Rainer Nikowitz: B-Movie

Rainer Nikowitz: B-Movie

Der mächtigste Mensch auf dem Planeten könnte bald allen Ernstes Donald Trump heißen.

Das kam davon, wenn man bei den Nachrichten immer nur mit einem halben Ohr hinhörte. Gut, K. war in der Früh immer notorisch spät dran, und das Radio lief halt so nebenbei, und ob das jetzt gerade Werbung für linksdrehende Darmstreicheljoghurts war oder das auf heutzutage gerade noch verträgliche drei Minuten zusammengedampfte Weltgeschehen, fiel ihm manchmal gar nicht auf. Aber heute saß er trotzdem einigermaßen verwirrt in der U-Bahn.

Hieß der UN-Generalsekretär der dem vormaligen Salzburger Weihbischof Andreas Laun zu seiner Wahl zu Papst Innozenz XIV. gratuliert hatte, jetzt Felix Baumgartner oder Sepp Blatter? Hatte Helene Fischer jetzt die Schach-WM gegen Stephen Hawking oder Andi Ogris gewonnen? Und konnte es sein, dass die Nachricht von der Verleihung des diesjährigen Friedensnobelpreises an Recep Tayyip Erdogan zu spontanen Freudenkundgebungen seiner sympathischen Boygroups in diversen europäischen Hauptstädten geführt hatte, inklusive einiger gröberer Versicherungsfälle in kurdischen Restaurants, der Enthauptung mehrerer Gülen-Pappfiguren und des Verbrennens israelischer Fahnen?

Nein, das Letzte musste er sich eingebildet haben. Nicht den Friedensnobelpreis. Den Rest.
US-Präsident Donald Trump traf sich in Malta mit Vladimir Putin und sagte bei der gemeinsamen Pressekonferenz: „Es mag sein, dass dieser Russe hier den besseren Oberkörper hat. Aber im Vertrauen: Den Schwanzvergleich vorher unter vier Augen habe ich gewonnen.“

Nein, auch falsch. Es war Jalta. Nicht Malta.

Der Koffer mit den Einsatzcodes für die US-Atomsprengköpfe ist indessen zum Glück wieder auftaucht. Trump hatte ihn in einer Reality-Show als Siegesprämie für denjenigen ausgesetzt, der binnen zehn Minuten die meisten Chili-Tacos mit Käse runterbringt. Doch der Sieger, ein arbeitsloser Schnapsbrenner aus Mickleditch in Kentucky, befand nach zwei Tagen, die Verantwortung sei doch zu groß und gab die Codes wieder zurück. Bis auf einen. Höchstens zwei.

Die CSU/AfD-Koalition in Deutschland gab eine neue Kooperation mit RTL bekannt. Der diesjährige „Dschungelcamp“-Sieger wird aufgrund seiner Bereitschaft, dorthin zu gehen, wo’s weh tut, und seiner mediendemokratisch erwiesenen Popularität als Innenminister ins Expertenkabinett aufgenommen. Daraufhin erklärten Mario Barth, Dieter Bohlen und Sahra Wagenknecht spontan ihre Teilnahme.


Der diesjährige „Dschungelcamp“-Sieger wird als Innenminister ins Expertenkabinett aufgenommen.

Der britische Premier Wayne Rooney gelobte, den Staatsbesuch von Chinas Staatschef Deng Xi Irgendwas nicht wie den letzten von Viktor Orban mit einer zünftigen Kneipenschlägerei ausklingen zu lassen. „Andere Länder, andere Sitten. Den Geschlitzten machen andere Sachen Spaß. Wir haben ein paar Hunde und einen Satz Filetiermesser vorbereitet“, betonte der Hausherr von Downing Street 221 B. Oder war das Baker Street 10 gewesen? K. war einfach furchtbar mit Namen und Zahlen!

UN-Generalsekretärin Kim Kardashian postete anlässlich des Beginn des Fastenmonats Ramadan auf Instagram eine an die islamische Welt gerichtete Grußbotschaft. Sie wünschte viel Erfolg beim „Daylight Detoxing“ und fügte als Motivation zum täglichen Durchhalten bis zur abendlichen Erlösung ein Foto von ihrem Hintern an, der gerade über dem Meer untergeht. Cathy Lugner, von Joschi Gudenus erst kürzlich nach einer Facebook-Abstimmung als Wiener „Vizebürgermeisterin der Herzen“ ohne Portefeuille in die Stadtregierung geholt, geißelte die Aktion umgehend als „voll behindert“: „Jeder weiß doch, dass es bei den Bärtigen in der Wüste da unten kein Meer gibt.“

Nach Andreas Gabalier, Sonja Wehsely und Papa Putz will jetzt auch der Fips vom Petzi Bundeskanzlerin in Österreich werden. Er fordert mehr Mausefallen an den Grenzen. Victoria Beckham heiratet nach ihrer Scheidung Jaroslaw Kaczynski, HC Strache macht seine Freundin zur Frauenministerin, sie ist 24 und blond. Oder war das die vorige? Verdammt, das hätte K. jetzt aber wirklich interessiert! In der U-Bahn-Gratiszeitung stand leider nichts darüber. Justin Bieber … Irgendwas war auch mit Justin Bieber gewesen. Genau! Er spielte Hamlet. Bei den Olympischen Spielen. Oder so. Und Trump sagt noch etwas, nämlich dass der Papst ganz recht habe mit seiner Forderung, die Hagia Sophia müsse an die Katholische Kirche zurückgegeben werden, weil sonst. Und Erdogan sagte denn auch was, und dann mussten wieder alle demonstrieren, wieder andere Fahnen verbrennen und … und ja, am Ende der Nachrichten, da war dann noch irgendwas gewesen mit Terror, eh klar, und mit der Weltwirtschaft und schwarz und so, also nicht die Zahlen, eher der Tag, und zwar schon wieder. Und Unruhe. Und Säbelrasseln. Irgendwo, weit weg. Also, nicht dass sich K. gemerkt hätte, wo überall. Aber jedenfalls weit weg. Sicher.

Ah ja: Hans Krankl wird wieder österreichischer Teamchef. Das hatte sich K. nicht eingebildet. Die ersten Reaktionen seien euphorisch, hieß es. Kommentatoren sprechen von einer Zeitenwende im heimischen Synchronschwimmsport.