<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Buberltraum

Liechtenstein, Libyen, Irak, Buwog, Hypo – wer soll sich da noch auskennen? Zum Glück waren einige der hervorragendsten ehemaligen Haider-Vertrauten bereit, bei einem Round-Table-Gespräch alles aufzuklären.

profil: Wenn man sich die Ereignisse der letzten Zeit so anschaut, könnte man den Eindruck gewinnen, der ganze Haider-Dunstkreis stünde mit einem Bein im Kriminal.
Grasser: Typisch Medienkampagne. Dos is natürlich nur die halbe Wahrheit.
Westenthaler: Wenn des scho so anfangt, dann red ma am besten glei vor der Tür weiter.

profil:
Haben Sie denn Ihren Leibwächter mit?
Rumpold: Ich werde das bald alles in einer groß angelegten Pressekonferenz aufklären. Die kostet nur 796.000 Euro – wenn ma bei die belegten Brötchen a bissl sparen. Uwe, wo ist das Geld?
Scheuch: Dos hab i die Claudia Haider a schon gefragt.

profil: Welches Geld meinen Sie denn jetzt genau? Das von Gaddafi, das von Saddam? Oder von der Hypo?
Scheuch: Wie auch immer – i hab’s nit. Hätt i mir sonst einen BMW stehlen lassen? Und nit an Jaguar?
Koloini: Bitte, i hab zwar was gehört, aber ich kann mi nit erinnern, von wem. I bin lei der schöne Franz.
Grasser: Dos stimmt doch nit!

profil: Dass er sich nicht erinnern kann?
Grasser: Dos a. Aber vor allem is er gar nit so schön.
Meischberger: Was hascht denn ghört, Franzi?
Koloini: No dos mit die 45 Mille. Jetzt fallt’s mir wieder ein: Dos steht doch in dein Tagebuch!

Meischberger:
Aber da steht a, dass i dos von dir gehört hab, du Dolm!
Koloini: Und scho kann i mi wieder nit erinnern.
Westenthaler: Mir kann ma nix nachsagen. I wohn in Simmering, leb bescheiden. A gscheiter Plasmafernseher, ab und zua a zünftige Wirtshausrauferei – was braucht der Mensch mehr?
Meischberger: Na ja. Wenigstens a Konto in Zypern sollt scho no dabei sein.
Scheuch: Dos is no na net part of the game.
Koloini: Mir kann ma a nix nachsagen. I bin in Privatkonkurs.
Grasser: Selber schuld. Du hättst dosselbe machen sollen wie i.
Koloini: Reich heiraten?
Grasser: Gscheit investieren! Supersaubere Profite machen. Immobilien, Finanzwerte …
Rumpold: Also Buwog und Hypo.
Grasser: Wenn i dos füher gwusst hätt, dass
du amol so schiach redst, dann hätt i mi damals nit so für die Eurofighter ins Zeug ghaut. Und du tätst heute immer no für den Fünfuhrtee vom Kleingartenverein Gänseblümchen PR machen.
Rumpold: Pscht! Soll uns die Jagdgesellschaft auf dos a no draufkommen?
Meischberger: Dos isch mir wurscht. Wenn i untergeh, dann nit allan.
Scheuch:
Hast deswegen dei komisches Tagebuch bei der Hausdurchsuchung auf den Präsentierteller gelegt?
Meischberger: Dos isch koa Tagebuch. Dos isch der Entwurf für meinen großen Schlüsselroman. Zwischen Dichtung und Wahrheit isch a ­Unterschied.
Grasser: Wem sagst dos!
Westenthaler: Steht da dann wenigstens a drin, wohin si der Mikscha mit die 32 Mille verzupft hat, wennst scho so vü gscheit bist?
Koloini: Dos letzte Mal, wo i mit ihm telefoniert hab, war er grad mit dem Udai in Dubai.
Meischberger: Na. Da war er doch mit dem Senf in Genf.
Westenthaler: Der haaßt Seif, du … Heizungstechniker!
Koloini: Daran kann i mi a nit erinnern.

profil: Was ist denn über die Jahre mit dem vielen Geld so passiert?
Grasser: Hamma nit als Erstes den „Er hat euch nicht belogen“-Wahlkampf damit gezohlt?
Scheuch: Na. Dos muaß der „Einfach ehrlich, einfach Jörg“-Wahlkampf gwesen sein.
Rumpold: Seids euch sicher? War dos nit der „Sie sind gegen ihn, weil er für euch ist“?
Koloini: Dos Plakat hat er einmal dem Saddam und seine Buam geschenkt. Die waren voll begeistert, weil sie glaubt haben, sie san gemeint! Und dann ham sie ihm glei noch amol fünf … Ups! Jetzt hab i vergessen, was i sagen
wollt.
Meischberger:
Da fallt mir ja glei das Brot aus dem Mund!
Rumpold:
Dos wär aber schad. Da kostet eines 999,90.

profil: Meinen Sie nicht auch, dass das alles ­zusammen ein verheerendes Sittenbild abgibt?
Grasser: No, dos kann ma wohl sagen! In einem Land wie Weißrussland oder dem Iran wär so was nie möglich. Das Ganze is a Medienskandal ersten Ranges.
Scheuch: Genau. Der Grosz is zwar ein orandschener Volldepp, aber zu seinem „Stürmer“-Vergleich muaß ma sagen: Da hat a blindes Hendl auch amol an Korn trunken.
Rumpold: Und ich für meinen Teil werde demnächst in einer groß angelegten Pressekonferenz zum Gegenangriff …
Scheuch: Gernot! Solche teuren Spaßetteln kömma uns nimmer leisten!
Rumpold:
Ma, he! So kann i nit arbeiten! Dann ruaf i halt selber in Liechtenstein an!
Meischberger: Und i les mir jetzt noch einmal meine Protokolle durch und geh bald schlafen. Gute Nacht, Österreich!

rainer.nikowitz@profil.at