<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Alle achte!

KHGs acht (!) Handynummern wurden abgehört – und auch Gespräche mit ÖVP-Granden aufgezeichnet.

Grasser: Danke. Dos freut mi wirklich, doss du mi tröstest.
Schüssel: Na ja, weißt, in Wirklichkeit hab i eh nur angrufen, weil mei Frau gsagt hat, i soll. Weil des halt scho immer mein Problem war, dass sich mein natürliches Talent zur Empathie so ­selten Bahn bricht.

Grasser: Äh … ja. Schön, dass du so ­offen bist.
Schüssel: Ja. Find ich auch. Apropos ­offen: Sag mir die Wahrheit! Hast Dreck am Stecken oder net?

Grasser: Du wirst do nit glauben, dass i … Du?
Schüssel: I? Nie!

Grasser: Dann bin i ja beruhigt.
Schüssel: Obwohl … Diese Indizien da dauernd …

Grasser: Welche Indizien?
Schüssel: Na ja, i weiß net so recht … ­Bevor i di jetzt anrufen hab können, hat mir ein als Fahrradständer verkleideter Bote auf der Straßen deine Nummer zugsteckt.

Grasser: Dos hat überhaupt nix zu bedeuten. I bin beim Datenschutz immer schon sehr heikel gwesen.
Schüssel: Und all das andere … Diese komischen Konten.

Grasser: Altersvorsorge. Dritte Säule.
Schüssel: Und der Meischberger und diese Figuren?

Grasser: Eine vollkommen zufällige ­Zusammenballung von Ungustln in meiner Nähe reicht dir für einen Verdacht?
Schüssel: Na ja. Ja.

Grasser: Und dabei dachte ich immer: Andere mögen Paris oder Rom gehabt haben – aber uns bleibt immer noch Nulldefizit.
Schüssel: Jetzt sei net glei beleidigt! Ich ruf dich wieder an. Unter welcher Nummer?

Grasser: Die bekommst du beizeiten. Achte diesmal auf die Biotonnen!

***

Grasser: Und nach all den Jahren, sprich: Hast du etwa vergessen mich?
Gehrer: Eher spröss im Dezember ­Wacholder, als dass ich dich vergäße, oh Holder!

Grasser: Wie unbeschwert die Zeit, in der wir gingen zu zweit, mit fröhlicher Miene, zur Sandwichvitrine der Parlamentskantine …
Gehrer: Oh goldene Jahre! Wo seid ihr nur hin? Darf hoffen ich noch, oder hat es koan Sinn?
Grasser: Ich wär schon bereit, an dein Fenster zu klopfen, doch ist fast verloren schon Malz wie auch Hopfen! ­Bevor ich zu dir eil, gehüllt nur in Aramis, bräucht vorher ich noch ein paar Alibis!

Gehrer: Weh mir! Du Schlampe verkaufst dich?
Grasser: Hab jemals schon was anderes gmacht ich?

Gehrer: Zerbrochen die Hoffnung, erloschen die Glut! So will ich dich nicht – hinfort, du Filou!
Grasser: Mir deucht, ich mach mich da zum Hampel! Ich leg jetzt auf. A so a Trampel!

***

Finz: Also ich wollt nur sagen, Karl-Heinz, ich werd dem Staatsanwalt ­sagen, dass ich von all dem mit der ­Buwog und dem ganzen anderen nix mitbekommen hab.
Grasser: Sehr fein Fredi, danke.

Finz: Und das is ja nicht nichts.
Grasser: Neinnein.

Finz: Das ganze Land weiß schließlich immer noch, was für ein hervorragender Experte ich an deiner Seite war. Und wenn ich sag, ich hab nix bemerkt, dann ist das ja praktisch ein Freispruch für dich.
Grasser: Jaja.

Finz: Ich hau di da scho ausse. Wirst sehen! Der Finz, werden alle sagen, also wenn der Finz sagt, da war nix, dann war da a nix.
Grasser: Super Fredi. I weiß dos wirklich zu schätzen.

Finz: Ja. Na ja und sunst … Heute ist übrigens der 2287. Tag.
Grasser: Der 2287. Tag seit was?

Finz: Seit mi des letzte Mal ana auf der Straßen erkannt hat.

***

Khol: Lieber Freund! Grüß Gott schön!
Grasser: Ja, das is ja ein komischer Zufall. Nach so langer Zeit wollt ich dich ehrlich demnächst einmal anrufen – und jetzt rufst du mich an.

Khol: Was hättest denn wollen von mir?
Grasser: I weiß, du hast mi damals als Spitzenkandidat verhindert, aber ­erinnerst du di auch no, wie du im Parlament vor allen Leuten gsagt hast, dass i brillant bin?

Khol: Ja … Was sagt ma net alles als jugendlicher Heißsporn von 60 Jahren.
Grasser: Und was i di dazu eben fragen wollt: Würdest du das wieder für mi tun? I hätt da grad einen kleinen Engpass an öffentlichen Fürsprechern.

Khol: Nun, mein lieber Karl-Heinz, dazu kann ich eigentlich nur sagen: Tempora mutantur, et nos mutamur in illis!
Grasser: Aha. Ja. Das ist jetzt ein bissl blöd, dass ich das nicht wirklich.

***

Khol: Weil, sind wir uns einmal ehrlich: Du bist doch ein klassischer Fall von: Sic transit gloria mundi!
Grasser: Ja. Äh … Klassischer Fall, wirklich wahr. Sagt der Ainedter auch.

Khol: Du hast es halt mit dem „Manus manum lavat“ furchtbar übertrieben, mein Sohn!
Grasser: Ich … Na ja, weißt eh, wie des is. Du, i müsst dann weiter, gell, schön dass wir wieder einmal …

Khol: Also, was mich betrifft: Roma ­locuta, causa finita.
Grasser: Ja. Eh. Und meld dich, wennst einmal in der Nähe bist, gehen wir auf einen …

Khol: Vae victis!
Grasser: Danke. Gut, dass wir geredet haben!

rainer.nikowitz@profil.at