Rainer Nikowitz: Fragen Sie Frau Erna!

Rainer Nikowitz: Fragen Sie Frau Erna!

Die profil-Lebenshelferin beantwortet jede noch so schwierige Frage.

Geschätzte Frau Erna!
Die Lügenpresse schreibt, ein Teilnehmer der Demonstration gegen das Rauchverbot in der Gastronomie habe just während meiner Rede einen Herzinfarkt erlitten. Durch diese politisch gelenkte Berichterstattung wird ein völlig falscher Eindruck erweckt, den ich hier korrigieren möchte. Der besagte Herr – dem es zum Glück schon wieder besser geht – hat den Infarkt natürlich nicht etwa erlitten, weil er raucht. Und selbstverständlich erst recht nicht wegen meiner Rede. Um es mit einem großen Wort unseres Parteiphilosophen Harald Vilimsky zu sagen: Das war einfach ein Fall von „Wennst ka Glück hast, kummt des Pech a no dazua.“
Hochachtungsvoll
HC Strache, Wien

Sehr geehrter Herr Strache!
Hand auf’s …, äh ja: Wir wissen doch beide, wie ungeheuer aufwühlend Ihre Reden sein können, oder? Haben Sie nicht vielleicht darauf hingewiesen, dass nach der Beißkorbpflicht für „Der tuat eh nix!“-Rottweiler und dem Verbot von Tempo 180 auf der Autobahn nunmehr die nächste Bastion der Freiheit, die Sie und Ihresgleichen meinen, fällt? Oder möglicherweise, dass dieses Rauchverbot, mit dem der autochthone Österreicher bis aufs Beuschl gequält wird, natürlich für Asylanten wieder einmal keine Wirkung hat? Weil die es sich ja eh nicht leisten können, in irgendein Lokal zu gehen? Sie erregen die blaue Wählerschaft nun einmal,
lieber Herr HC. Manche greifen Ihnen dann auf den Hintern, andere trauen sich das nicht und kippen lieber um. Lösungsvorschlag: Vielleicht sollten Ihre Fans alle ganz was anderes rauchen. Damit wäre nämlich nicht nur
ihnen selbst, sondern dem ganzen
Land geholfen.
Chill, Oida!
Ihre Frau Erna

Werte Frau Erna!
Ich habe mir das dezente Wahlplakat der Wiener Grünen, auf dem ­Maria Vassilakou an die Wand gepickt ist und voll lustige Sachen zum Häupl sagt, jetzt einmal genau angeschaut. Und ich fürchte, das ist gar nicht Maria Vassilakou. Oder zumindest nicht die ganze. Also entweder ein Body-Double oder eine Photo­shop-Crashdiät der ungesunden Sorte. Aber das kann ja wiederum eigentlich gar nicht sein. Gerade die Grünen würden doch nie zulassen, dass ein Frauenkörper auf von der Werbung diktierte, sexistische, antifeministische, neoliberale und überhaupt Normen zusammengestutzt wird. Oder was meinen Sie?
Mit freundlichen Grüßen
Eva Himmelbauer, Wien

Liebe Frau Himmelbauer,
nun, ich fürchte, Sie haben da die grüne Dialektik nicht rückhaltlos verstanden – vom grünen Humor einmal abgesehen, aber gerade das ist ja zugegebenermaßen oft ein bisschen schwierig. Mit der an die Wand geklebten Vizebürgermeisterin wird ja, entgegen dem ersten Augenschein, darauf hingewiesen, wie ungeheuer unbequem ein politischer Partner ist, dessen Kernaussage lautet: „Wurscht, was passiert – wir bleiben auch die nächsten fünf Jahre in dieser Koalition!“ Und auf derselben Ebene bewegt sich die körperliche Veränderung, die die Frau Vizebürgermeister in dieser Kampagne durchlaufen hat. Man muss diese natürlich als total kritischen Beitrag zur Magermodel-Verbotsdebatte sehen. Eine andere Interpretation wäre in diesem Fall wirklich völlig abwegig!
Mit freundlichen Grüßen
Ihre Frau Erna

Liebe Frau Erna!
Ich kenn mich nicht mehr recht aus. Bei der vergangenen Landtagswahl in Niederösterreich hab ich den Frank gewählt, obwohl der ja, wie ich nachher draufgekommen bin, gar nicht kandidiert hat. Aber gut, das war ich ja vom Jörg schon gewöhnt. Jetzt hab ich aber gelesen, dass sich die fünf Abgeordneten mittlerweile dreigeteilt haben: Zwei sind noch Team Stronach, zwei heißen Team Niederösterreich und dann gibt es noch einen, der allein ist – obwohl die irgendwie alle miteinander nicht ganz allein zu sein scheinen. Jedenfalls weiß ich jetzt nicht: Wen soll ich bloß beim nächsten Mal wählen?
Verwirrt
Leopold Ramsebner
Herzogenburg

Lieber Herr Ramsebner,
also, so schlimm ist das ja nun auch wieder nicht. Wissen Sie, das alles folgt bloß dem Prinzip des freien Mandats. Dieses bedeutet in Österreich im Wesentlichen, dass ein Kandidat nach erfolgter Wahl seinen Wählern gegenüber frei von jedweder Verantwortung ist. Dieser Grundsatz gilt bei allen Parteien, beim Team Stronach aber ganz besonders. Sie können getrost ­irgendeinem dieser Stronach-Reste auch beim nächsten Mal die Stimme geben, sie wird genauso gut angelegt sein wie Ihre letzte. Schwieriger wäre die Sachlage nur, wenn die Meinungsverschiedenheiten dazu führen sollten, dass sich die fünf Abgeordneten irgendwann in sechs oder mehr Teile aufsplittern. Aber da würde ich mich gegebenenfalls nochmals bei Ihnen melden.
Bis dahin gute Besserung
Ihre Frau Erna