Ergebnis eingfahren ham, vielleicht?
Vassilakou: Und das gibt dir das Recht, auf einer unterdrückten Minderheit herumzutrampeln?
Glawischnig: Du hast recht. Entschuldige. Ich hab mich nur vergessen, weil … Ich hab mir den Tag halt anders vorgstellt. Gib mir bitte ein Solidaritätslöfferl.
Vassilakou: Also, wennst es net du wärst, würd i jetzt echt den internen Korrektheitsverletzungsausschuss einberufen. Und mit dem is net zu spaßen!
Glawischnig: I weiß.
Vassilakou: Also, worüber ham wir vorher grad gredet?
Glawischnig: Warum wir die Wahl verloren haben.
Vassilakou: Ah ja. Also, i muss echt sagen: Ich kann’s mir nicht erklären!

18.05 Uhr.

Die FPÖ hofft bis zur ersten Hochrechnung noch innigst auf den Sensationssieg. Aber dann …

Kickl: Per aspera ad astra!
Strache: Dos kann ma wohl sagen! Also … wenn ma’s sagen kann.
Kickl: Jetzt ist die letzte Bastion sturmreif geschossen! Ein paar magere, zerlumpte Verteidiger harren noch aus – aber auch sie wissen: Beim nächsten Angriff werden sie fallen!
Strache: I will ma aber net den Anzug dreckig machen, gell?
Gudenus: Worauf hab i als Vizebürgermeister eigentlich alles Anspruch? Den Ostflügel vom Rathaus? Die Miss Vienna als Sekretärin?
Kickl: Wir wollen doch do um Himmels willen keine Privilegiendebatte lostreten, oder Joschi?
Gudenus: Eh net. Drum hätt i mir a denkt, i nimm ma des einfach alles und wir reden nimmer drüber.
Strache: Euch is schon klar, dass i mi in Sphären beweg, in die net amol der Jörg, Wotan hab ihn selig, vorgedrungen is?
Kickl: Und des is natürlich alles dein Verdienst ganz allein.
Strache: Grad wollt i’s sagen.
Gudenus: A Stretchlimo mit Whirlpool, ha? Und an 2,20 Meter großen Dolph-Lundgren-Verschnitt als Chauffeur!
Kickl: Wartet’s, da kommt die Hochrechnung! Vielleicht hamma ja do den ersten gschafft: Also, aufgepasst: SPÖ … 39,5. FPÖ 30,9 … Öh …
Strache: Vergesst’s des mit den Sphären wieder.
Gudenus: Und i lass vielleicht den Whirlpool weg, ha?

18.20 Uhr.

Die SPÖ fühlt sich trotz ihrer Verluste als großer Sieger. Und man trifft gleich ein paar Nachwahl-Veranlassungen.

Faymann: Nein, des gilt net nur heute. Des is ein unbefristetes Hausverbot. Also, dass Sie mir den auf gar keinen Fall bei der Tür hereinlassen, verstanden? Wir reden da immerhin vom größten Feind der Sozialdemokratie, net wahr? Was heißt, wer des sagt? Der Kanzler, der bombenfest im Sattel sitzt, sagt des! Fein. Also dann, auf Wiederhören!
Häupl: Oba du muaßt doch über den Strache net extra a Hausverbot verhängen. Der kummt do
sowieso net zu uns.
Faymann: Wieso den Strache? Des Hausverbot is für den Kern!
Häupl: Es is wirklich beeindruckend, wie ungeheuer konzentriert du in wirklich jeder Situation sofort auf das Wesentliche fokussieren kannst: auf di.
Faymann: Des wär einfach net fair, wenn i da jetzt zum Handkuss komm. Immerhin hamma ja quasi gwonnen.
Häupl: Wir?
Faymann: Ja, eh: du. Was anderes würd i nie
behaupten! Zumindest so lang net, solang du no wer bist. Und so wie’s ausschaut, bist du no länger wer.
Häupl: Auf di kann ma echt bauen. Außer, ma hätt gern a Fundament.
Faymann: Und außerdem waren wir uns do scho vor ana Wochen einig: Des is ka Wahl, des is höhere Gewalt.
Häupl: Des hätt ma doch aber nur gsagt, wenn ma verloren hätten!
Faymann: Was bedeutet des jetzt aus deiner Sicht für die Bundespolitik?
Häupl: Na ja. Zerscht amoi gar nix.
Faymann: Du meinst, wir müssen da jetzt amoi nix tun?
Häupl: Derweil net.
Faymann: Gar nix?
Häupl: Na.
Faymann: Heut is einfach a super Tag.

22.08 Uhr.

Die NEOS haben den Einzug in den Landtag geschafft. Entsprechend ausgelassen geht es bei der Wahlparty zu.

Strolz: He! Also, bei aller Liebe, aber das kann i net akzeptieren. Geh weg da!
Meinl-Reisinger: Ich denk gar net dran.
Strolz: Das is aber mein Baum!
Meinl-Reisinger: Wie kannst du so neidig sein an einem Tag wie diesen?
Strolz: Wir achten das Privateigentum. Und wir sind für Eigenverantwortlichkeit. Und mein Baum hat so ein … Spezialharz. Also, sei so gut und such dir doch bitte einen anderen Baum zum Umarmen.
Meinl-Reisinger: Was mi an diesem Neoliberalismus doch irgendwie stört, is dieses mangelnde Wir-Gefühl, das er erzeugt.

rainer.nikowitz@profil.at