<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Das Verhör

Endlich durfte Karl-Heinz Grasser der Staatsanwaltschaft neun Stunden lang seine Sicht der Dinge erklären. Danach war nicht nur er „geschlaucht“ …

Staatsanwalt: … Herr Grasser, -bitte! Kommen wir endlich zur Sache!
Grasser: : Wenn Sie mich nicht dauernd unterbrechen würden, Herr Wolf, dann wär ich ja schon längst, äh …, also so was, jetzt hab ich Sie verwechselt, jetzt hab ich doch glatt geglaubt, ich bin in der „ZiB 2“, weil Sie genauso auf mich losgehen wie dieser links-linke Nachrichtensprecher da, also Herr … wie heißen Sie noch einmal? Na, egal, ich sag halt einfach Herr Rat. Also wenn Sie mich jetzt fragen, ob Sardinien oder Capri, dann sag ich: In Sardinien sind die Yachten größer. Aber auf Capri sind wiederum die Leute schöner. Jetzt kommt’s halt drauf an, die Fiona sagt immer, ihr sind die schönen Leute wurscht, sie hat ja eh einen Spiegel. Ich finde aber …

Staatsanwalt: Noch mal, Herr Grasser: Haben Sie das von Meischberger gewusst?
Grasser: : Na, geh! Woher denn? Der Meischi war no nie auf Sardinien. Der hat immer gsagt, Karl-Heinz, hat er gsagt, die Seychellen sind urgeil. Da musst hin. Drum hat er mi und die …, Dings, na, Sie wissen eh, wen ich mein, aber ich darf den Namen nimmer laut sagen, sonst haut mir die Fiona des Kreuz ab, drum hat er uns ja damals den Trip auf die Seychellen zahlt und nit nach Sardinien. Also, zahlt hat er ihn ja nit, nit wahr, das haben wir ja bloß über ihn gebucht, weil er da Sonderkonditionen ghabt hat, und außerdem war meine Sekretärin damals grad im Krankenstand, weil die Botox-Kur, die ich ihr zum Geburtstag geschenkt ghabt hab, weil sie die nicht so vertragen hat und sie eine Weile ausgschaut hat, als hätt sie einen Schlaganfall gehabt, der Finz hat damals gesagt, heast, hat er gsagt, der linke Mundwinkel von deiner Kathi hängt ja tiefer als das Kinn vom Neugebauer, was wir gelacht haben, wobei die Kathi, die war natürlich schon arm …

Staatsanwalt: Herr Grasser, das inter-essiert mich eigentlich überhaupt nicht!
Grasser: : So? Na warum haben Sie mich dann überhaupt hierhergezaht, wenn Sie eh nicht hören wollen, was ich zu sagen hab? Wenn ich nicht will, dass mir wer zuhört, dann halt ich gleich eine Rede beim Weltwirtschaftsforum in Davos … Apropos, warum haben die noch immer nicht angerufen? Na wurscht jetzt, ich lass mir da auf jeden Fall nicht von Ihnen vorschreiben, was ich sagen darf und was nicht, ich mein, Sie brauchen da jetzt sicher nicht einen auf Peter Pilz machen. Also, wo war ich? So. Jetzt isses passiert. Jetzt hab i den Faden verloren. Sind Sie jetzt stolz auf sich selber?

Staatsanwalt: Kommen wir vielleicht zu der Sache mit den Hypo-Genussschei…
Grasser: : Ah, jetzt fallt mir wieder ein, was i sagen wollt! Es muss an dem schönsten Tag meiner Laufbahn gewesen sein, dem Tag nämlich, an dem ich von der „Financial Times“ zu einem der besten Finanzminister Europas gewählt worden bin, wenn sie nicht sogar gesagt haben, i bin überhaupt die Nummer eins, was mich gar nicht lang wundern tät, weil …

Staatsanwalt: Das hat ja gar nicht gestimmt. Die „Financial Times“ hat das energisch dementiert, nachdem Sie es behauptet haben.
Grasser: : Aha! Jetzt versteh ich langsam, wie da der Hase läuft! Eine klassische Vorverurteilung is dos! Meine Aussagen zählen gar nix! Dos is ja wie damals im Parlament beim sechsten Misstrauensantrag gegen mi! Oder war’s der siebente? Jedenfalls war es der, wo ich den platinfarbenen Armani-Anzug anghabt hab, dos weiß i deswegen so genau, weil die Gehrer-Liesl damals gsagt hat, in dem kommen meine Augen und erst recht -meine perlweißen Zähne so gut zur Geltung, und wenn sie 30 Jahr jünger wär … oder waren’s 40? Solche Sachen krieg i immer durcheinand, i hab’s nit so mit Zahlen, müssen Sie wissen. Na, dos müssen Sie eigentlich nit wissen, kömma dos wieder aus dem Protokoll streichen? Bei euch muss ma ja höllisch aufpassen, was ma sagt, da wird einem ja gleich der Strick aus nix und wieder nix gedreht, der Plech sagt immer, Karl-Heinz, sagt er immer, diese Leute haben zwar keine Ahnung, wie es in der Geschäftswelt zugeht, weil wenn sie eine hätten, dann gnade uns Gott, aber …, o. k., dos streich ma jetzt besser auch. Hören S’, Sie machen mich ganz narrisch mit Ihrer inquisitorischen Fragerei, dos hab ich nit verdient bei meiner Erfolgsbilanz mit Nulldefizit und …, und …, hab i scho dos Nulldefizit erwähnt?

Staatsanwalt: Herr Grasser, ich denke, für heute hab ich genug. Wir sehen uns am nächsten Mittwoch wieder, dann machen wir weiter.
Grasser: : Warum jetzt dos? Es is doch wohl eh alles klar.

rainer.nikowitz@profil.at