<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Der Geilsbringer

Sebastian Kurz, die große Überraschung in Michael Spindeleggers neuem Regierungsteam, tritt seinen Kritikern mannhaft entgegen.

profil: Herr Kurz, Ihre Bestellung zum Integrationsstaatssekretär ist flächendeckend auf Unverständnis gestoßen. Was entgegnen Sie Ihren Kritikern?
Kurz: Die Kritik ist beleidigend und lächerlich. Seit wann ist es bitte ein Nachteil, jung zu sein?

profil: Jung sein ist eh super. Aber ich möchte auch nicht unbedingt von ­einem 24-jährigen Gehirnchirurgen operiert werden, der noch keine Erfahrung hat.
Kurz: Ich habe aber trotz meines Alters jede Menge Erfahrung auf dem Gebiet der Integration. Schließlich bin ich in einem diesbezüglichen Hotspot aufgewachsen – in Hietzing.

profil: Nun ja. Das mit dem Hotspot springt einem in Hietzing vielleicht nicht sofort ins Gesicht.
Kurz: Na, weil Sie halt nicht genau hinschauen! Man kann ja kaum zum Dommayer gehen, ohne an jeder Ecke auf einen persischen Zahnarzt zu treffen.

profil:
Ja! Manche von denen sind vielleicht sogar Schläfer und bauen Atomsprengköpfe in Wurzelfüllungen ein.
Kurz: Und auch beim Fortgehen treffe ich immer wieder Ausländer: amerikanische Diplomatenkinder, Austauschstudenten aus Singapur … Einmal habe ich sogar ein Mitglied der Cricket-Nationalmannschaft von Sri Lanka kennen gelernt.

profil: Interessant. Aber vielleicht nicht gerade die Stammbelegschaft des Yppenplatzes.
Kurz: Nun, was die betrifft, habe ich ja wohl schon im Wahlkampf bewiesen, dass ich genau weiß, wie man hier einen Anknüpfungspunkt findet: mit meinem Geilomobil! Wenn man die jungen Macho-Türken für irgendwas begeistern kann, dann ja wohl für fette Autos.

profil: Unkonventioneller Ansatz.
Kurz: Nicht wahr? Ich hab da keine Berührungsängste, ich werd sofort nächste Woche einmal mit den V8 von meinem Hummer aufröhren lassen und zum Yppenplatz düsen und ... Ist der in einem normalen Navi eh drin?

profil: Der ist mitten in Ottakring. Kaum zu verfehlen.
Kurz: Na gut. Sie wissen ja, wie das ist, in diesen Gürtelbezirken. Niemandsland praktisch. Also jedenfalls werd ich mit den Burschen dort ganz leicht ins Gespräch kommen, ich pack sie über den Hubraum und die PS, übers Tunen und Tieferlegen, und dann sag ich so Sachen wie: Voll krass, ey! Oder: Finger weg von meinem Vergaser oder isch masch disch Kickbox!

profil: Ja. Es ist sicher von Vorteil, wenn man die Sprache der zu Inte­grierenden so fließend spricht.
Kurz: Klar. Aber ich werd ihnen schon auch sagen: Und sehts, wenn ihr rechtzeitig gscheit Deutsch gelernt hättets, dann hättets ihr jetzt auch so eine coole Karre und müsstet nicht darauf warten, dass die Hasen erst im Jenseits aus der Burka hüpfen und 24 Stunden Verkehr haben wollen!

profil: Das wird sicher ungeheuer motivierend für sie sein.
Kurz: Und da ist meine Jugend ein ungeheurer Vorteil. Die alten Kopftüchlweiber, die sind sowieso nicht mehr zu integrieren. Zu denen kann von mir aus gern die Korun gehen.

profil: Ich sehe schon, der Vorwurf, Sie seien nur ein PR-Gag, sozusagen der Gegen-Jungschnösel zu Niko ­Pelinka, ist wirklich an den Haaren herbeigezogen.
Kurz: Der Pelinka kann doch mit mir nicht mithalten. Weil seit wann bitte gibt es rote Schnösel? Sie werden sehen: Schon bald wird es aufgrund meiner Arbeit so sein, dass ich der Erste bin, der zu den Nutznießern meiner jüngsten aufsehenerregenden Initiative im Wiener Gemeinderat gehört.

profil: War irgendwas aufsehenerregend in Ihren sechs Monaten dort?
Kurz: Na, hören Sie mal! Dass ich mich für die Ordensvergabe an Jungpolitiker ins Zeug gehaut habe, wird Ihnen doch hoffentlich nicht verborgen geblieben sein?

profil: Wie konnte ich das nur vergessen! Sie meinen also, Sie werden bald für einen reif sein?
Kurz: In Wirklichkeit hätte ich ihn ja schon nach der Wiener Wahl verdient gehabt.

profil: Nach Ihrem tollen Wahlkampf und dem Ergebnis für die ÖVP sieht das die FPÖ sicher genauso. Außerdem sind Sie ja der Einzige in der ÖVP, der sich im Moment zu sagen traut, dass er eine Koalition mit der FPÖ nicht ausschließt.
Kurz: Schauen Sie: Ein Strache oder ein Gudenus, die einen ordentlichen Haarschnitt haben, Markenkleidung tragen und auch in die richtigen Lokale gehen, sind mir immer noch lieber als eine ungewaschene grünhaarige Punkerin mit einem Brustwarzen-Piercing.

profil: Das überrascht mich jetzt.
Kurz: Na ja … Über das Brustwarzen-Piercing kann man reden. Aber auf Deutsch, wenn’s geht.

profil: Und schon wieder ein interessanter Integrationsansatz.
Kurz: Sehen Sie? Ich bin eben schon voll in der Materie drin!

rainer.nikowitz@profil.at

Rainer Nikowitz & Florian Scheuba: „Land in Sicht“, 6.5., Rabenhof, Wien.