<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Fragen Sie Frau Erna!

Die profil-Lebenshelferin greift diesmal die bislang unterschätzten Problemfelder ORF-Faxwahl, Bundesheer und Handball-EM auf.

Geschätzte Frau Erna,
ich bin der Regisseur des Bundesheer-Spots, der jetzt ungerechtfertigterweise in den Medien lächerlich gemacht wird, weil er angeblich sexistisch und überhaupt recht dämlich sein soll. Unabhängig davon, dass ich diesbezüglich natürlich völlig anderer Meinung bin, fürchte ich jetzt um meine Karriere. Meinen Sie, dass meine anderen Spots, in denen zum Beispiel eine Elite-Einheit ein Dorf im Sudan ausradiert oder genau gezeigt wird, wie cool es ist, Granaten auf Allentsteig zu pfeffern, jetzt noch eine Chance auf eine unvoreingenommene öffentliche Beurteilung haben?
Besorgt
Fritz Oberwalder
Corps Cinemathique

Verehrter Herr Oberwalder,
dass Sie mir einmal schreiben! Ich bin Ihr größter Fan! Spätestens seit dem Problemfilm „Was juckt da unterm Tarnanzug III“ oder dem atemlosen Action-Reißer „100 Mann und eine Latrine“ kann ich beim besten Willen nicht verstehen, warum zwar Haneke und Ruzowitzky Preise bekommen, aber Sie nicht. Bitte bleiben Sie bei Ihren hintergründigen Plots und der glasklaren Bildsprache und nehmen Sie sich ein Beispiel an Ihrem Chef, Norbert Darabos: bei Kritik einfach weghören.
In tiefer Bewunderung
Ihre Frau Erna

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Sehr geehrte Frau Erna,
ich bin Bürolehrling in Ausbildung und sitze beim ORF in dem Zimmer, in dem die Faxe von der Publikumswahl hereinkommen. Und jetzt hab ich folgendes Problem: Ich fürchte, ich habe das Gerät irgendwie falsch eingestellt – aber nachdem ich schon einen Minuspunkt habe, weil ich dem Abteilungsleiter gestern den Kaffee mit zwei statt mit einem Löffel Zucker gebracht habe, traue ich mich nicht zu fragen. Da kommen nämlich nur Stimmen für die SPÖ-Kandidaten raus. Nachdem das ja bei einer demokratischen Wahl schlecht sein kann, sitze ich jetzt ziemlich in der Patsche. Was soll ich nur tun?
Ratlos
Whitney Mesotitsch

Liebe Whitney,
man merkt an Ihrem Schreiben deutlich, dass Sie halt ein junger Mensch sind und noch viel lernen müssen. Selbstverständlich kommen da nur SPÖ-Stimmen raus! Und selbstverständlich ist das Demokratie. Nur halt eine sympathische österreichische ­Variante davon. Also, halten Sie um Himmels willen bei Ihrem Vorgesetzten den Mund, Liebes. Sonst merkt der am Ende noch, wie unbedarft Sie sind. Und dass mir da nur keine Politikverdrossenheit aufkommt. Schließlich haben unsere Vorfahren das Wahlrecht mühsam für uns erkämpft.
Ganz liebe Grüße
Ihre Frau Erna

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Liebe Frau Erna,
jetzt gehen mir natürlich wieder alle auf die Eier wegen den Handballern. Wie mitreißend die nicht gespielt haben bei der EM im Vergleich zu meinen Burschen. Da geht mir so was von das Geimpfte auf, dass ich glatt dem Garics eine auflegen würd, wenn er in der Nähe wär. Wenn ich gegen Island unentschieden spiel, wer feiert mich dann, ha? Außerdem: Die spielen bitte hinten mit einer Sechserkette! Ich hab zwar im Trainerlehrgang nicht immer aufgepasst, aber so daneben bin nicht einmal ich. Und was ist das überhaupt für ein Lulu-Sport, bei dem man nicht wie ein richtiger Mann ordentlich auf den Boden schlatzen darf, weil die armen Hüpfdohlen dann ausrutschen? Geh bitte! Eigentlich hat dieser Handball-Teamchef nur eines richtig gemacht: Er hat den Ivanschitz auch nicht aufgestellt. Also: Der Zirkus muss jetzt ein Ende haben. Ab jetzt feiern gefälligst wieder alle die richtige Nationalmannschaft. Ist das klar?
Hochachtungsvoll
Didi Constantini
Trainer-Gott

Sehr geehrter Herr Constantini,
ich kann Ihre Bedenken gut nachvollziehen. Es hätte einen beim Zuschauen tatsächlich der Eindruck beschleichen können, bisher mit Fußball Lebenszeit verschwendet zu haben, die man besser in Nasenhaarschneiden oder Zwischenzehendreckwuzeln investiert hätte. Aber keine Angst: Diese quälende Unsicherheit wird sich spätestens mit dem ersten Länderspiel gegen Dänemark im März verflüchtigen – und einer soliden Gewissheit weichen!
Mit freundlichen Grüßen
Frau Erna

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Liebe Frau Erna,
ich bin mit meiner Superpraktikantin nicht restlos zufrieden. Sie redet zurück, macht dem Faymann schöne Augen, und als ich sie gefragt habe, was sie vom Transferkonto hält, hat sie ­gesagt: „Meinen Sie das, mit dem die Hypo unter den Augen vom Martinz die Kärntner Fußballer bezahlt hat?“ Jetzt einmal ehrlich: Waren wir auch so, als wir jung waren?
Mit freundlichen Grüßen
Josef Pröll
Vizekanzler

Sehr geehrter Herr Pröll,
was Sie betrifft, lehne ich mich, glaube ich, nicht allzu weit aus dem Fenster, wenn ich sage: sicher nicht. Und über meine eigene Jugend möchte ich nicht allzu viel verraten, außer: Wir haben ja nichts gehabt nach dem Krieg.
Mit freundlichen Grüßen
Frau Erna

rainer.nikowitz@profil.at