<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Batman und Robin

Der eine rettet den Euro, der andere nimmt die globale Spekulantenmeute an die Kandare – was täte Europa bloß ohne Werner Faymann und Josef Pröll?

profil: Meine Herren, wie geht’s? Spüren Sie sich eigentlich noch – vor lauter Kraft?
Faymann: Na ja, wissen Sie: Man gwöhnt sich dran. Über die Jahre.
Pröll: Ich hab ja das Gfühl, ich hätt im Moment beim Tennis einen Aufschlag wie der Roscoe Tanner. Sogar mit meinem hinigen Haxen.

profil: Herr Vizekanzler, wollen Sie uns noch einmal im Detail erzählen, wie Sie den 750-Milliarden-Rettungsschirm für den Euro aufgespannt haben?
Pröll: Gerne. Also wie die ganze Gschicht auf Messers Schneide gstanden is, hab i zur Angie gsagt, Angie, hab i gsagt, i weiß schon, der Sarko nervt manchmal ge­waltig mit seinem Napoleon-Komplex. I kenn das ja noch vom Schüssel, hab i gsagt. Aber wenn wir …
Faymann: Geh, das interessiert doch jetzt niemanden! Die Bürger wollen vielmehr wissen, wie sie den internationalen Spekulanten das Handwerk legen können! Also wann es das Volksbegehren für die Finanztransaktionssteuer gibt und wo sie unterschreiben können und so!

profil: Gut. Wann? Wo?
Faymann: Das wiss ma selber nicht.
Pröll: Die Bürger fragen sich doch vielmehr, wozu wir da ein Volksbegehren brauchen. Ich hab das mit der Angie und dem Schäuble schon längst besprochen, und als Nächstes ruf i dann einmal den Obama an und frag ihn …
Faymann: … wie des Wetter in Washington is?
Pröll: Du bist nur neidig, weil i so gut vernetzt bin. Und weil i Englisch kann.
Faymann: Bitte, i war doch auch erst bei der Angie. Und danach hat sie ihren Widerstand gegen die Transaktionssteuer sofort aufgegeben.
Pröll: Du bist per Angie mit der Angie?
Faymann: Na ja … Fast. Ich darf sie „Frau Bundeskanzlerin“ nennen.
Pröll: Puuh. Das derf net a jeder.

profil: Dass die Deutschen dann plötzlich auch noch Leerverkäufe verboten haben – wem von Ihnen ist das eingefallen?
Pröll: Mir!
Faymann: Pffft! Ich war am Dienstag bei der Angie. Und was war dann? Um Mitternacht – wupp! – verboten!
Pröll: Das wär vielleicht wahr, wenn du mit der Angie per Angie wärst. So wie ich.

profil: Per was sind Sie eigentlich mit Papandreou?
Faymann: Das kommt drauf an. Defraudant, Betrüger …
Pröll: … Totengräber. Manchmal sag ma auch einfach nur Souvlaki. Diesbezüglich gibt es nicht nur einen nationalen Schulterschluss, sondern durchaus einen gesamteuropäischen Konsens.

profil: Schön. Den gibt es ja nicht immer. Zum Beispiel weder beim Verbot der Leerverkäufe noch bei den strengeren Regeln für Hedgefonds.
Pröll: Nun, da braucht es halt immer Vorreiter. Ich kann Ihnen eins garantieren: Wenn mir so ein Hedgefonds bei der Tür hereinkommt, hat er zwei Watschen und geht ohne Abendessen ins Bett.
Faymann: Typisch! Das Spekulantengesindel auch noch mit Samthandschuhen anfassen!

profil: Was würden denn Sie tun?
Faymann: Fernsehverbot. So lange, bis der Hedgefonds einsieht, was er an­gstellt hat.

profil: Das wär natürlich extrem hart. Aber es bringt mich auch zu der Frage, ob alle diese Maßnahmen, die jetzt unter „Kampf gegen die Spekulanten“ laufen, nicht vielleicht doch nur Placebos sind, um den Volkszorn zu kanalisieren.
Faymann: Das wär ja dann reinster ­Populismus! Dafür bin ich nicht zu ­haben.
Pröll: Ah so? Aber für a europäische Volksbefragung, die nie kommen wird, schon?
Faymann: Wenn sie nicht kommt, dann nur, weil alle so eine Angst vor mir haben, dass sie schon vorher tun, was ich fordere.
Pröll: Und von mir schauen sich wiederum alle die Schuldenbremse ab. Die wird sicher großflächig nach österreichischem Vorbild kopiert werden.

profil: So wie Sie sie von Deutschland kopiert haben.
Pröll: Schauen Sie, ob es jetzt von der Angie oder mir kommt, bleibt sich ja gleich. Zwei große Staatenlenker mit einer gemeinsamen politischen Heimat und einem gemeinsamen Ziel.
Faymann: Der Staatenlenker bei uns bin aber immer no i, gell?
Pröll: Manchmal könnt ma das fast vergessen.

profil: Gerade diese Schuldenbremse wird die Österreicher interessieren. Wo wird denn zum Beispiel gebremst? Bei den Beamten?
Pröll: Na ja, ma soll net übertreiben.

profil: ÖBB?
Faymann: Da wird das durchschnittliche Pensionsantrittsalter ohnehin bald auf 54 steigen. Sicher. Vielleicht.

profil: Bei den Subventionen für die Landwirtschaft?
Pröll: Hören S’! Wir werden unseren Bauern noch die Füße küssen, wenn der große Crash dann da ist und wir alle schauen müssen, dass …
Faymann: Josef? Ganz schlechter Moment!
Pröll: Äh, ja. Ui, schauen S’! Da draußen geht a total schiacher Hedgefonds!
profil: Echt? Wo?

rainer.nikowitz@profil.at