<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Bombenstimmung!

Der heiße profil-Talk mit den zwei angesagtesten Atombombern der Politszene: Kim Jong-Il und Mahmoud Ahmadinejad. Plus: Ihr Strahlenschutz-Bikini gratis!

Kim Jong-Il: Mahmoud, altes Haus! Lange nicht gesehen! Wie geht’s? Du wirkst so beschwingt.
Ahmadinejad: Ach, ich komm gerade von einer Massenhinrichtung. Nichts entspannt mich nach einem harten Tag mehr als ein paar 17-jährige Schwule, die an einem Kran aufgehängt werden. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Kim Jong-Il: Ich sag ja immer, Homosexualität ist heilbar.
Ahmadinejad: Schon. Aber unseren Krankenkassen geht es nicht so.

profil: Die beiden Herren kennen einander offenbar schon eine Weile.
Kim Jong-Il: Aber sicher! Wie denn auch nicht? Schließlich bin ich die Vorderachse des Bösen und er die Hinterachse! Ha!
Ahmadinejad: Ich hab dir schon letztes Mal gesagt, ich will nicht hinten sein. Ich habe meinen Stolz.

Kim Jong-Il: Ist ja gut, Dschadi! Einmal der Gigl, einmal der Gogl. Altes koreanisches Sprichwort.
Ahmadinejad: Außerdem waren wir einmal gemeinsam auf Urlaub.

profil: Tatsächlich? War es nicht schwierig, sich da auf ein Ziel zu einigen?
Ahmadinejad: Überhaupt nicht. Kimi verreist ja an sich nicht so gern.
Kim Jong-Il: Und wir haben da diesen ­Slogan: „Nordkorea ist schön. Komm, bleib!“

profil: Den hab ich, glaub ich, schon einmal gehört.
Ahmadinejad: Und der Bunker spielt wirklich alle Stücke, das muss man ihm lassen. Wir haben uns stundenlang Holocaust-Videos reingezogen und hatten jede Menge Spaß.
Kim Jong-Il: Erinnerst du dich noch an die blonde Ukrainerin, die mit den unglaublichen …
Ahmadinejad: Nein.

Kim Jong-Il: Natürlich erinnerst du dich. Du warst ganz schön stolz auf dich. Dreimal, glaub ich.
Ahmadinejad: Wie ich schon sagte: Nein. Bei Allah!
Kim Jong-Il: Ach so, ja. Der schon wieder. Na, jedenfalls, sie lässt dich schön grüßen.

Ahmadinejad: Ich werde für ihre verirrte Seele beten.
Kim Jong-Il: Sag, wie läuft denn eigentlich dein Wahlkampf? Hehe!

Ahmadinejad: Sehr witzig. Nicht so gut. Es besteht tatsächlich die Möglichkeit, dass mein verrottetes Volk keinen Fanatiker wählt. Weit haben wir es gebracht. Du würdest schön schauen, wenn du Wahlkampf machen müsstest, das sag ich dir.
Kim Jong-Il: Aber das kann doch nicht so schwer sein. Man schießt ein paar Raketen mehr als üblich ins Gelbe Meer, verursacht mit einem unterirdischen Atomtest ein beeindruckendes künstliches Erdbeben, erhöht die Lebensmittelrationen auf eine Hand voll Baumrinde und eine gepökelte Ratte pro Woche – und schon lieben einen alle!
Ahmadinejad: Du bist mir da zweifellos einen Schritt voraus, das muss ich zugeben. Auch wenn das meinem Stolz gar nicht guttut.

profil: Stört es Sie nicht auch, dass Nordkorea in seiner atomaren Aufrüstung schon wesentlich weiter ist?
Ahmadinejad: Ja, das schmerzt natürlich auch. Wenn wir auch schon die Bombe hätten wie Kimi, dann …, äh …, dann wären wir der friedlichen Nutzung der Atomkraft schon viel näher! Die wir ja immer angestrebt haben! Und nichts anderes, damit das klar ist! Noch so eine Fangfrage, Ungläubiger, und ich lasse einen Kran bringen!

profil: Herr Kim, wären Sie eigentlich damit zufrieden, fürs Erste einmal ­Seoul auszuradieren, oder sollte es gleich Los Angeles sein?
Kim Jong-Il: Nun, Los Angeles hat klarerweise mehr Sex. Und ich wollte mich schon immer am Walk of Fame verewigen. Wussten Sie, dass ich in meiner Jugend einmal einen Clint-Eastwood-Lookalike-Wettbewerb gewonnen habe?

profil: Tatsächlich?
Kim Jong-Il: Ja! Meine Schwester war monatelang beleidigt.

profil: Weil Sie sich quasi abweichlerisch betätigt haben?
Kim Jong-Il: Quatsch. Weil sie gegen mich verloren hat! Passen Sie einmal auf: „I know what you’re thinking, punk. You’re thinking, did he fire six shots or only five?“ Na?

profil: Dirty Harry, wie er leibt und lebt. Und dann noch die Frisur!
Ahmadinejad: Er kann auch Judy Garland im „Zauberer von Oz“. Beängstigend.

profil: Da war sie aber zwölf oder so.
Ahmadinejad: Sag ich ja: beängstigend.

profil: Trotzdem wundert es mich ein wenig, dass nicht einmal Sie vor diesem Kulturimperialismus sicher zu sein scheinen.
Ahmadinejad: Das ist ja das Ärgerliche! Jetzt sitzt der Feind schon in meinem Kopf.

Kim Jong-Il: Dass da ein kleiner Mann in deinem Kopf sitzt, den Eindruck hatte ich tatsächlich schon öfter! Haha!
Ahmadinejad: War das jetzt eine Frechheit? Das war eine Frechheit, oder? Pass nur auf! Es ist nicht gesagt, dass wir zuerst Israel bombardieren. Wir können auch anders.

Kim Jong-Il: Du Kameltreiber willst mir drohen? Ein Anruf von mir, und 1000 nordkoreanische Raketen schauen flugs in eine andere Richtung!
Ahmadinejad: Allah wird dich zermalmen!
Kim Jong-Il: Allah? Ich werde dir schon zeigen, was mich dein Allah …

profil: Meine Herren, es sieht so aus, als wären wir heute einen entscheidenden Schritt weitergekommen. Danke für das Gespräch.

rainer.nikowitz@profil.at