© Udo Titz

Satire
10/03/2020

Rainer Nikowitz: Cov...fefe?

Im Quarantäne-Trakt des Weißen Hauses ist die Stimmung selbstverständlich great.

von Rainer Nikowitz

Melania: OMG! Also dann erklär mir das mal: Haben wir dieses Virus jetzt tatsächlich? Oder müssen wir es nur haben?
Donald: Was meinst du mit „müssen“?
Melania: Na, was schon? Dass es ein Fake ist, wie alles an dir. Wenn du jetzt positiv bist, dann musst du zum Beispiel nicht zur nächsten Fernsehdebatte, um dort wieder einmal eindrucksvoll zu beweisen, was für ein geisteskranker Rüpel du bist. Das ist doch sehr praktisch.
Donald: Oh, Darling! Das hast du sehr schön gesagt. Zumindest den Teil, den ich in deinem miesen Englisch verstanden habe.
Melania: Außerdem könntest du dann ab jetzt jeden Tag twittern, dass du dich great fühlst und dieses lächerliche China-Virus sowieso keine Chance gegen einen starken Mann wie dich hat. Und nach zwei Wochen Nachmittags-Talkshows und Hamburger steigst du als strahlender Sieger gegen die Seuche wieder in den Ring. Dann mit hoffentlich weniger desaströsen Umfragewerten.
Donald: Das ist ziemlich genau der Plan, ja. Erstaunlich, dass sogar du den nachvollziehen kannst. Aber die Wahrheit ist: Ich bin wirklich infiziert. Würde ich dich etwa anlügen?
Melania: Ich weiß nicht, wann du zum letzten Mal etwas zu mir gesagt hast, das keine Lüge war.
Donald: Das liegt aber sicher auch daran, dass wir manchmal monatelang nicht miteinander sprechen. Aber weißt du noch, im Juni? Oder war es Juli? Da habe ich dir die Wahrheit gesagt!
Melania: Nein, das verwechselst du. Das war ich! Ich habe damals zu dir gesagt: „Ich hasse dich!“
Donald: Weißt du, was der Nachteil an meiner Präsidentschaft ist?
Melania: Ich kann mich unmöglich für einen einzigen entscheiden, Darling.
Donald: Dass ich dich noch nicht an den slowakischen Sklavenhändler zurückgeben kann, von dem ich dich gekauft habe. Aber nach meiner Wiederwahl ist es dann ja zum Glück egal, da kann ich mich endlich scheiden lassen.


Melania: Wir wollen aber jetzt nicht die bessere von zwei Möglichkeiten vergessen: Wenn du verlierst, ist es auch egal! Und ich komme übrigens aus Slowenien.
Donald: Siehst du! Ich wusste doch, es war irgendein unterentwickelter Fliegenschiss auf der Landkarte.
Melania: Ich hoffe bloß, ich habe mich direkt bei Hope Hicks infiziert. Schon allein der Gedanke, ich hätte womöglich Luft eingeatmet, die vorher in dir war, ist abscheulich.
Donald: Darling, wir haben ein Kind zusammen. Erinnerst du dich vielleicht noch, wie das passiert ist?
Melania: Nach Tausenden Stunden Psychotherapie und Tonnen von Happy Pills kann ich jetzt endlich voller Freude sagen: Nein, zum Glück nicht mehr!
Donald: Schade eigentlich. Ich schon. Ich habe da dieses Video in meiner Privatsammlung, weißt du?
Melania: Tatsächlich? Steht das im Regal neben dem mit den zwar hübschen, aber leider ziemlich undichten Damen aus deinem Moskauer Hotelzimmer? Du weißt schon – das du von deinem Freund Wladimir bekommen hast? Nur in Kopie, versteht sich.
Donald: Das Ungerechte an der jetzigen Situation ist ja, dass du eigentlich nicht gefährdet bist. Im Gegensatz zu mir. Und das, obwohl dich niemand braucht – und mich die ganze Welt.
Melania: Ich bin mir zumindest sicher, dass sehr viele auf der Welt jetzt hoffen und bangen. Vielleicht sogar beten.
Donald: Für meine rasche Genesung.
Melania: Auch das wird möglicherweise vorkommen.


Donald: Dieser Johnson in England hat es überlebt.
Melania: Der hat zwar einen ähnlich wertvollen Charakter wie du – aber er ist um 20 Jahre jünger, Darling!
Donald: Der Brasilianer aber nicht. Und sogar dieser uralte Bunga-Bunga-Italiener ist wieder auf dem Damm. Der mit der lächerlichen Frisur. Wenn der das schafft, schaff ich es auch.
Melania: Ich bin auch vorsichtig optimistisch. Am besten, du nimmst einfach die ganz große  Spritze für das Desinfektionsmittel. Dann sind wir alle auf der sicheren Seite.
Donald: Oder, nachdem du ihn schon erwähnt hast: Ich rufe Putin an, er soll mir seine Impfung schicken. Der macht das. Der mag mich.
Melania: Ich sehe, du hast – neben vielem anderen – auch den Sinn einer Schutzimpfung genau verstanden.
Donald: Das wäre einmal eine russische Einmischung in den Wahlkampf, gegen die nicht einmal sleepy Joe etwas haben könnte.
Melania: Nein, auf keinen Fall. Also mach das doch! Nun, ich denke, es ist alles besprochen. Ich ziehe mich jetzt in den Ostflügel zurück. Sei so gut und huste nicht zu laut.
Donald: Ich sehe dich dann also in zwei Wochen?
Melania: Wenn alle Stricke reißen…

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