<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Alternativlos

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Alternativlos

Finanzministerin Maria Fekter erklärt im nie geführten Interview, warum die zypriotische Nicht-Einlagensicherung ein Sonderfall ist. Oder so.

profil: Frau Finanzministerin, hat sich das wirklich ausgezahlt, dass jetzt quer durch Europa zig Millionen Menschen wegen Zypern Angst um ihr Erspartes haben?
Fekter: Niemand muss vor gar nichts Angst haben.

profil: Das haben Sie wieder ­einmal sehr schön gesagt.
Fekter: Umsonst wär ich ja nicht die bessere ÖVP-Vorsitzende.

profil: Sogar in Deutschland fürchten sich nach einer jüngsten Umfrage 48 Prozent, dass der Bankomat auf einmal nichts mehr aus­spucken könnte.
Fekter: Na ja, in Deutschland. Dort haben sie ja auch keine Fekter Maria, die auf das Geld der hart arbeitenden Bevölkerung aufpasst wie ein Haftelmacher. Ich garantiere, dass ich persönlich über jeden Cent wache, der auf österreichischen Bankkonten und Sparbüchern liegt!

profil: Diese einigermaßen furchterregende Vorstellung wird jetzt zwar möglicherweise potenzielle Bankräuber ziemlich schrecken. Aber der gemeine Kontoinhaber könnte sich eventuell denken: Ja, eh – und wenn die ÖVP bei der Wahl Dritte wird, geht sie ganz sicher in Opposition.
Fekter: Die Einlagensicherung bis 100.000 Euro ist in Stein gemeißelt. Und sie gilt in ganz Europa, falls Sie das nicht wissen sollten.

profil: In Zypern hat sie aber an sich auch gegolten – bis vor Kurzem.
Fekter: Zypern ist eine unbedeutende Pirateninsel, auf der man vor lauter Schwarzgeld die Olivenbäume nicht mehr sieht.

profil: Das bestreite ich ja gar nicht. Aber gerade deshalb ist es ja so unglaublich, dass man wegen ­Zypern das Vertrauen aller Europäer in das Finanzsystem aufs Spiel setzt.
Fekter: Read my lips: Zypern ist ein einmaliger Sonderfall.

profil: Ich lese an sich keine Groschenromane, aber gut: Also kann das in, sagen wir, Italien oder Spanien nicht noch einmal passieren?
Fekter: Na ja. Doch. Dann wäre es zwar immer noch ein Sonderfall – aber halt kein einmaliger mehr!

profil: Verstehe. Und wenn sich jetzt ganz Europa das ersparte Geld lieber unter den Kopfpolster legen möchte, weil es nicht auf den nächsten Sonderfall warten will, dann fällt das unter: blöd gelaufen?
Fekter: Also, dafür kann man jetzt wirklich nicht die EU-Finanzminister verantwortlich machen. Das wollten ja die … Ding, also die Zypridioten selber, dass man bei ihnen auch die Einlagen unter 100.000 Euro schröpft.

profil: Aha. Also war das so: Die große, mächtige EU schnürt ein ­finanzielles Rettungspaket für einen an sich unbedeutenden Zwergstaat mit mafiösem Geschäftsmodell und fordert von diesem – verständlicherweise – eine Eigenleistung von 5,8 Milliarden Euro.
Fekter: Ja. Das hamma gut gmacht, oder?

profil: Und dann überlässt es die EU großherzig den B-Movie-Politikerdarstellern dieses Zwergstaates, ob sie auf die Schnelle die Einlagensicherung für obsolet erklären und zumindest einmal in ganz Südeuropa einen Bank-Run auslösen wollen? Auf dass dann der russische Oligarch nicht ganz so bös ist, weil er dadurch weniger zahlen muss und hoffentlich seine ebenso sauer wie sauber verdienten Milliarden weiterhin in Zypern lässt, damit man dort weiterhin Finanz-Voodoo betreiben kann?
Fekter: Ja. Das hamma gu… Moment! Nein! So war das natürlich nicht!

profil: Wie dann?
Fekter: Es war … Mein Gott, man kann halt nicht immer an alles denken.

profil: Nicht einmal daran, dass man einen Bank-Run vielleicht gar nicht so gut brauchen kann?
Fekter: Der Rettungsplan war … ­alternativlos!

profil: So ein Blödsinn!
Fekter: Sie wissen genau, dass ein europäischer Politiker, der „alternativlos“ sagt, damit im Leo ist! Und dann können sich alle anderen ­brausen!

profil: Das ist ja eigentlich jetzt schon mein Wort des Jahrzehnts.
Fekter: Ja! Meines auch! I mein, simma uns ehrlich: Die ganze Bankenretterei und so, das ist ja furchtbar kompliziert. Da kennt si ja keine Sau mehr aus, ist es nicht so? Also, sogar ich … ich meine, ich bin schließlich nur Finanzministerin – und nicht Harry Potter. Da hilft einem so ein ab und zu in die Menge geworfenes „Alternativlos!“ schon ungemein.

profil: Warum müssen wir ­eigentlich in Europa jede noch so dubiose Bank retten?
Fekter: Alternativlos!

profil: Warum hat die EU bei ­Zypern so lange zugeschaut, wo doch jeder wusste, was dort getrieben wird?
Fekter: Alternativlos!

profil: Wird Maria Fekter nach der nächsten Wahl immer noch ­Finanzministerin sein?
Fekter: Alternativlos!

profil: Wenn ich mich jetzt selber ganz fest zwicke – wach ich dann auf?
Fekter: Nein.

rainer.nikowitz@profil.at