<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Das ist der Gipfel!

Beim jüngsten EU-Treffen wurden dank Nicolas Sarkozy endlich einmal die wirklich wichtigen Probleme Europas besprochen. Hier das unbeglaubigte Protokoll.

Sarkozy: : Das ist ein Skandal! Eine Demütigung! So kann man mit dem größten aller Länder nicht umgehen!
Faymann: : Was hamma denn den Russen leicht getan?
Merkel: : So meint er das eher nicht, Kollege. Das soll wohl eine Metapher für Frankreich sein.
Faymann: : Oida! Und da glaub i immer, der Erwin Pröll hat a Problem …
Sarkozy: : Ich habe es genau gesehen! Dieser Bulgare!
Merkel: : Was ist mit dem Bulgaren? Hat er die Gipsy Kings auf seinem iPod?
Sarkozy: : Er hat eine Jakobsmuschel mehr auf dem Teller als ich! Quel affront! Ich reise sofort ab.
Barroso: : Na gut.
Cameron: : O. K.
Merkel: : Grüße an Carla.
Berlusconi: Aber Sarko! Jetzt bleib doch noch! Du bist der Einzige hier, der mein Niveau hat. Und außerdem hab ich für nachher ein paar …, öh, Studentinnen organisiert, die dich unbedingt kennen lernen möchten.
Sarkozy: : Na ja … Aber nur, wenn diese entsetzlichen Beleidigungen Frankreichs endlich aufhören. Und wenn man keine inakzeptablen Bedingungen mehr stellt.
Cameron: : Welche inakzeptablen Bedingungen?
Sarkozy: : Dass mir hier keiner freiwillig die Füße küsst, dass wir uns an EU-Recht halten sollen – lauter Ungeheuerlichkeiten!
Faymann: : Vielleicht sollt i den Erwin Pröll und ihn einmal zsammbringen. Die hätten sich voll viel zu erzählen.
Sarkozy: : Ich erwarte, dass sich die Kommission in Zukunft nicht mehr einmischt, wenn das schönste aller Länder mit seiner konsequenten Politik fortfährt.
Faymann: : Ich nehme an, er meint jetzt nicht die Steiermark, oder?
Merkel: : Konsequente Politik? Was heißt denn das? Wollen Sie jetzt auch alle abschieben, die größer als 1,65 sind?
Sarkozy: : Ah! Ihr also auch! Das ist ja erfreulich, dass Deutschland genauso vorgehen will. Das muss ich gleich der Presse erzählen!
Barroso: : Würde es nicht reichen, wenn wir Ihr Humphrey-Bogart-Stockerl für die Gipfelfotos noch um ein paar Zentimeter höher machen, Monsieur le Président? Das wäre eher EU-rechtskonform.
Sarkozy: : Er tut es schon wieder! Hat man hier Frankreich den Krieg erklärt oder wie?
Berlusconi: Reg dich nicht auf, Sarko. Wenn das so wäre, dann hättet ihr wenigstens die Chance, endlich einmal einen zu gewinnen! Ha! Haha! Der war ja vielleicht brillant! Ich halt’s nicht aus mit mir!
Merkel: : Das Gefühl kenn ich.
Sarkozy: : Und außerdem werden auch alle abgeschoben, die meine Carla schon einmal nackt gesehen haben. So.
Faymann: : Na servas. Da wird aber auf einmal viel Platz in der Pariser Metro sein.
Sarkozy: : Wer ist dieser Lurch?
Merkel: : Der Österreicher. Der ist harmlos.
Sarkozy: : Wie viele Jakobsmuscheln hat er?
Barroso: : Monsieur le Président, ich bitte Sie inständig, wegen solcher Lappalien nicht den Erfolg unseres Gipfels zu gefährden.
Sarkozy: : Lappalien? Haltet mich zurück, sonst …
Faymann: : Reißen Sie ihm die Augenbrauenhaare einzeln aus?
Sarkozy: : … sonst …
Cameron: : Verhängen Sie ein Zwiebelsuppen-embargo?
Sarkozy: : Sonst reise ich ab, jawohl!
Barroso: : Na gut.
Cameron: : O. K.
Merkel: : Grüße an Carla.
Berlusconi: Ach, nicht schon wieder, Sarko! Mit wem soll ich denn reden, wenn du weg bist? Mit Van Rompuy? Da ist ja ein Antikorruptionsgesetz lustiger!
Barroso: : Wäre es nicht wesentlich zielführender, uns an die Tagesordnung zu halten und darüber zu reden, wie die EU global auftreten soll? Oder über die Bewältigung der Wirtschaftskrise?
Sarkozy: : Wenn meine Beliebtheitswerte in Frankreich völlig unerklärlicherweise sinken, dann soll ich meine Zeit mit solchen Orchideenthemen verplempern? Hallo?! Leben Sie auf dem Mond?
Barroso: : Nein. Der war mir immer noch zu nah an Frankreich.
Sarkozy: : Das ist ein …, ein …
Cameron: : Skandal?
Faymann: : Wie hoch der springt! Der könnt ja glatt Basketball spielen. Also, in einer Volksschule zumindest.
Merkel: : Können die Franzosen das eigentlich besser als Fußball?
Cameron: : Ganz sicher. Fußball spielen sie ja auch am liebsten mit den Händen.
Sarkozy: : Aaargh! Silvio! Ich erwarte, dass du an meiner Seite kämpfst!
Berlusconi: Äh …, na ja. Weißt du, mit dem Kämpfen ist das so eine Sache. Seit meiner letzten Haartransplantation habe ich solche Nervenschmerzen, die ziehen sich da so rechts hinunter und …
Sarkozy: : Weh mir! Alle haben sich gegen das großartigste Land der Welt verschworen!
Faymann: : I frag jetzt net.
Sarkozy: : Das ist nichts weniger als der Anfang vom Ende der Union. Ich stehe allein! Ein trauriger, aber unbeugsamer Held in einem Chanson unseres großen Jacques Brel!
Barroso: : Der war aber Belgier.
Sarkozy: : So. Jetzt reise ich endgültig ab.
Barroso: : Na gut.
Cameron: : O. K.
Merkel: : Grüße an …, ach egal.

rainer.nikowitz@profil.at