<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Alles in Mutter!

Barbara Rosenkranz, Bundespräsidentschaftskandidatin der „Krone“ und anderer demokratiepolitisch wertvoller Institutionen, spricht im nie geführten Interview wieder einmal Klartext.

profil: Frau Rosenkranz, wie war das denn jetzt: Hat es den Holocaust gegeben?
Rosenkranz: Ich habe dazu das Wissen, das ein Österreicher hat, der zwischen 1964 und 1976 in österreichischen Schulen war. Das ist also mein Wissen von der Geschichte, und daran habe ich überhaupt keine Änderung vorzunehmen.

profil: Das heißt also, in Ihrem Geschichtsunterricht wurde dieses Thema eingehend besprochen.
Rosenkranz: Nein, überhaupt nicht. Darum hab ich ja überhaupt keine Änderung vorzunehmen.

profil:
Aha. Nun, wenn ich Sie kurz mit den neuesten Erkenntnissen der zeitgeschichtlichen Forschung vertraut machen dürfte: Es gab Konzentrationslager mit Gaskammern.
Rosenkranz: Waren Sie damals dabei?

profil: Nein. Die Gnade der späten Geburt.
Rosenkranz: Nun ja. Wenn Sie das für eine Gnade halten.

profil:
Die Abfassung des Kodex Hammurabi und die Französische Revolution haben aber auch ohne mich stattgefunden.
Rosenkranz: Sagt wer?

profil: Ein paar Millionen Historiker weltweit?
Rosenkranz: Da gibt es auch immer verschiedene Meinungen.

profil: Ja. Beim Holocaust vor allem die von Mahmoud Ahmadinejad.
Rosenkranz: Sehen Sie! Das ist zum Beispiel ein zukünftiger Amtskollege, auf den ich mich wirklich freue.

profil: Der ist aber Moslem. Mit denen haben Sie es ja auch nicht so.
Rosenkranz:
Niemand ist perfekt. Aber er gibt sich zumindest Mühe, das anderweitig gutzumachen.

profil: Und was ist aber nun mit den Zeugen für den Holocaust? Was ist mit denen, die das KZ überlebt ­haben?
Rosenkranz: Ach, wissen Sie, letztens hab ich in Wien auf der Straße einen Mann gesehen, der hatte auf seinem Unterarm irgendwelche komischen asiatischen Schriftzeichen.

profil: Und warum erzählen Sie mir das?
Rosenkranz: Eintätowieren kann man sich bald was. Haut ist geduldig.

profil: Wenn ich also zusammenfassen darf: Den Holocaust hat es nie gegeben.
Rosenkranz:
Das habe ich nie gesagt. Hören Sie auf mit dieser linkslinken Schmutzkübelkampagne.

profil: Aber das Gegenteil haben Sie auch nicht gesagt.
Rosenkranz: Ich denke, ich habe mich klar ausgedrückt.

profil: Würden Sie sich noch klarer ausdrücken, wenn es dieses furchtbare, die Menschenrechte mit Füßen tretende Verbotsgesetz nicht gäbe?
Rosenkranz:
Recht und Gesetz sind eben nicht zwingend immer dasselbe.

profil: Können Sie eigentlich einmal eine Frage mit Ja oder Nein beant­worten?
Rosenkranz:
Versuchen Sie gerade, meine Meinungsfreiheit zu beschränken? Da bin ich allergisch. Es ist schließlich kein Zufall, dass die Freiheitliche Partei so heißt, wie sie heißt.

profil: Na ja. Alle Namen, die besser passen würden, sind halt leider auch verboten.
Rosenkranz:
Sie sagen es. Ich kann ja noch von Glück reden, dass mir niemand verboten hat, meinen Kindern die von mir gewünschten Namen zu geben.

profil: Stimmt. Nicht auszudenken, wenn sie die alle zum Abendessen riefen und es nicht wie die gesamte „Edda“ klänge.
Rosenkranz: Mein Mann sagt immer, andere sind manisch-depressiv und wir halt manisch-germanisch. Was is gescheiter?

profil: Nun ja. Gegen eins von beiden gibt es wenigstens Medikamente. Aber wenn Sie schon Ihren Mann ansprechen: Sie tun ja meistens so, als wüssten Sie gar nicht, was er schon so alles gesagt und geschrieben hat.
Rosenkranz:
Muss ich das wissen?

profil: Es besteht zumindest eine gewisse Wahrscheinlichkeit.
Rosenkranz: Hören Sie, wir haben zehn Kinder. Die mussten erst gezeugt und dann versorgt werden. Glauben Sie, da kommt man groß zum Reden?

profil: Sind Sie oder Ihr Mann rechtsextrem?
Rosenkranz: Nein.

profil: Nein?
Rosenkranz: Solche Beurteilungen sind halt immer eine Frage des Stand­punktes.

profil: Und von welchem Standpunkt aus betrachten Sie das gerade?
Rosenkranz:
Von einem der Mitte. Und der könnte genauso gut von Attila dem Hunnenkönig, General Franco oder sonst einer angesehenen Persönlichkeit der Geschichte stammen.

profil: Ihr Parteichef Strache hat Ihnen die Latte ganz schön hoch gelegt: Er nennt als Wahlziel 35 Prozent.
Rosenkranz: Da tät er aber schön schauen, wenn ich die schaffe.

profil: Wieso? Er würde sich doch sicher freuen.
Rosenkranz: Aber maximal bis zu seinem eigenen Wahlergebnis in Wien.

profil: Höre ich da gewisse Unstimmigkeiten heraus?
Rosenkranz: Ich habe dazu das Wissen, das ein Österreicher hat, der zwischen 1964 und 1976 in österreichischen Schulen … Öha! Jetzt hab
ich mich doch glatt vertan!

rainer.nikowitz@profil.at