<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Eilige Eide

Seit Barbara Rosenkranz „eidesstättig“ – und überaus erfolgreich – klargestellt hat, dass man sie bisher mit ihr verwechselt hat, haben Österreichs Notare jede Menge neuer Arbeit.

HC Strache war der Erste, der sich dem neuen, von Barbara Rosenkranz losgetretenen FPÖ-Trend zur eidesstattlichen Erklärung anschloss. Er versicherte mit drei zum Schwur erhobenen Fingern, er habe mit seinem jüngst in der israelischen Zeitung „Haaretz“ angestellten Vergleich des Anschlusses 1938 mit dem EU-Beitritt Österreichs keineswegs den Nationalsozialismus verharmlosen wollen. Sondern vielmehr die EU.

Strache fügte an, es sei bedauerlich, dass die linkslinke Jagdgesellschaft gleich wieder mit einer böswilligen Interpretation dieses sich völlig im Rahmen der Meinungsfreiheit bewegenden Satzes aufwarte. Und außerdem müsse man ins Kalkül ziehen, in welchem Land er veröffentlicht worden sei. (Im Zusammenhang damit kündigte Strache übrigens für kommende Woche eine weitere eidesstattliche Erklärung an, in der er klarstellen werde, dass dies selbstverständlich nicht antisemitisch gemeint gewesen sei.)

Der FPÖ-Bundesparteiobmann unterschrieb das Dokument übrigens mit Blut – von dem auch ein wenig zu Boden tropfte – und ließ sich anschließend zur Untermauerung der Heiligkeit seines Eides von Harald Vilimsky mit Heftklammern an ein Kreuz antuckern.

Vilimsky wiederum nützte die Gelegenheit, um seinerseits zu schwören, es sei gar nicht wahr, dass er damals in seiner Klasse der Schlechteste gewesen sei. Dies sei nämlich vielmehr der Burgmeier Karl gewesen. Man könne den Burgmeier Karl auch jederzeit an seinem Arbeitsplatz, der Problemstoffsammelstelle Wilfersdorf, aufsuchen und sich das von ihm persönlich bestätigen lassen – allerdings nur am Vormittag, denn am Nachmittag habe der Burgmeier Karl meist schon eine erkleckliche Menge Problemstoffdämpfe eingeatmet und halte dann Besucher in der Regel für Außerirdische, die ein Kind von ihm wollten.

Interessanterweise wollte John Gudenus ungefähr zur selben Zeit beeiden, er habe die Information, dass es im Dritten Reich gar keine Gaskammern gegeben habe, von genau jenen Außerirdischen bekommen – sei also vollkommen von einer entmenschten Siegerjustiz wegen NS-Wiederbetätigung verurteilt worden.

Leider sah man sich aber in dem von ihm aufgesuchten „Hundesalon Fifi“ außerstande, die Beurkundung wie gewünscht vorzunehmen, und warf den verdienten, immerhin mit dem Silbernen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik ausgezeichneten Altpolitiker hochkant hinaus – ein Verhalten, das bei allen heimattreuen Hundebesitzern sicherlich hochgradige Abscheu und hoffentlich einen Boykott dieses offenbar von Mitgliedern der berüchtigten antifaschistischen Internationale geführten Etablissements nach sich ziehen wird.

In Kärnten wiederum schwor Uwe Scheuch heute auf eine leere Wodkaflasche, dass er no na net noch nie an einen Russen gedacht, geschweige denn über einen gesprochen habe. Und der Letzte in der Familie, der dem Russen die Staatsbürgerschaft habe angedeihen lassen wollen, sei übrigens der Opa gewesen. Allerdings hätte nach dem ausgeklügelten Plan des Opas der Russe dazu nicht einmal sein Land verlassen müssen.

Und wenn er schon einmal unter Eid stehe, fügte Scheuch überzeugend an, erkläre er gleich auch, dass er noch nie einen BMW auch nur aus der Nähe gesehen habe. Schon gar nicht seinen eigenen. Und schon überhaupt nicht in Ungarn.

Sein ebenfalls bei der beeindruckenden Zeremonie vor vier Zusehern im Vorraum der wegen wahnwitzigen Erfolges um weitere sechs Jahre verlängerten Jörg-Haider-Ausstellung im Klagenfurter Bergbaumuseum anwesender Bruder Kurt schwor übrigens, er plane keineswegs, den Udo Jürgens entzogenen Landesorden in Gold einzuschmelzen und für die neue Sozialaktion „Das kostenlose Kärntner Zahngesundheits-Nugget“ zu verwenden. Vielmehr solle der Orden sofort und ohne bürokratische Umwege Bedürftigen zugutekommen – im konkreten Fall Martin Strutz.

Der Dritte Nationalratspräsident Martin Graf erklärte indes in einer feierlichen Zeremonie in der Säulenhalle des Parlaments in Gegenwart von exakt 88 Olympen ebenso eidesstattlich, er habe nie gesagt, dass seine engsten Mitarbeiter bei einem einschlägigen Internetversand „Nazi-Dreck“ bestellt hätten. Er sei hier vielmehr wieder einmal Opfer einer üblen Schmutzkübelkampagne geworden. Wer ihn kenne, wisse: So ein Wort würde er nie und nimmer verwenden.

Aber er sei zuversichtlich, dass die Geschichte ihm in dieser Angelegenheit Recht geben würde. Er habe auch bereits den international anerkannten Fachmann David Irving gebeten, sie niederzuschreiben.

Der Herausgeber der „Kronen Zeitung“ nahm alle abgegebenen Erklärungen äußerst wohlwollend zur Kenntnis und schrieb in einem zu beinahe 28 Prozent an der Verständlichkeitsgrenze entlangschrammenden „Cato“-Kommentar, sowie die betreffenden Herrschaften nun auch noch in sein Büro kämen, um ihm die Füße zu küssen und seinen Hund zu streicheln – oder auch umgekehrt –, sei die Angelegenheit für ihn erledigt.
Denn schließlich sei es ja zum Wohle Österreichs.

rainer.nikowitz@profil.at