<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Briefgeheimnis

<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Briefgeheimnis

Maria Fekter und Werner Faymann schreiben gemeinsam einen Brief an die EU. Oder so.

Fekter: Duhu, Werntschi? Wärst du so knieweich und unterschreiberst ma des da gach?
Faymann: O.k. Was is des?

Fekter: Des is a…, öhm, a Geburtstagskarten.
Faymann: Für wen denn leicht?

Fekter: Für…, für den EU-Steuerkommissar. Den Algirdas Semeta. Genau. Der Semeta hat Geburtstag und i hab mir gedacht, nach dem ganzen Pallawatsch mit unserm Bankgeheimnis wär’s net schlecht, wenn ma a bissl freundliche Nasenlöcher machen. Tuat ja net weh.
Faymann: Dir tuat des frank net weh, wenn du freundliche Nasenlöcher machst?

Fekter: Äh… Na guat. Schon. Aber es is zum Aushalten.
Faymann: Was schreibst eam denn so dem Semeta? Lass amoi lesen.

Fekter: Ah, nix Wichtiges. Damit musst du di gar net erst belasten. Du hast dei Zeit schließlich net gstohlen. Und außerdem weiß ja a jeder, dass du net unbedingt ein Mann des geschriebenen Wortes bist.
Faymann: Wer sagt denn sowas? Des muss aus der Sudelküche von eurem Generalsekretariat kommen! I hab des geschriebene Wort sehr gern, jawohl! Manchmal, wenn i zwischen dem ganzen Regieren a bissl a Luft hab, dann leg i de Füß auf’n Tisch, lockere den Krawattenknopf und lass mir von meinem Medienstaatssekretär was vorlesen.

Fekter: Was denn? „Krieg und Frieden“? Oder vielleicht gar „Shades of Grey“, du kleiner Lustmolch du?
Faymann: Den Herrn Strudl.

Fekter: Aha. Also doch mehr Hardcore.
Faymann: Und i hab erwiesenermaßen schon einmal einen Brief geschrieben! Der is sogar aufgrund seiner inhaltlichen Schönheit und seiner stilistischen Brillanz in einer Qualitätszeitung veröffentlich worden. Also: Was hast denn gschrieben?

Fekter: Des Übliche halt! For he’s a jolly good fellow, Kinder soll er kriegen, Kinder soll er kriegen, drei Mal so viel und so.
Faymann: „Österreich war immer, und ist es weiterhin, ein Unterstützer der vorgeschlagenen Änderung der
Zinsbesteuerungsrichtlinie.“ Wui. Des klingt ja nach einer Gratulation, die wirklich von Herzen kommt.

Fekter: Kennst mi ja. A Herz wie a Rudel Wildpferd.
Faymann: „Außerdem müsste in dem Mandat klargestellt sein, dass die beiden österreichischen bilateralen Abkommen mit der Schweiz und Liechtenstein über die Zusammenarbeit bei Steuern NICHT durch ein Abkommen mit Drittstaaten betroffen wäre.“ Also, des klingt aber…

Fekter: …nach einem rauschenden Fest, i weiß. Diese Litauer sind da halt ein bissl unterkühlt, weißt. Unterschreibst jetzt? I muss dann nämlich.
Faymann: Des is ja überhaupt gar ka Geburtstagskarten!

Fekter: Also, egal, was die Leut sagen: Oba dir kann ma wirklich ka X für a U vormachen.
Faymann: Des san Bedingungen, die du stellst, damit wir auf des Bankgeheimnis verzichten! Und des soll i unterschreiben?

Fekter: Naja. Warat scho super.
Faymann: Und du fragst mi vorher net? Du stimmst di net mit mir ab? Du schreibst einfach einen Brief an die EU? Was glaubst du, wer du bist?

Fekter: I würd mi ja am ehesten als österreichische Entsprechung der frühen Maggie Thatcher sehen. Wenngleich es Leute gibt, die ich vor allem im Profil sehr stark an Jayne Mansfield erinnere.
Faymann: Des is ganz schlechter Stil!

Fekter: Die Mansfield? Naja, manchmal hat sie vielleicht ein bissl übertrieben, aber…
Faymann: Was sagt denn eigentlich der Spindelegger dazu?

Fekter: Der Parteichef von der traurigen Gestalt? Wart amoi… Glei kummt der Bus mit de Leut, de des interessiert!
Faymann: Des heißt, der weiß a von nix?

Fekter: Wann i jeden Furz mit euch zwei Vorwärtseinparkern besprechen muss, geht doch nie irgendwas weiter. Und außerdem hamma Wahlkampf, oder?
Faymann: Aber du bist doch net amoi die Spitzenkandidatin.

Fekter: No net.
Wenn du bei der SPÖ wärst, tät i dir des nie durchgehen lassen.

Fekter: Wenn i bei der SPÖ wär, tätst du mi maximal fragen: „Und wohin darf i Sie jetzt chauffieren, Frau Bundeskanzler?“
Faymann: Des reicht jetzt! Wir werden ja zur Lachnummer in Brüssel!

Fekter: „Werden“ halt i in dem Zusammenhang leider für ziemlich optimistisch. Und des is aber bitte sicher net mei Schuld.
Faymann: Für meine Auftritte dort ham’s aber no kan Begriff wie „being fektered“ erfunden.

Fekter: Weil du halt immer unterm Teppich daherkummst. Dir fehlt halt mei gsundes Selbstbewusstsein.
Faymann: Den Brief unterschreib i jedenfalls sicher net.

Fekter: Weil du a bessere Idee hast?
Faymann: Ja. Natürlich. Die hab i. Wir … Wir streichen den Punkt mit dem Europäischen Gerichtshof, jawohl!

Fekter: Der ist eigentlich eh wurscht … Guat, von mir aus.
Faymann: So! Jetzt hat des a Gsicht. Tja, wenn ma si net um alles selber kümmert ...

Fekter: Ganz mei Red.

rainer.nikowitz@profil.at