<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Fayermayer II

<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Fayermayer II

Einen glorreichen Sieg von Rot-Schwarz (also 50 Prozent plus eine Stimme) einmal vorausgesetzt: Wer bleibt? Wer geht? Und warum eigentlich nicht?

Werner Faymann hat als Bundeskanzler kein eigenes Ressort und damit eigentlich keine Aufgabe. Aber selbst seine härtesten Kritiker werden zugeben müssen: Die erfüllt er perfekt. Im Gegensatz zum Non-Playing-Captain ist aber wenigstens sein Staatssekretär Josef Ostermayer für praktisch alles zuständig. Mit dieser bestechenden Konstruktion könnten es Fayermayer durchaus zum längst dienenden Kanzler seit Franz Vranitzky bringen. Und zum Glück haben sie sich von dem ja auch gerade einmal den Spruch mit den Visionen und dem Arzt gemerkt.

Bei Michael Spindelegger wusste schon niemand so genau, warum er eigentlich Außenminister wurde. Dies änderte sich bei seiner Ernennung zum Vizekanzler überraschenderweise nicht wirklich. Aber eine der größten Stärken der ÖVP ist ja zweifellos die Kontinuität, weshalb davon auszugehen ist, dass der Mann, dem vermutlich nicht einmal seine Frau glaubt, dass er glaubt, Nummer eins zu werden, zumindest so lange Vizekanzler und Parteiobmann bleiben wird, bis Erwin Pröll nach einer intensiven Konsultation Erwin Prölls befindet, dass es an der Zeit wäre, einen anderen Charismatiker zu demütigen.

Das Duo Reinhold Mitterlehner und Rudolf Hundstorfer , die Sozialpartnerschaftsaußenstelle in der Regierung, hat zwar den Nachteil, dass es sich bei ihm um die Sozialpartnerschaftsaußenstelle in der Regierung handelt. Andererseits konnte man sich mitunter des Eindruckes nicht erwehren, dass die beiden manchmal wissen, was sie tun. Das könnte die Chancen auf ein Ministeramt nach der nächsten Wahl doch empfindlich schmälern.

Gabriele Heinisch-Hosek hat es in einem Land, das unter einer praktisch lückenlosen gläsernen Decke vor sich hin dunstet, und mit einem Kalender, in dem ein Equal-Pay-Day den anderen jagt, natürlich ungeheuer schwer – aber welche Frau hat das denn nicht? Also wird die Frauenministerin ihre Arbeit unverdrossen so lange fortsetzen, bis die Genderforschung reaktionären androzentrischen Kram wie zum Beispiel diese lächerlichen Naturwissenschaften in den Staub gezwungen hat und endlich die verdiente Anerkennung als wichtigste Wissenschaft überhaupt genießt. Neben dem Tarotkartenlegen natürlich.

Die Aufgabe von Doris Bures als Infrastrukturministerin ist es ja im Wesentlichen, dafür zu sorgen, dass möglichst viele Landeshauptleute mit vollkommen sinnbefreiten, dafür aber wenigstens absurd teuren Eisenbahntunneln bei Laune gehalten werden – und zwar selbst dann noch, wenn sie schon tot sind. Hand aufs Herz: Wüssten Sie jemanden, der das besser könnte?

Bei der ÖVP hat sich hinter dem Leitwolf leider eine ganz schöne ProblembärInnenbande versammelt. Maria ­Fekter , die Maggie Thatcher des Attergaus, hält sich selbst zwar ­sicherlich nicht nur weiterhin für ministrabel, sie würde als einziger Mann in der Regierung – eine Aussage, wegen der Johanna Mikl-Leitner übrigens immer noch total angefressen auf sie ist – selbstverständlich auch gern den ganzen schwarzen Laden schupfen. Die Frage ist allerdings: Wer außer ihr und diesem einen, nunmehr schon ganz knapp vor der Totalentmündigung stehenden Altbauern in Att­nang-Puchheim will das sonst noch?

Niki Berlakovich , seit seinem höchstpersönlichen Bienendrama auch gerne „Der Burgenländer mit dem Stich“ genannt, wird sich wohl dem Drängen der fast ganz privaten Wirtschaft nicht länger verschließen können und seine Qualitäten fortan einem noch exklusiveren Personenkreis als bisher beweisen. Beatrix Karl wiederum wird nach ihrer Häfn-Elegie jetzt womöglich doch nicht wieder Ministerin und auch nicht Spitzenkandidatin bei der nächsten EU-Wahl – sondern Medientrainerin. Karlheinz Töchterle wiederum lässt sich durchaus öfter einmal anmerken, dass er den Fehler, in die Politik gegangen zu sein, nicht auch noch freiwillig perpetuieren will.

Einzig Johanna Mikl-Leitner , die Frau, deren Sympathiewerte selbst Rottweilern ein Lächeln aufs Gesicht zaubern, könnte bleiben. Und wenn das schon sonst niemand hofft – so doch wenigstens die SPÖ.

Gerald Klug
, unverhofft vom Nobody zu Everybody’s Darling aufgestiegen, wird sich sicher nicht freiwillig wieder in die Versenkung zurückbegeben, aus der er gekommen ist. Wenn die ÖVP also wieder einmal die Wahlen verliert, die Ressortverteilung aber gewinnt – und somit der SPÖ das Verteidigungsministerium umhängt, für das sich ja nie jemand interessiert, soferne der Wiener Bürgermeister nach dem Studium der Qualitätspresse nicht plötzlich eine super Idee hat –, dann wird die stärkste Waffe des Heeres auch weiterhin „Blendax“ bleiben.

Claudia Schmied hingegen hat nach der Kommunalkredit und der Lehrergewerkschaft echt einmal eine Atempause verdient. Diese könnte zum Beispiel durchaus so aussehen, dass man ihr für den Anfang einmal einen Job verschafft, den sie auch kann.

Und Alois Stöger schließlich …, also, Alois … Wer?

rainer.nikowitz@profil.at