Rainer Nikowitz: Döner-Connection

Rainer Nikowitz: Döner-Connection

Der hiesige Fanclub von Erdogan, dem Erhabenen, will bei der Wiener Wahl kandidieren, „um den Rechtsruck in Österreich zu stoppen“. Ganz tolle Idee.

profil: Herr Strache …
Strache: Hahahahaha! Haha! Ha!

profil: Kriegen Sie keine Luft? Kann ich Ihnen irgendwie helfen?
Strache: Was? Sie auch noch? Ich kann mich ja kaum noch retten vor lauter Helfern! Hohoho! Hu!

profil: Ich wollte mit Ihnen eigentlich über diese türkische Liste reden, die in Wien kandidieren will.
Strache: Ich weiß. Aber ich komm einfach nicht mehr aus dem Lachen heraus, seit ich davon gehört hab. Das Leben ist so schön! Hihi!

profil: Warum?
Strache: Na, denken Sie doch einmal nach, Sie Blitzgneißer: In Wien kandidiert eine Partei, bei der es einzig und allein darauf ankommt, Türke zu sein? Die sich offenbar sogar ihre Kandidaten vom türkischen Konsulat absegnen lässt? Und betrieben wird sie von der UETD? Jetzt sagen Sie einmal: Was ist denn die UETD?

profil: Nun ja, im Wesentlichen ein Erdogan-Anhimmelungsverein, der anlässlich der Gezi-Proteste vor zwei Jahren 8000 Leute in Wien auf die Straße gebracht hat. Und die haben hier dagegen demonstriert, dass man in Istanbul demonstrieren darf.
Strache: Und können Sie sich noch an den damaligen UETD-Chef in der „ZIB 24“ erinnern?


Was finden Sie besser? 'Die dritte Türkenbelagerung ist da!' Oder: 'Bald kommt die Scharia!'

profil: Sie meinen den, der gerade noch von der Prügelstrafe abgesehen hat, weil die Moderatorin eine Antwort auf ihre Fragen haben wollte, statt sich mit demütig gesenktem Haupt seine antisemitische Suada anzuhören? Grundsympathischer Mensch. Und seine Freunde haben dann auch noch einen Shitstorm auf Facebook inklusive übelster Beschimpfungen und sogar Morddrohungen gegen sie veranstaltet.
Strache: So. Und wem wird das jetzt wohl nützen, wenn Erdogans fünfte Kolonne in Wien politisch Fuß fassen will? Denen, die immer nett zu ihnen waren? Also dem Häupl? Den Grünen? Weil die Integration von diesen Leuten offenbar ein voller Erfolg war? Alleine die Ankündigung dieser Kandidatur bringt mir locker wieder zwei, drei Prozent. Da ist es völlig wurscht, ob die eine Chance haben reinzukommen. Hach, was für eine herrliche Zeit! Asylantenansturm, IS-Terror – und jetzt auch noch das! Ich fühl mich wie in der Disco auf Ibiza nach dem dritten Rüscherl! Darf ich Sie umarmen?

profil: Das wollen Sie nicht wirklich.
Strache: Ach, wenn einem so ein Geschenk in den Schoß fällt, kann man schon einmal fünf gerade sein lassen. Ich übe auch schon für meine Wahlkampfauftritte. Was finden Sie besser? „Die dritte Türkenbelagerung ist da!“ Oder: „Bald kommt die Scharia!“

profil: Äh …
Strache: Oder vielleicht: „Haben Sie eh schon eine Burka, gnä Frau?“

profil: Jessas na!
Strache: Das werden sie am Viktor-Adler-Markt auch sagen. Der wird vielleicht beben!

profil: Als Grund für das Antreten dieser Liste gibt ihr Sprecher Turgay Taskiran an, dass man den Rechtsruck in Österreich stoppen wolle.
Strache: Hahahaha! Gnade! Ich kann nicht mehr! Ich mein, ich gebe zu, wir in der FPÖ sind ja diesbezüglich wirklich auch nicht schwach – aber ein derart dämliches Scheinargument würden uns nicht einmal wir an den Haaren herbeiziehen trauen. Wo doch ein Blinder sieht, dass damit das genaue Gegenteil erreicht werden wird. Und außerdem: Wer sonst als die total fortschrittliche, liberale und säkuläre AKP von Sultan Erdogan wäre glaubwürdiger im Kampf gegen rechts?

profil: Verdammt.
Strache: Was?

profil: Ich muss Ihnen recht geben.
Strache: Pfauh! Sie? Kann ich das schriftlich haben?

profil: Wobei … Da könnten sich doch sogar Anknüpfungspunkte für eine Zusammenarbeit ergeben, wenn die es wirklich in den Gemeinderat schaffen sollten. Gegen Ampelmännchen und ähnliche Perversionen.
Strache: Ja! Ich freu mich schon so auf die Gesichter von den Grünen! Hahaha! Hohu! Und jetzt stellen Sie sich einmal vor: Wir haben eine nationalistische Heimatpartei auf der einen und eine nationalistische Türkenpartei auf der anderen Seite. Wer sind die Verlierer? No?

profil: Alle dazwischen. Die mit keinerlei Scheiß-Nationalismus etwas zu tun haben wollen.
Strache: Genau! Ich liebe diese Türken!

profil: Kann das jetzt ich schriftlich haben?
Strache: Früher haben wir den Häupl immer „Türkenbürgermeister“ genannt. Vielleicht nennen sie jetzt ja bald mich so, mit meinen neuen Wahlhelfern.

profil: Das ist alles ziemlich furchtbar.
Strache: Ach, kommen Sie. Nur wegen dem bissl zusätzlichen Porzellan, das da jetzt zerschlagen werden wird? Wegen dem bissl mehr „Haut’s de Oaschlecha olle ausse!“? Wegen dem bissl sozialen Frieden?

profil: Ja.
Strache: No geh, jetzt isser deprimiert. Darf ich Sie zum Trost auf einen Döner einladen?