Rainer Nikowitz: Do the Limbo Dance!

Rainer Nikowitz: Do the Limbo Dance!

HC Strache hatte eine echt produktive Woche: Er verlangte „Mehr Brutto vom Netto“, ortete doch recht stolze 1,3 Millionen Flüchtlinge in Österreich – und war auch sonst wieder einmal so richtig er selbst!

Strache: Na geh! Dos hätt net amoi mir passieren derfen. Dos is ma jetzt echt peinlich.
Kickl: Dir is was peinlich? Seit wann? Und glaubst, dass si dos wieder gibt? Weil wann net, dann müss ma leider über an neuen Parteichef nachdenken.

Strache: Na ja, aber als Kernpunkt unserer Steuerreformideen „Mehr Brutto vom Netto“ zu verlangen – dos is selbst für uns a Sternstund.
Kickl: Dos kann schon amol passieren in der Hitze des hochstehenden Wortgefechts. Tu dir nix an. Und außerdem: Unsere Wähler werden di dafür lieben!

Strache: Bist sicher?
Kickl: Daran besteht überhaupt ka Zweifel! De ham’s net so gern, wenn ana gscheiter is als sie. Da fühlen sie sich so … wie sie halt san. Aber du hast sie no nie enttäuscht!

Gudenus: Er hat recht, HC. Pfeif dir nix. Schau, jeden Montag, wenn i aus’m Haus geh, nimm i mir eins vor: Dass ich in dieser Wochn no grindiger, no tiefer und no hirnverbrennter sein werd als in der vorigen!
Kickl: Siehst? Ein Mann der Zukunft, unser Joschi. Nur ein Tag, an dem wir beim geistigen Limbo unter unserer eigenen Latte durchkommen, is ein guter Tag. Müss ma di wirklich an unser Agenda 2018 erinnern?
Strache: Natürlich nicht.

Kickl: Und wie lauten die Eckpunkte von der?
Strache: I hab sie mir schon gemerkt, ka Angst.
Kickl: Aufzählen! Für welche Wähler darf es niemals einen anderen Heimathafen geben als uns? Zack, zack, zack!
Strache: Für jeden intellektuell Minderbemittelten, jeden emotional Verwahrlosten und jeden psychisch Auffälligen.

Gudenus: Du hast die vergessen, die glauben, keinen Charakter zu haben, fallt irgendwie unter Konsumverzicht. Also des quasi als revolutionären Akt sehen.
Kickl: De waraten aber eigentlich eh scho bei die emotional Verwahrlosten dabei.
Gudenus: Ah so, ja. Des stimmt natürlich. Wo hab i nur wieder mein Kopf?

Kickl: Lass mi raten: Vielleicht no im Arsch vom Putin?
Gudenus: Red net so schiach, heast! I hab unser außenpolitische Stoßrichtung schließlich net allein erfunden, oder?
Kickl: Eh net! Is scho guat, Joschi. Du machst des scho richtig. Und du a HC.

Strache: Dos sagst du doch nur so. Du willst mi jetzt nur trösten wegen Bruttonetto.
Kickl: Jetzt pass amol auf: Dass du allen Ernstes im Fernsehen sagst „Wir haben in Österreich neun Millionen Menschen. 1,3 Millionen sind Flüchtlinge!“ – dos is doch bitte ganz großes Kino.
Strache: Findest echt? Na ja … Solang kana den Faktencheck macht.

Kickl: Und seit wann braucht ma unseren Wählern mit Fakten kommen? Manchmal muss i mi schon ziemlich über di wundern. Außerdem – was is da falsch dran? 1,3 Millionen – in den letzten 60 Jahren. Des is maximal a kleine Vergesslichkeit, dass du des net dazugsagt hast.
Strache: Okay. Eigentlich war i eh ganz zufrieden mit mir. Und wie i „Drei“ ane aufglegt hab, weil sie in einem Flüchtlingsheim mobiles Internet installiert ham? Dos war a net ganz schlecht, oder?
Gudenus: Keineswegs! Aber i find ja, da solltest sogar no a bissl nachlegen. Vielleicht so: „Wenn ich dann einmal der Putin von Österreich bin, liebä Freundä, dann wird jeder instinktlose Mobilfunkanbieter, der unbedingt glaubt, er muss bei Flüchtlingen fischen, aber ganz schnell ordentliche Löcher im Netz haben!“

Kickl: He! Der könnt a fast vo mir sein. Im Prinzip is dos keine schlechte Idee. Aber einen Schritt nach dem anderen. I würd jetzt amol mit der Kampagne anfangen: „Telefoniert nicht bei Flüchtlingsfreunden!“ Vielleicht könnten unsere identitären Streetfighter ja auch was Hübsches auf die Auslagen von denen malen, was meint’s?
Gudenus: Heast! Du bist mir ja vielleicht ein Schlingel! Böser Herbert!
Kickl: Und es wird dann wieder ganz typisch sein, dass sich die linkslinke Jagdgesellschaft zu einer Schmutzkübelkampagne gegen eine demokratisch gewählte … blablabla.

Strache: Ich liebe Sachpolitik! Aber … jetzt hätt i doch noch eine Frage.
Kickl: Ja?
Strache: Erklär ma dos mit brutto und netto no amol.
Kickl: Net scho wieder!
Strache: Biiiitte! Dos letzte Mal. Versprochen.

Kickl: Wenn i dos tu, dann musst du … Wie viele Flaschen von diesem superteuren Rotwein hast du no im Keller?
Strache: Fünf.
Kickl: Okay. Dann gibst du mir von denen … acht.
Strache: Deal!
Kickl: Manchmal schaff ich’s einfach net, einen Elfer ohne Tormann auszulassen.

rainer.nikowitz@profil.at