<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Auropa

<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Auropa

Die siegreiche EVP bemüht sich mit ihrem Eiertanz um Jean-Claude Juncker nach Kräften, die Europa-Begeisterung in noch lichtere Höhen zu treiben.

Juncker: Also nochmal zum Mitschreiben: Zuerst stellt ihr mich als europaweiten Spitzenkandidaten auf. Dann gewinne ich. Und dann erklärt ihr den Wählern lächelnd, dass man dieses Wahlergebnis nicht über Gebühr ernst nehmen muss?
Orban: Man sollte überhaupt kein Wahlergebnis ernst nehmen. Außer ein ungarisches, vor dem ich mir die Gesetze so zurechtgebogen habe, dass ich auf jeden Fall gewinne. Das erspart einem diese doch sehr lästige Ungewissheit.
Cameron: Sie sind doch nur geworden nominiert, weil gerade kein Brite war zur Hand, der nicht kann leiden den Kontinent, ablehnt vehement den Euro und sorgt dafür, dass der Britenrabatt wird erhöht auf 100 Prozent.
Juncker: Aber es wird doch niemand ernsthaft glauben, dass so jemand Kommissionspräsident sein könnte.
Cameron: Es ist schockierend, wie schlecht Sie kennen die Briten!

Orban: Ungarn wird auch auf keinen Fall zulassen, dass jemand an der Spitze der EU ist, der dauernd den Größten aller Ungarn beleidigt.
Juncker: Also Sie?
Orban: Schon die Frage allein ist ein weiterer Affront! Damit ist mein Veto einzementiert. Ich nominiere stattdessen Laszlo Hertesnagy für das Amt des Kommissionspräsidenten.
Juncker: Wer ist das denn?
Orban: Mein Masseur.
Juncker: Angela! Jetzt sag doch auch einmal was!
Merkel: Ooch …
Juncker: Och? Das ist alles?
Merkel: Na gut: Och, nee!

Cameron: Ich bin ja mit den Krauts selten einer Meinung. Aber diesmal schon.
Juncker: Ihr verdammten Briten! Ihr habt doch die EU von Anfang an nur als Kuchen gesehen, aus dem ihr euch die Rosinen rauspicken könnt. Und jetzt macht ihr sogar eine Volksabstimmung über den Austritt. Wisst ihr was? Haut doch endlich ab und werdet glücklich mit dem, was ihr für ­Essen haltet.
Cameron: Nun, es ist schön anzusehen, wie richtig ich liege immer wieder mit meinen Vorurteilen. Ich nominiere also Eleanor Hornsworth als Kommissionspräsidentin.
Juncker: Ihre Masseuse?
Cameron: Goodness, nein! Niemals würde ich als völlig unverklemmter Tory mich lassen massieren von einer Frau, die dann sieht meine private parts. Nein, die gute Eleanor ist meine Sekretärin. Sie hat ausgesprochen vernünftige Ansichten zu Europa.
Juncker: Angela! Setz diesem unwürdigen Theater endlich ein Ende! Willst du wirklich zulassen, dass der Hund von Baskerville und ein Gulaschfaschist bestimmen, wo es in der EU langgeht?
Merkel: Ooch …

Orban: Sehr richtig.
Cameron: Ich könnte gesagt haben es nicht besser.
Juncker: Aber denkt ihr denn keine ­Sekunde daran, was das für ein verheerendes Bild abgibt? Was sollen sich denn die Wähler denken?
Orban: Je verheerender das Bild ist, das die EU abgibt, umso besser!
Juncker: Warum ist Ungarn dann eigentlich beigetreten?
Orban: Hallo? Erstens sind wir die viertgrößten Nettoempfänger. Und nicht nur, dass mich die EU bei der Abschaffung der Demokratie in Ungarn nicht wirklich behindert, nein: Ich kann mich auch noch hemmungslos wichtigmachen! Also, wenn das keine guten Gründe sind, dann haben Sie Europa nicht verstanden.
Juncker: Ich fürchte, das habe ich dann wirklich nicht.

Cameron: Endlich er gibt es zu einmal! Wenngleich ich natürlich nicht teile die ungarische Sicht. Denn es kann ja nur geben eine, die ist richtig: die britische.
Juncker: Langsam verliere ich, glaube ich, ohnehin die Lust an diesem Job.
Merkel: Ooch?
Juncker: Machst du eigentlich irgendwann einmal was anderes, außer Taktieren und Abwarten?
Merkel: Nee.

Juncker: Großartig! Dann haben eben beim nächsten Mal die Le Pens und Wilders und Straches die Mehrheit, und ihr alle steht dann mit eurer schönsten Betroffenheitsmiene da und beklagt diesen unerklärlichen Rechtsruck.
Orban: Also, ich sicher nicht. Ich würde dann dafür plädieren, dass wir die alle einfach auch in die EVP aufnehmen. Dann bin ich wenigstens in diesem Verein nicht mehr der einzige Vernünftige.
Cameron: Also, bitte! Ich schließlich bin auch noch da!
Orban: Sie? In fünf Jahren? Träumen Sie weiter.
Juncker: Je länger ich zuhöre, desto schwächer fühle ich mich.
Cameron: Schwach? Moment … Wenn das ist so, dann ist ja doch erfüllt die wichtigste Eigenschaft, die muss ­haben ein Kommissionspräsident.
Merkel: Ooch!

Orban: Na ja … Jetzt noch die offizielle Anerkennung der Ungarn als überlegene Rasse und wir sind tatsächlich einen großen Schritt weiter.
Juncker: Ich hab die Nase voll. Soll doch von mir aus Martin Schulz Kommissionspräsident werden.
Merkel: Ein Sozi?
Cameron: Ein Kraut?
Orban: Kein Ungar?
Merkel: Und da dachte ich immer, dir liegt Europa wirklich am Herzen!

rainer.nikowitz@profil.at