<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Franksreich

Frank Stronach gibt derzeit die besten Interviews im Land. Uns auch nicht.

profil: Herr Stronach …
Stronach: So? Sie wollen also mit mir streiten? Obwohl i eine Steuerzahler bin? Also …, in die Schweiz zumindest?

profil: Nein, ich wollte eigentlich nur eine Frage …
Stronach: Wenn Sie nicht geben eine Ruah sofort, dann i hole die Westenthaler.

profil: Der hat doch dementiert, dass er bei Ihnen mitmacht.
Stronach: Ja und? Der hat schließlich a behauptet damals, dass er net hat gerufen: Hauts de Oaschlecha ausse!

profil: Sie haben ihn ja schon vor zehn Jahren unter Ihre Fittiche genommen.
Stronach: Damals habe i zu eam gesagt: Du bist talentiert und fähig, musst aber mehr kultiviert sein. Dos hat er si zu Herzen genommen. Er ist jetzt mehr kultiviert.

profil: Das wird sicherlich praktisch jeder bestätigen, der ihn kennt.
Stronach: Dos will i hoffen. Weil, wenn man net bestätigt mi, i werde grantig. Fragen Sie die Jogi Löw. Der hat damals bei der Austria auch geglaubt, er versteht mehr von die Fuaßboll wia i. Und dann hab i eam rausgeschmissen.

profil: Und jetzt muss er das ­deutsche Nationalteam trainieren, der arme Hund.
Stronach: Well. Jeder ist von seine eigene Glück die Schmied. Außer, er kandidiert für mi.

profil: Glauben Sie wirklich, dass in Österreich noch jemand den Westenthaler wählt, sofern in der Wahlzelle nicht einer Ihrer Mit­arbeiter mit einer abgesägten Schrotflinte hinter ihm steht?
Stronach: Gar ka so a blöde Idee …

profil: Aber leider verboten.
Stronach: Sehen Sie? Darum geht nix weiter in diese Land. Wohin ma schaut, blöde Regeln und Verbote, de einen freien Unternehmer behindern.

profil: Und Betriebsräte und alles.
Stronach: Genau. So kann dos nix werden. I mach mir große Sorgen.

profil: Ihre Versuche, Österreich für Ihre Ideen zu begeistern, waren ja bisher nicht so von Erfolg gekrönt.
Stronach: Jetzt streitet er schon wieder!

profil: Hätte Österreich nach Ihrem Plan nicht vor zwei Jahren Fußball-Weltmeister werden sollen?
Stronach: Hat eh net viel gefehlt. Nur die Qualifikation.

profil: Und auch für Pferderennen interessiert sich immer noch keine Sau. Was macht Sie glauben, dass das diesmal anders sein wird?
Stronach: Meine Kolumne in der „Krone“. I mein, wenn die Leut wegen so was sogar eine Figur wia diesen Hans-Peter Martin wählen, warum dann net mei Partei?

profil: Das ist zweifellos eine absolut berechtigte Frage. Wie viel ­Honorar gibt es eigentlich für diese Kolumne?
Stronach: No jo, teuer ist sie schon. Aber i kann mir dos ja Gott sei Dank leisten. Wie viel kostet denn Ihre?

profil: Bei mir ist das ein bissl anders. Ich werde dafür bezahlt.
Stronach: Verkehrte Welt!

profil: Ja. Da braucht man sich nicht mehr wundern, oder?
Stronach: Nau wenigstens sehen Sie es ein.

profil: Ein schon etwas älterer Milliardär, der eigentlich mit seinem Geld einfach nur das Leben genießen könnte, den es aber in die Politik drängt – sind Sie so etwas wie der ­österreichische Berlusconi?
Stronach: Na. I würde niemals machen so eine sauteure Haartransplantation und nachher immer noch schiach sein.

profil: Das ehrt Sie. Aber warum tun Sie sich das an?
Stronach: Ich will meinem Land dienen.

profil: Das wäre aber ja doch
eher Kanada.
Stronach: Scho. Aber durt gibt’s keine „Krone“.

profil: Sie haben gemeint, der ehemalige Magna-Europa-Chef Sigi Wolf wäre ein guter Bundeskanzler.
Stronach: Oh ja. Er hat aber noch nicht zugesagt, si von mir einsetzen zu lassen.

profil: Ein Problem könnte vielleicht auch sein, dass 95 Prozent der Bevölkerung vermutlich nicht wissen, wer er ist.
Stronach: Dos macht doch nix. Wer hat denn diese Faymann gekannt, bevor er Kanzler worden is? Nobody.

profil: Doch. Die „Krone“-Leser.
Stronach: Bloody hell! Hat er auch gehabt die Idee mit der Kolumne?

profil: So ähnlich. Er war Wiener Wohnbaustadtrat und dann Minister, und er musste sich gegen seinen Willen dauernd fotografieren lassen.
Stronach: Na gut. Aber mein Vorteil ist, dass er nicht gegen die EU ist.

profil: Na ja. Da gab es einmal ­einen Brief, aus dem man das nicht unbedingt so herauslesen konnte.
Stronach: An wen hat er den geschrieben?

profil: An die „Krone“.
Stronach: Damn! Der Kerl ist eine härtere Nuss, wie i habe gedacht! Glauben Sie, er würde vielleicht ­kandidieren für mich?

profil: Nie im Leben! Der hat eherne Prinzipien.
Stronach: Der Faymann? Glauben Sie wirklich?

profil: Na gut, wenn Sie mich so fragen … Aber vielleicht nehmen Sie trotzdem lieber einen, der eh schon einmal bei Ihnen war.
Stronach: Wen?

profil: Der Grasser hätte sicher Zeit.
Stronach: Ah! Jetzt versteh i!

profil: Was?
Stronach: Warum Sie bekommen Geld für Ihre Kolumne!

rainer.nikowitz@profil.at