<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Der letzte Wille

Österreich rätselt, was denn im Testament von Hans Dichand drinstehen könnte. profil weiß es schon.

Ich, Hans Dichand, aufgrund der Dichte der mir vorliegenden Rechercheergebnisse meiner ebenso braven wie treuen Mitarbeiter vermutlich der Sohn Gottes, aber wenn schon nicht der, dann jedenfalls ganz sicher unumschränkter Herrscher von Österreich, verfüge hiemit Folgendes:

1. Die „Kronen Zeitung“ wird als offizielles Sprachrohr Österreichs nunmehr endgültig in die Verfassung aufgenommen.Die der feindlichen WAZ gehörende Hälfte ist dieser mit Mitteln aus dem Katastrophenhilfsfonds abzukaufen,schließlich ist mein Ableben zweifellos eine solche für das nunmehr vollkommen schutzlos daliegende Land. Falls die WAZ zu diesem Deal, oder wie man da auf Neumodern dazu sagt, nicht bereit ist, ist sie zu enteignen – weil wer nicht hören will, muss auch einmal fühlen. Das war bei uns damals in der Marine schließlich auch schon so, und das hat sicher keinem geschadet.

2. Bundeskanzler und Bundespräsident haben ihren Amtseid künftig mit der Hand auf der „Krone“, genauer gesagt:auf der Anzeigenrubrik „Kontakte“, abzulegen. Im Zweifel ist dabei jenem Kandidaten der Vorzug zu geben,der den sofortigen Austritt Österreichs aus der EU, der UNO, der NASA, der FIFA, dem ARBÖ, der UdSSR, dem ABGB, dem VfB, dem KAC und sonstigen bösen Buchstaben, die geeignet sind,die Souveränität der Muthgasse zu untergraben,garantiert. Sollte bedauerlicherweise keiner der Kandidaten dazu bereit sein, sind neue zu suchen. Falls das immer noch nichts hilft, ist halt jener zu wählen, der seinen Scharfsinn durch das schnellere Lösen des „Krone“-Suchbildrätsels und seinen Weitblick durch das höhere in Aussichtgestellte Inseratenbudget unter Beweis gestellt hat.

3. Die Rubrik „Auf eine Melange mit Hans Dichand“ ist analog zur Kolumne des seligen Kräuterpfarrers Weidinger weiterzuführen. Dies sollte nicht weiter schwierig sein, da man in der Redaktion und im ganzen Land ja ohnehin weiß, was ich für eine Meinung zu den wichtigen Themen des Lebens hatte: die richtige. Man kann diese Meinung aber weiterhin den Leuten nicht oft genug einbläuen,denn schlussendlich muss man sie ihnen als anständige Zeitung ja irgendwann als ihre eigene verkaufen können.

4. Ebenso ist in regelmäßigen Abständen ein markerschütternder „Cato“-Kommentar ins Blatt zu rücken, damit die Damen und Herren Politiker nicht glauben, dass die Mäuse Kirtag haben, wenn die Katze aus dem Haus ist. Für die Erstellung dieser Kommentare sind von einem bestens ausgebildeten Redakteur aus dem Österreichischen Wörterbuch von 1945 schöne Worte auszuwählen und völlig willkürlich nach dem Zufallsprinzip irgendwie aneinanderzureihen– also einfach das Erfolgsrezept der letzten Jahre beizubehalten.

5. Mit der redaktionellen Leitung der eminent wichtigen Leserbriefseite „Das freie Wort“ ist das bewährte Team Franz Weinpolter und Stephan Pestitschek zu betrauen. Die Auswahl der veröffentlichten Leserbriefe hat wie bisher streng nach den Maßstäben der Ausgewogenheit zu erfolgen.Also soll zum Beispiel auf einen Brief, der die EU als Ausgeburt der Hölle darstellt, einer folgen, in dem Brüssel als von Gutmenschen verseuchte Bürokratenhochburg gebrandmarkt wird. Oder auf ein Schreiben, in dem den Asylanten die Schuld am verregneten Sommer nachgewiesen wird, eines, in dem die Gefahr von türkischem Honig für die Zahngesundheit der einheimischen Bevölkerung ungeschminkt dargestellt und darob der Abbruch der Beitrittsverhandlungen mit dem ohnehin außereuropäischen Muselmanenstaat gefordert wird. In der Schublade links unten liegen übrigens die Briefe für die nächsten drei Jahre. Die Pseudonyme dafür liegen in der Schublade darüber. Nach Ablauf der drei Jahre können sämtliche Briefe getrost neuerlich veröffentlicht werden – es wird niemandem auffallen.

6. Der Prozess für meine Seligsprechung ist sofort von Amts wegen einzuleiten und so rasch als möglich zu einem glücklichen Ende zu bringen. Hiefür ist bekanntermaßen der Nachweis eines Wunders vonnöten, wenn gleichman in meinem Fall eigentlich darauf verzichten könnte,aber bitte. Der Nachweis sollte ohnehin leicht gelingen, bieten sich doch gleich mindestens drei Wunder an:a) Frau Elfriede Hinterbichler aus Linz-Urfahr erfuhr am22. Februar 1981 beim Lesen der Staberl-Kolumne eine Spontanheilung ihres schweren Zahnfleischschwundes.b) Michael Jeannée wurde von mir zwar nicht von seinen chronischen Flatulenzen geheilt – aber immerhin gut dafür bezahlt.c) Peter Gnam gibt es wirklich.

7. Sollte ich im Jenseits auf diesen Thomas Bernhard treffen,erwarte ich mir auch im Diesseits ebenso spontane wie geharnischte Proteste. Außerdem sollte geprüft werden,ob der Nestbeschmutzer dort über eine gültige Aufenthaltsbewilligung verfügt.

8. Wenn sich die Straße, die in Wien zweifellos nach mir benannt werden wird, als Sackgasse erweisen sollte,übergebe ich den Fall meinem bewährten Ombudsmann Helmut Zilk. Und dann ist Schluss mit Luster, äh, lustig.

rainer.nikowitz@profil.at