<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Der Präsidentsfall

Heinz Fischer, Bundespräsident der Herzen und der Facebook-Friends, kandidiert also wieder. Ein guter Grund für das nie geführte Exklusivinterview.

profil: Herr Bundespräsident, Sie …
Fischer: Bevor wir anfangen: Dürfte ich Sie bitten, dass Sie ein Stück weiter nach links rücken?

profil: Kein Problem. Ich bin ja nicht Werner Faymann.
Fischer: Sie müssen wissen, da hinten im Eck steht die Webcam. Und wenn Sie so sitzen bleiben …

profil: Dann verdecke ich Sie, schon klar.
Fischer: Nicht mich. Meine Manner-Schnitten. Wollen S’ eine?

profil: Später vielleicht, danke. Eine Webcam haben Sie jetzt also auch!
Fischer: Na ja, nach dem Erfolg mit der Verkündung meiner Kandidatur auf diesem Juutuub hab ich mir gedacht, mach ich gleich den nächsten Schritt.

profil: Und jetzt kann man Ihnen
den ganzen Tag beim Präsidieren zuschauen?
Fischer: Man hat mir gesagt, die jungen Leute tun das gern. Mein Gott, wir sind halt noch zum 5-Uhr-Tanztee gegangen. War auch nicht spannender.

profil: Was bekommt man denn da so zu sehen von Ihnen?
Fischer: Na ja, die meiste Zeit sitz ich halt so da. Und les. Zwischendurch schau ich ab und zu das Bild von meinen Enkerln an und lächle verzückt.

profil: Wenn ich mir die Bemerkung ­erlauben darf: Das strotzt jetzt nicht gerade vor Action-Content für die Internet-Community.
Fischer: Auch das hat man mir gesagt. Deshalb haben wir auch eine Chatfunktion eingebaut, bei der sich die User wünschen können, dass ich irgendwas mach.

profil: Aha. Und was wünschen die sich dann so? Ruf Obama an? Entlass die ­Regierung?
Fischer: Nein, nichts so Spektakuläres. Mehr so Sachen wie: Schlagen Sie die Beine übereinander. Machen Sie einen Handstand. So was. Wir können ja schauen, was da jetzt steht … Eine gewisse „Traudl64“ schreibt: „Legen Sie sich auf ein Eisbärenfell, ziehen Sie sich …“

profil: Äh, ja. Nun, das nenn ich einmal wirklich Bürgernähe.
Fischer: Schon, oder? Und als optischen Running Gag haben wir eben auch die Manner-Schnitten eingebracht … Wollen S’ vielleicht jetzt eine?

profil: Ist ja nur mehr eine da. Essen Sie sie ruhig selber.
Fischer: Bitte, nehmen Sie sie! Wegen der depperten Webcam muss ich fünf, sechs Packeln am Tag habern. I kann s’ nimmer sehen.

profil: Na gut. Glauben Sie, dass sich diese Internet-Offensive für Sie wirklich auszahlt?
Fischer: Also, auf Facebook hab ich schon vier Friends, und da sind der ­Bruno Aigner und meine Frau noch gar nicht mitgezählt.

profil: Und bei Twitter?
Fischer: Da bin ich noch ganz neu. Da hab ich noch nicht so viele Follower. Ah, gut, dass Sie mich erinnern. Ich muss einmal gschwind was twittern … So, erledigt.

profil: Was haben Sie denn geschrieben?
Fischer: „An alle: Bin nicht am Klo!“ Selbstironie, Sie merken? Kommt auch immer gut in der Spaßgesellschaft.

profil: Das ist zwar alles wahnsinnig beeindruckend und voll am Puls der Zeit, aber: Wozu denn? Sie haben ja nicht einmal einen Gegenkandidaten.
Fischer: Der Werner hat gemeint, die Partei soll ein bissl üben für den nächsten richtigen Wahlkampf. Außerdem: Wir reden von der SPÖ. Die verschießt auch gerne einmal einen Elfer ohne Tormann.

profil: So kritisch gegenüber der SPÖ?
Fischer: Freilich. Ich bin ja ein unabhängiger Kandidat.

profil: Das sieht Erwin Pröll sicher auch so.
Fischer: Ha! Ein Witz! Das war ein Witz, oder? Sie sind lustig. Das kann ich brauchen, weil immer, wenn ich ­einen Witz erzähl, verwelken die Blumen in der Vase. Wollen Sie nicht vielleicht auch in mein Personenkomitee kommen?

profil: Ich glaube nicht, dass Sie auf mich angewiesen sind. Bei so viel ­Prominenz.
Fischer: Ja. Na ja. Eine Hand wäscht halt die andere.

profil: Wie soll ich das verstehen? Ist Ihr Prominentenkomitee gekauft? Hugo Portisch? Der Einzige, der diesem Land ungestraft etwas über seine Geschichte erzählen darf? Der Einzige, der die Wahl gegen Sie gewänne, wenn er ­anträte?
Fischer: Das nicht. Aber dem Portisch hab ich zum Beispiel versprochen, dass ich mit ihm Schwammerl suchen gehe.

profil: Das ist ja nicht weiter schlimm.
Fischer: Vorkosten muss ich auch.

profil: Den Mutigen gehört die Welt!
Fischer: Das ist ja das Problem.

profil: Sollen wir noch darüber reden, was man im Wahlkampf von Ihnen ­erwarten darf? Wie Sie die zweite ­Periode anlegen werden?
Fischer: Ach.

profil: Eh.
Fischer: Glauben Sie, dass wir das ­sollten?

profil: Nun ja. Ehrlich gesagt …
Fischer: Und wenn ich jetzt einfach noch ein Packerl Manner-Schnitten aufmach?

profil: Das kann nie schaden.
Fischer: Ja. Hab ich Ihnen eigentlich schon gesagt, wie meine Enkerln heißen?

rainer.nikowitz@profil.at