<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Fragen Sie Frau Erna!

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Fragen Sie Frau Erna!

Andere mögen Urlaub machen – doch die profil-Lebenshelferin ist immer für ihre Kundschaft da.

Sehr geehrte Frau Erna!
Mit Bestürzung haben wir in unserer Parteizentrale über den Konkurs von Detroit gelesen. Und jetzt fragen wir uns schon: Wie deppert kann man sein? Es weiß doch jeder, dass so was nie im Leben passieren kann. Weil, wenn man als anständige Stadt keine Marie mehr hat – weil die Millionärssteuer halt leider von den ­redaktionären Kräften in Österreich verhindert wird –, dann geht man zur Bank und sagt: „Mir haben keine Marie mehr.“ Dann gibt einem die Bank ein Geld. Und wenn man besonders wiff ist, dann nimmt man das Geld in Schweizer Franken, weil das ist erstens ein sehr schönes Geld und zweitens ur-sicher. Besonders wenn man so einen Snap dazu macht. Oder heißt das Slap? Na, wurscht jetzt. Jedenfalls: Könnten Sie nicht den Detroitern ausrichten, wie man das macht? So als Entwicklungshilfe?
Freundschaft!, Franz Dobusch, Bürgermeister der Stadt Linz

Sehr geehrter Herr Bürgermeister!
Das werde ich natürlich sehr gerne tun – auch wenn ich davon ausgehe, dass das ungeheure Geschick, das die Linzer SPÖ in bester sozialdemokratischer Tradition in den von ruchlosen Kapitalistenhaien verseuchten Gewässern der internationalen Hochfinanz bewiesen hat, ohnehin bereits über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt ist. Und dass ihre todsichere Methode zur garantierten Geldvermehrung auch schon allenthalben kopiert wird. Bleibt nur zu hoffen, dass es in Detroit auch eine Bawag-Filiale gibt. Ich darf also mit dem alten linken Schlachtruf schließen:
Pecunia non olet! Ihre Frau Erna

Liebe Frau Erna!
Leider sind wir in diesem Wahlkampf vermehrt mit einem eher unangenehmen Problem konfrontiert. Es scheint sich so zu verhalten, dass es in Österreich praktisch keinen einzigen Wähler gibt, der weiß, wozu das BZÖ gut sein soll. Jetzt haben wir sofort eine Vorstandssitzung einberufen und selbst intensiv über diese Frage nachgedacht. Und am Ende haben wir einstimmig beschlossen, dass wir Sie fragen.
In Erwartung einer erhellenden Antwort, Ihr Josef Bucher

Lieber Herr Bucher!
Ich kann Ihnen sagen, wie man eine versalzene Gemüsesuppe wieder genießbar macht. Ich weiß auch, was Barack Obama nach der Hochzeitsnacht zu seiner Frau gesagt hat. Ich kenne das beste Lokal in der Hauptstadt von Guinea-Bissau. Und ich habe sogar eine vage Idee davon, was im Kopf von Frank Stronach vorgeht. Aber fragen Sie mich um Himmels willen doch nicht so was!
Mit freundlichen Grüßen, Frau Erna

Geschätzte Frau Erna,
ich habe ein Problem mit Norbert Darabos. Obwohl er meinen Bundesparteiobmann und strahlenden Spitzenkandidaten als „Flip-Flopper“ bezeichnet hat; obwohl ich ihn als „gescheiterten Verteidigungsminister ohne Anstand“ bezeichnet habe; obwohl ich auf jede von seinen öden Presseaussendungen sofort mit einer noch öderen antworten muss, weil ja Wahlkampf ist und das Publikum bekanntlich danach giert, mit Presseaussendungen der Parteigeschäftsführer unterhalten zu werden – eigentlich finde ich ihn ja ganz nett. Glauben Sie, er würde nach der Wahl mit mir ins Kino gehen und sich eine romantische Komödie anschauen?
Hochachtungsvoll, Hannes Rauch, ÖVP-Generalsekretär

Lieber Herr Rauch,
ich bin mir sicher, dass Norbert Darabos spätestens in seiner Zeit als Verteidigungsminister romantische Komödien als kleine Abwechslung zum manchmal ach so schnöden Alltag durchaus zu schätzen gelernt hat. Und ich bin mir auch sicher, dass er berufliche Notwendigkeiten und private Sympathien durchaus zu trennen vermag. Aber nehmen Sie vielleicht Erwin Pröll und Michael ­Häupl mit, damit es nicht so auffällt.

Liebe Frau Erna,
ich habe ein Problem mit Hannes Rauch. Ich weiß ja, man sollte berufliche Notwendigkeiten und private Antipathien trennen können – aber bei dem Kerl ist es nun einmal so, dass ich ihn nicht einmal leiden könnte, wenn er Vorsitzender der Tiroler SPÖ wäre. Ich hege ernsthaft die Befürchtung, dass ich mich in diesem Wahlkampf nicht nur auf den Austausch der beim ­Publikum so ungeheuer beliebten Presseaussendungen beschränken kann, sondern ihm irgendwann einmal an die Gurgel gehe. Und das, wo doch nicht nur jeder im Verteidigungsministerium weiß, dass ich Pazifist bin. Was soll ich nur machen?
Mit freundlichen Grüßen, Norbert Darabos, SPÖ-Bundesgeschäftsführer

Sehr geehrter Herr Darabos,
ich glaube ja, die größte Strafe für Herrn Rauch wäre es, wenn er sich mit Ihnen gemeinsam im Kino eine romantische Komödie anschauen müsste. Und nehmen Sie am besten Michael Häupl und Erwin Pröll mit! Dann kann er nicht nein sagen.
Beste Grüße, Frau Erna

rainer.nikowitz@profil.at