Rainer Nikowitz: Auf Augenhöhe

Rainer Nikowitz: Auf Augenhöhe

Gipfeltreffen zwischen den Chefs verfeindeter Staaten sind an sich etwas Gutes. Bei Donald Trump und Kim Jong-un besteht aber doch die eine oder andere Unsicherheit.

Trump: Hallo, gelber Mann!
Kim: Guten Tag, Langnase.
Trump: Sie wissen ja: „Wie die Nase des Mannes, so sein Johannes.“
Kim: Nein. Weiß ich nicht.
Trump: Diese Abschottung tut Ihnen aber gar nicht gut, Kimmy-Baby! Aber wie auch immer. Ich würde ja gern sagen: „Schön, Sie zu sehen!“ Aber ich kann Sie ja kaum sehen! Ich meine, ich wusste, dass Sie verdammt klein sind. Aber gleich so verdammt! Zum Glück sind Sie wenigstens fett, das macht es leichter, Sie zu entdecken. Unter uns: Ein bisschen Low Carb würde Ihnen echt nicht schaden.
Kim: Sie sehen aus der Nähe noch um einiges älter aus, als Sie ohnehin schon sind. Aber wir Asiaten haben Achtung vor alten Männern.
Trump: Das ist ziemlich great.
Kim: Sofern Sie sich nicht schminken und ein überfahrenes Eichhörnchen auf dem Kopf tragen.
Trump: Sie sind auch für die Diplomatie geboren, oder? Genau wie ich! Kein ödes Herumgelaber, keinerlei schwachbrüstige Höflichkeit. Einfach geradeheraus und ehrlich. Das währt immer noch am längsten, oder?
Kim: Das finden die FBI-Sonderermittler sicher auch. Und dann finden die wahrscheinlich auch noch ganz andere Dinge, oder?
Trump: Da tun Sie sich natürlich etwas leichter. Bei Ihnen muss man erst gar kein lästiger Sonderermittler sein, um vor dem Abschussrohr einer Panzerhaubitze zu landen. Da reicht schon: Onkel.
Kim: Gut. Ich finde, der Freundlichkeiten sind jetzt genug gewechselt. Lassen Sie uns über die Modalitäten Ihrer Abrüstung reden.
Trump: Meiner Abrüstung? Ist in Ihrem Glückskeks heute gestanden: „Seien Sie heute noch verrückter als sonst!“?
Kim: Ich dachte an sich, das hier sei ein Treffen auf Augenhöhe.
Trump: Honey, um mit dir auf Augenhöhe zu sein, müsste ich mir die Beine absägen lassen. Gib mir deine Raketen, und ich tu dir nicht weh. So einfach ist das.
Kim: „Einfach“ ist das absolut passende Wort bei Ihnen. Jeder Reisverkäufer in Pjöngjang hat eine klügere Verhandlungstaktik als Sie.
Trump: Die muss er auch haben – so ganz ohne Ware. Und mit verhungernden Kunden. Ich hingegen habe einen großen Knopf, schon vergessen?
Kim: Auf groß kommt’s nicht an.
Trump: Müssen Ihnen das Ihre Frauen sagen, wenn sie überleben wollen?
Kim: Es gibt von mir jedenfalls keine Aufnahme aus einem Moskauer Hotelzimmer, mit der etwas in dieser Richtung zu beweisen wäre.
Trump: Schau, Kimmy-Baby: Du gehst der ganzen Welt gehörig auf die Nerven.
Kim: Und ich fürchte, das ist nicht unsere einzige Gemeinsamkeit.
Trump: Sogar die Chinesen halten dich für durchgeknallt!
Kim: Da haben wir’s.
Trump: Jetzt hör mal zu, du kleiner Hundefresser: Du wirst doch hoffentlich nicht glauben, dass ich dir die Ehre erweise, meinen für mein Alter immer noch knackigen Arsch hierher zu schleppen, um dann mit leeren Händen wieder zu gehen?
Kim: Und wenn doch? Was ist dann, ha? Drückst du dann auf deinen Knopf oder was? Das schau ich mir an.
Trump: Ich hätte verdammt gute Lust, glaube mir! Aber ich will mir auf der anderen Seite gar nicht vorstellen, wie CNN eine solch begreifliche Gemütserregung meinerseits gleich wieder zu einer unglaublichen Horrorgeschichte aufbläst.
Kim: Na also. Du kannst gar nichts tun.
Trump: Du musst mir irgendwas geben, das ich als Erfolg verkaufen kann. „Ich habe die Welt sicherer gemacht, blablabla.“ Irgendwas, das sogar die verdammten liberalen Medien gut finden müssen. Und dafür geb dir ich auch was, das dich in deinen Staatsmedien gut aussehen lässt.
Kim: Dafür reicht schon die Verlautbarung der Steigerung der jährlichen nordkoreanischen Fahrradschlauchproduktion um 0,2 Prozent.
Trump: Willst du mich mit einem Fahrradschlauch vergleichen?
Kim: Wäre das in deinem Land denn ein besonders beleidigender Vergleich?
Trump: Na ja. Da gibt es weitaus schlimmere.
Kim: Gut. Dann nehm ich einen von denen.
Trump: Du bist eine harte Nuss.
Kim: Ich will eine Harley-Davidson. Und einen 67er Ford Mustang. Aber mit den Original-Felgen! Und eine Big-Mac-Filiale für mich allein. Und eine Nacht mit Jennifer Lawrence.
Trump: Was krieg ich dafür?
Kim: Eine vage Inaussichtstellung eines Moratoriums in unserem Atomprogramm.
Trump: Gebongt.
Kim: Ehrlich? Wobei … Kann die Lawrence auch noch Rihanna mitbringen?
Trump: Klar. Und können wir dann dein Moratorium mit unabhängigen Fachleuten überprüfen?
Kim: Auf keinen Fall.
Trump: Deal.
Kim: Reicht das für CNN?
Trump: Ach, denen reicht doch nie etwas.

rainer.nikowitz@profil.at