<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Auf großer Fahrt

Stan & Ollie waren gestern – Gudenus & Hübner sind heute. Zwei große freiheitliche Denker auf Staatsbesuch bei Menschenfreund Ramsan Kadyrow.

Gudenus: Scho schön da, ha?

Hübner: Ja. Und so friedlich.

Gudenus: Und wie gepflegt des alles is! Keine Papierln am Boden und nix. Net wie bei uns.

Hübner: Sag, oh du Held der Russischen Föderation: Wo sind wir hier?

Kadyrow: Das ist Stadtteil von Grosny mit größte Zuwachs von Bevölkerung in letzte Jahre.

Gudenus: Wirklich sehr beeindruckend. Wie heißt der Stadtteil?

Kadyrow: Friedhof.

Hübner: Aaah! Also so ruhig und sicher, wie’s da ist. Ja, so was sieht ma halt nur, wenn man seinen Schreibtisch verlässt und sich mutig und ohne Scheuklappen vor Ort begibt.

Gudenus: Und ganz genau hinschaut, gell.

Kadyrow: Friedhof ist voll mit glickliche Bewohner von Grosny. Sind alle gestorben mit meine Name auf die Lippen.

Gudenus: Wow! Da kann man schon stolz sein. Wenn i mir vorstell, a Wiener stirbt und das Letzte, was er sagt, warat: „Gudenus!“ Geil.

Kadyrow: Chaben nicht gesagt „Kadyrow“. Chaben bekommen geschnitzt mit Messer in Lippe.

Gudenus: Ah, verstehe. No jo. Andere Länder, andere Sitten, sag i immer.

Hübner: Und i sag: Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen, net wahr?

Kadyrow: Meine neien Freinde aus Esterreich sind große Philosophen.

Gudenus: Und das is ja auch das Schöne, dass die Menschen so verschieden sind. Außer natürlich, sie kommen zu uns und sind dann verschieden.

Kadyrow: Dariber wollte reden ich sowieso mit eich: Warum schicken nicht alle Tschetschenen, was sind bei eich, zurick zu mir?

Hübner: Oh du strahlende Sonne des östlichen Himmels – du rennst offene Türen bei uns ein!

Gudenus: Das wäre wirklich eine Lösung in unserem Sinn – weil die hätten ja auch nichts zu befürchten, wenn sie wieder heimkommen.

Kadyrow: Genau. Iberchaupt nix.

Hübner: Ich hab gewusst, wir werden uns verstehen!

Kadyrow: Problem ist: Dauernd ich missen schicken so viele Agenten in Ausland zum Umbringen Landsleite. Ist furchtbar teier. Schlecht fir Wirtschaft. Massakrieren zu Chause viel billiger. Gut fir Wirtschaft!

Gudenus: Ich hab’s ja gewusst! Alles Wirtschaftsflüchtlinge!

Hübner: Aber wenn man diese unbequeme Wahrheit bei uns zu Hause ausspricht, dann fallen ja gleich wieder die ganzen Gutmenschen über einen her.

Gudenus: Weißt, Ramsan, ich sag ja immer: Der Faschismus von heute sagt, ich bin der Antifaschismus.

Kadyrow: Ah, ja. Kenne gut diese Problem. Viel Ärger gechabt mit diese Problem. Aber jetzt viel besser. Wollen sehen Antifaschisten von Tschetschenien? Müssen nur fahren auf andere Friedhof.

Hübner: Hab ich’s nicht schon z’ Haus gsagt, Joschi? Hab i net gsagt, wirst sehen, hab i gsagt, der Ramsan ist ein Bursch. Der scheene Tschetschene!

Kadyrow: Wird langsam Zeit fir Abendessen fir meine lieben Gäste. Fir einzige Gäste, was chabe ich jemals gechabt! Wollen meine Freinde essen mit Animationsprogramm?

Gudenus: Mit Animation? Wie im Club­urlaub? Super!

Hübner: Was genau passiert denn da?

Kadyrow: Ach, nichts Besonderes. Nehmen paar Dissidenten und machen bisschen Strom, bisschen Fingernägel reißen, bisschen Augapfel zerdricken.

Gudenus: Pfauh! I wollt scho immer einmal dabei sein, wenn die Menschenrechte aktiv geachtet werden. Aber das übersteigt ja meine kühnsten Träume!

Kadyrow: Das ist nur Programm fir Vorspeise. Kihnste Träume kommen mit Hauptgang!

Gudenus: Hach, ich liebe Außenpolitik! Du, Johannes, wenn du dann Außenminister bist – nimmst mich dann auch mit auf deine Staatsbesuche? Biiiiiitte!

Hübner: Na ja … Wo möchtest denn am liebsten hin?

Gudenus: Na ja, lass mi einmal nachdenken … Also, auf jeden Fall einmal zur Holocaust-Konferenz nach Teheran.

Hübner: Ja, da hast Recht. Wann hat ma sonst dermaßen viele anerkannte Experten auf einen Fleck beisammen.

Gudenus: Dann zur Regenbogenparade nach Weißrussland!

Hübner: Höhö! Ja! Das wär sicher ein Brüller. Vor allem, wenn sie dann die Restln zsammkehren!

Gudenus: Dann no ein Abstecher zum internationalen Paranoia-Tag nach Simbabwe … und was keinesfalls fehlen darf, is natürlich a fesches Massaker in Syrien.

Hübner: Da sollt ma uns aber beeilen. Wer weiß, wie lang dort noch eine untadelige Persönlichkeit regiert, die auf unserer Wellenlänge is. Ma hat ja in Libyen gsehn, wie schnell des gehen kann.

Gudenus: Und des trotz unserer auf­sehenerregenden Friedensinitiative! Traurig.

Kadyrow: Meine Freinde sollten nicht vergessen Nordkorea.

Hübner: Da hat er natürlich Recht. Ein paar Kindern beim Verhungern zuschauen, ha?

Gudenus: Klassikaner!

rainer.nikowitz@profil.at