<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Ein Brüller!

Kanzler und Vize sollen einander angebrüllt und mit Neuwahlen gedroht haben? Geh!

Spindelegger: Jetzt brüllst scho wieder!
Faymann: Ich brüll überhaupt nicht!
Spindelegger: Wie nennst du das dann?
Faymann: Singen, verdammt noch einmal! Ich habe gerade mein Lieblingslied geträllert!
Spindelegger: Na, da hat si das Stimmtraining aber voll ausgezahlt!
Faymann: Bei meiner Stimm hören de Leit wenigstens hin. Bei deiner fallen s’ glei ins Wachkoma.
Spindelegger: Sag, was is denn eigentlich dein Lieblingslied? „Railway to Heaven“?
Faymann: Ich warne dich! Seit i so oft nach Europa fahren muss, is mei Englisch viel besser worden.
Spindelegger: Heißt des, du kannst jetzt auf Englisch bis sieben Millionen zählen?
Faymann: Ich wittere Verrat! Na guat. Okay. Bitte. Wir können auch gleich Neuwahlen machen.
Spindelegger: Von mir aus gern! Wir san bereit.
Faymann: Bereit? Ihr? Die Umfragewerte sagen da aber a bissl was anderes. Wir völlig verdientermaßen in lichten Höhen – und ihr …
Spindelegger: Lichte Höhen? Is dir des Packl mit deinen gesammelten Inseraten am Schädel gfallen?
Faymann: Und wen würdets denn ihr als Spitzenkandidaten aufstellen? Den Jagdhund vom Mensdorff-Bouillon?
Spindelegger: Bouillon! Köstlicher Humor!
Faymann: Gell? Sagt die Laura a immer.
Spindelegger: Weißt, mir isses eigentlich wurscht, unter wem i Vizekanzler bin. Aber mit wem tätst denn du in deinen lichten Höhen so koalieren, wenn wir nimmer wollen?
Faymann: Wenn du Dritter wirst, dann bist du nimmer Vizekanzler, sondern Kläranlagengemeinderat in der Hinterbrühl.
Spindelegger: Hmm. Möglich. Aber eins sag i dir: Der Jagdhund vom Bouillon is auch a verdammt harter Verhandler.
Faymann: Du könntest natürlich auch gleich Lobbyist werden. Da kann ma ja die bürgerlichen Werte am besten vertreten. Anstand, Ehrlichkeit und so. Und was war da no? Wart, glei hab i’s … Ah ja: Leistung!
Spindelegger: Du Armer! Tut’s sehr weh?
Faymann: Was denn?
Spindelegger: Na ja, wenn du dieses Wort in den Mund nimmst, muss es sich ja anfühlen wie a Esslöffel Cayennepfeffer.
Faymann: So. Jetzt hamma unseren Spaß ghabt. Aber jetzt sollt ma uns wieder zsammreißen, was meinst du?
Spindelegger: Ja, eh. Hast Recht. Wir sollten uns net über so an Blödsinn streiten, wo doch rund um uns herum alles zusammenbricht.
Faymann: Was bricht wo zsamm?
Spindelegger: Na ja … Griechenland. Die Banken. Der Euro. Das Weltfinanzsystem.
Faymann: Ah so, des. I hab scho glaubt, es is was Ernstes. Unser Stiftungsratsmehrheit im ORF. Die „Krone“-Leserzahlen. Irgend so was. Aber da is ja völlig klar, was wir machen müssen: die Vermögensteuer. Dann is wieder alles im Lot.
Spindelegger: Weltweit nämlich.
Faymann: Zumindest in der mir bekannten Welt: Liesing, Lassing, Luising …
Spindelegger: Ma! Wenn ma dir so zuhört … So Unrecht hat der Haslauer net.
Faymann: Mhm. Und vor allem hat er kan Spiegel z’ Haus. Wenn der über wen andern sagt, dass er blutleer is, is des ungefähr so, wie wann si der Berlusconi beschwert, dass er von lauter alten Geilspechten umzingelt is.
Spindelegger: Des muss ma aushalten.
Faymann: Heast! I verbrat net zig Mille für Inserate, dass i dann irgendwo so was über mi lesen muss.
Spindelegger: Na ja, es gibt Zeitungen, da stehen net nur super Sachen über di drin.
Faymann: Des kann scho sein. Aber de les i ja net. Und außerdem: Was di betrifft, gibt’s überhaupt nur Zeitungen, in denen net nur super Sachen über di drinstehen.
Spindelegger: I zahl ja a net dafür!
Faymann: Solltest aber. Vielleicht tät’s sogar bei dir was helfen …
Spindelegger: I glaub, wir brauchen doch an Untersuchungsausschuss, der da einmal einesticht!
Faymann: Ha! Du wünschst dir an Untersuchungsausschuss? So an richtigen? Tätst deine Umfragewerte gern einstellig machen?
Spindelegger: So. Jetzt hamma unseren Spaß ghabt. Aber jetzt sollt ma uns wieder zsammreißen, was meinst du?
Faymann: Ja, eh. Hast Recht. Wir sollten uns net über so an Blödsinn streiten, wo doch rund um uns herum … Was bricht no amal alles zsamm?
Spindelegger: Du, wurscht. Kümmer di net drum. Lass des di Fekter Mitzi machen.
Faymann: Na ja, aber de derzählt mir ja dann glei wieder, dass de Reichen vom Holocaust bedroht san.
Spindelegger: Mhm. Und von der Rudas bis zum Darabos schmerzt alle ziemlich lautstark das politisch korrekte Herz.
Faymann: Tja. Wir haben halt noch echte, tief empfundene Prinzipien. Kann net jeder von sich behaupten …
Spindelegger: Na guat. Okay. Bitte. Wir können auch gleich Neuwahlen machen.
Faymann: Von mir aus gern. Wir san bereit!
Spindelegger: Jetzt brüllst scho wieder!

rainer.nikowitz@profil.at