<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Der Mann, den sie Papst nannten

<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Der Mann, den sie Papst nannten

Exklusivst! Das erste nie geführte Interview mit Benedikt, dem Ehemaligen, nach seinem unerhörten Rücktritt.

profil: Eure …, äh, Heiligkeit? Darf man das jetzt eigentlich noch zu ­Ihnen sagen?
Ratzinger: Ach, wenn Sie unbedingt wollen. Gerade wir Katholiken wissen doch, wie schwer man sich von alten Gewohnheiten löst.

profil: Na ja, so unbedingt will ich nun auch wieder nicht. Aber wie lautet denn nun die korrekte Berufsbezeichnung für einen zurückgetretenen Papst? Ex-Pontifex gäbe ja lautmalerisch einiges her. Oder einfach: Alt-Papst?
Ratzinger: Das würde vielleicht dann gehen, wenn der nächste viel jünger wäre als ich.

profil: Also mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht. Und wenn man vom lateinischen „Papa“ ausgeht, wie wär’s dann jetzt mit „Opa“?
Ratzinger: Wenn Sie so weitermachen, ruf ich im Fegefeuer an und reservier Ihnen schon mal einen Platz.

profil: Und heißen Sie jetzt eigentlich auch weiterhin Benedikt oder wieder Herr Ratzinger?
Ratzinger: Sagt zu Madonna wieder ­irgendjemand Frau Ciccione, seit sie in der Gleitpension ist?

profil: Nein. Aber das ist ja auch kein Künstlername wie bei Ihnen. Die heißt ja wirklich Madonna.
Ratzinger: Tatsächlich? Das wusste ich nicht. Dabei ist der Gänswein der Vorsitzende von ihrem Fanclub im Vatikan.

profil: Also, Herr Benedikt, mir können Sie es ja sagen: Warum sind Sie denn nun wirklich zurückgetreten?
Ratzinger: Wollen Sie damit andeuten, dass Sie die Begründung, die ich gegeben habe, nicht glauben? Wollen Sie sagen, dass der Papst lügt?

profil: Sie wären ganz sicher der erste Papst der Kirchengeschichte, der das jemals getan hätte.
Ratzinger: Ich bin 85, und das ist ein verdammter Knochenjob. Was gibt es daran nicht zu verstehen?

profil: Das verstehe ich vollkommen. Aber in einer so ungeheuer flexiblen Firma wie der Kirche soll das allein auf einmal ein Grund sein, als erster CEO seit 719 Jahren nicht mit dem Fischerring am Finger zu sterben? Also, ich weiß nicht.
Ratzinger: Was wäre denn Ihrer geschätzten Meinung nach ein Grund?

profil: Wenn Ihnen eines Tages – sagen wir einmal zwischen der Privat­audienz für den Exorzisten des Jahres und der Unterzeichnung der Ernennungsurkunde des nächsten voll auf der Höhe der Zeit befindlichen österreichischen Bischofs – Johannes der Täufer erschienen wäre und gesagt hätte: „Joseph – schleich dich!“
Ratzinger: Entschuldigung schon: Aber wie absurd ist das denn, bitte?

profil: Ja, Sie haben Recht. Wir brauchen etwas nicht Absurdes. Also zum Beispiel einen 300 Seiten starken Bericht zur Vatileaks-Affäre, der ein verheerendes Bild von der Kurie zeichnet und in dem laut „La Repubblica“ von Intrigen, Machtkämpfen, handfesten Finanzinteressen und einem geheimen Netzwerk schwuler Kardinäle die Rede ist.
Ratzinger: Aha! Sie haben also was gegen Schwule.

profil: Ich nicht. Aber bei einem Kardinal ist das doch wohl ein ziemlich ­unverzichtbarer Baustein der Job-­Description.
Ratzinger: Wer soll denn diese Schauermärchen, die ständig über die Kirche verbreitet werden, noch glauben?

profil: Na ja. Vielleicht die Hunderttausenden Missbrauchsopfer, die wissen, dass Schauermärchen über die Kirche ganz gern einmal wahr sind?
Ratzinger: Jetzt wird’s aber schiach. Also die Homestory aus meinem neu renovierten Kloster, in das ich ziehe, die können Sie sich schon einmal aufzeichnen.

profil: Schade. Ich hätte Sie dort schon gern besucht, um zu sehen, wie Sie Ihren Hobbys frönen. Was werden Sie denn mit der vielen Freizeit anstellen, die Sie auf einmal haben?
Ratzinger: Nun, ich werde mich wie bisher mit großer Leidenschaft meinen theologischen Studien widmen.

profil: Ja, klar. Und sonst? Jeder Rentner hat doch noch so seinen kleinen Traum, den er sich dann endlich gönnen will. Was ist es bei Ihnen? Beachvolleyball schauen? Hip-Hop hören? Mit Gänswein Texas Hold’em Poker spielen?
Ratzinger: Das ist langweilig. Gänswein fällt auf jeden noch so plumpen Bluff rein. Und Hip-Hop – also bitte.

profil: Ja, o.k. War kein besonders origineller Witz.
Ratzinger: Two Step! Das ist mehr meins.

profil: Sie meinen, einen Schritt vor und einen zurück? Also die klassische Fortbewegungsart der Kirche seit 2000 Jahren?
Ratzinger: Aber eines werde ich mir tatsächlich gönnen. Etwas, das ich schon sehr, sehr lange nicht mehr getan habe.

profil: Und zwar?
Ratzinger: Man könnte durchaus sagen, es ist eine kleine Frivolität.

profil: Spätestens jetzt gehört Ihnen die ungeteilte Aufmerksamkeit jedes ­Lesers! Bitte!! Was ist es?
Ratzinger: Ich werde endlich wieder einmal eine Hose anziehen.

rainer.nikowitz@profil.at