<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Bilder einer Ausstellung

Sein Schaukelpferd, seine Laufschuhe, der NSDAP-Mitgliedsausweis seines Vaters – doch in der Jörg-Haider-Gedenkausstellung in Klagenfurt wird noch viel mehr zu sehen sein …

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Schwestern und Brüder im Geiste, liebe Gläubige! Ich darf euch recht herzlich bei der heutigen Führung durch das Leben des wahrscheinlich größten Österreichers seit Arnulf dem Wilden, dem Begründer des modernen Kärnten, begrüßen. Diese Ausstellung hier, auf die das ganze Land stolz ist, straft ja wieder einmal all jene Lügen, die behaupten, in Kärnten hätte man es nicht so mit der Kultur.

Ich darf euch bitten, dass ihr euch sowohl vor dem Betreten als auch vor dem Verlassen des Ausstellungsstollens die Schuhe ordentlich abputzts, denn wir wollen ja nicht, dass der hier aufgebrachte Sand aus der Libyschen Wüste, auf dem Jörg Haider bei einem Besuch bei einem anderen großen Staatsmann gesessen ist, verunreinigt oder gar an den Schuhen in die Welt hinausgetragen wird, wo man ihn leicht für gewöhnlichen Streusand halten könnte, der nie auch nur in der Nähe des Hinterns unseres geliebten Verblichenen gewesen ist, gell?

Ich darf euch nun gleich einmal bitten, den Blick nach rechts zu wenden – und ihn für den Rest eures Lebens dort zu lassen, kleiner Scherz, höhö –, hier sehts ihr eine originalgetreue Nachbildung der rechen Schulter von Reinhart Gaugg, auf der der Jörg nach seiner Machtübernahme in der FPÖ beim Innsbrucker Parteitag 1986 gesessen ist. Wie? Na ja, eine Nachbildung deshalb, weil wir das Original dem Gaugg ja schlecht wegnehmen haben können. Und als ein Ganzer kann sich der Reinhart ja da auch nit herstellen, weil der hat ja was anderes zu tun auch noch, nit wahr?
Obwohl …

Wie auch immer. Da vor euch in der Vitrine liegen ein paar hochinteressante Dokumente, die allesamt belegen, wozu der Jörg fähig gewesen ist, was für vielseitige Talente dieser begnadete Mann gehabt hat. Zum einen ist da die Resultatskarte vom Preiskegeln in St. Kanzian im Jahr 1993, die eindeutig belegt, dass der Jörg dort beinahe zehnmal hintereinander eine Sau geschoben hätt. Und das Kranzl beim siebenten Wurf is ihm auch nur passiert, weil gerade beim Anlauf sein Handy geläutet hat und der Westenthaler wissen wollt, ob er nach den Unterhosen das Auto auch noch waschen soll. Na ja, ist der Westenthaler halt auch in die Geschichte eingegangen praktisch.

Und das andere ist eine Zeichnung aus dem Kindergarten. Was soll das heißen, was da drauf ist? Das ist ja wohl vollkommen eindeutig: eine einsprachige Ortstafel! Er hat ja schon mit vier so einen Weitblick gehabt …
Und das da, ja, das ist ein Beißring. Da sieht man noch eindeutig die Spuren vom Zweier rechts. Nein, der ist nicht aus dem Kindergarten. Den hat der Jörg sehr gern verwendet, nachdem er damals den Pakt mit dem Schüssel unterschrieben ghabt hat. Eine Zeit lang is er nimmer ohne den aus dem Haus gegangen, der hat zu ihm dazugehört wie der Armani-Nasenhaarschneider, den ihr in der Vitrine da sehts. Den hat er aber seit 2006 nicht mehr verwendet, weil da hat ihn sich der Strutz einmal ausgeborgt gehabt.

Hier haben wir jetzt das Wörterbuch Deutsch-Deutsch, das ist eine Leihgabe vom Landeshauptmann Dörfler, der Jörg hat es ihm geschenkt, nachdem er ihn von seiner Parkbank in die Landespartei geholt hat – und wie man sieht, hat es ja wirklich was genützt, weil wer hätte jemals geglaubt, dass der … Na ja, egal jetzt.

Bitte, hallo, Sie da hinten? Um Gottes willen, nicht berühren das, gell? Das ist neben der gebrauchten Zahnseide unser wertvollstes Exponat, eine Reliquie quasi. In der Windel is nämlich was drin! Was glauben Sie, was das einmal wert sein wird? Dagegen ist ein Splitter vom Kreuz ja ein Bemmerl!
Oh ja, das hier, das ist natürlich auch hochinteressant, das ist ein Haar vom Schnauzer von Saddam Hussein, das beim Bruderkuss damals auf der Wange vom Jörg picken geblieben ist. Wegen dem haben wir schon viele Anfragen gehabt aus dem Irak, aber wir haben gesagt, wir geben es erst her, wenn die Technologie mit dem Klonen hundertprozentig funktioniert. Weil wir wollen ja nicht, dass da ein Blödsinn rauskommt – und dann geben wieder alle Kärnten die Schuld.

Ja, und jetzt kommen wir zum letzten und traurigsten Ausstellungsstück, einem, von dem das offizielle Österreich, in dem ja alle unter einer Decke stecken, nichts wissen will: Das ist die Protonenkanone, die sich der Mossad bei den Außerirdischen ausgeborgt hat, um damit das Auto vom Jörg von der Straße zu schießen. Die haben wir von einem Überläufer bekommen, der ins Kärntner Zeugenschutzpogramm aufgenommen wurde und der heute mit seiner neuen Identität als Kasnudel unerkannt im Gurktal lebt. Er würde ja jederzeit vor Gericht aussagen, aber die Behörden haben ja kein Inter­esse an der Wahrheit … Hauptsache, ihr wissts, was da wirklich passiert ist – und ihr erzählts es auch weiter! So, das war unsere Führung, ich hoffe, es war für jeden was Interessantes dabei. Ich darf noch darauf hinweisen, dass Trinkgelder willkommen sind, und bitte euch noch einmal: Passts mir beim Hin­ausgehen auf den Sand vom Gaddafi auf!

rainer.nikowitz@profil.at