Rainer Nikowitz: Gulaschkanone

Rainer Nikowitz: Gulaschkanone

Beim Treffen zwischen Werner Faymann und Viktor Orbán in Wien gab es genau ein Ergebnis: We agree to disagree.

Orbán: Es ist zwar schön, dass wir uns treffen – also, vor allem natürlich für Sie. Aber ich denke, unsere Positionen sind klar. Oder haben Sie mir etwas fundamental Neues zu sagen?
Faymann: Das hab ich sehr wohl!
Orbán: Lassen Sie es mich so formulieren: Es wird mir vermutlich nicht gelingen, beim Zuhören so interessiert dreinzuschauen, als säße ich mit Scarlett Johansson an der Bar. Aber ich werde mich bemühen, dass es für Doris Day reicht.
Faymann: Es ist nämlich so: Euer Gulasch ist überhaupt nicht so feurig, wie ihr immer tut’s.

Orbán: Ich habe mich, fürchte ich, nicht klar genug ausgedrückt. Ich meinte: Doris Day vor 60 Jahren. Nicht jetzt.
Faymann: Nur allein, wenn ich geh bei mir in Liesing zum Wirten gleich um die Ecke, ja? Der hat a Gulasch, das gibt’s in ganz Budapest nicht.
Orbán: Das ist jetzt natürlich ein harter Schlag. Man bringe mir mein Riechsalz.
Faymann: Und das Szegediner, das hat am besten können der Antel. Und nicht irgendein Isztvan bei euch. Das weiß ein jeder.
Orbán: Da müssen Sie mir das Rezept geben: Mein Innenminister kocht für sein Leben gern, und wenn dann der Zaun zu Kroatien fertig ist, hat er ja wieder jede Menge Zeit.

Faymann: Na ja, was will man denn schon von einem Land, wo sogar die bekannteste Schauspielerin in Wirklichkeit a Österreicherin war.
Orbán: Und wer wäre das?
Faymann: No, die Marika Rökk!
Orbán: Ich wusste gar nicht, dass Sie auf steppende Soubretten stehen, die unter den Nazis große Karriere gemacht haben.
Faymann: Nazis? No, da hamma’s wieder. Typisch Ungarin.
Orbán: Gehört Sie jetzt also Ihnen oder mir?
Faymann: Und beim Skifahren? Wann habt’s ihr da jemals was grissen? Auf der Streif? Gröden, Ciaslatwiese? Oder wenigstens am Deppenhügel in St. Jakob am Blasenstein?
Orbán: Wir sind sehr gut im Handball.

Faymann: Handball? Und wen soll des bitte interessieren?
Orbán: Wesentlich mehr Leute als Skifahren.
Faymann: Und diese Ding…, diese Gewichtheber, oder? Die mit den Schnauzern bis zum Adamsapfel, die einmal alle vier Jahre für Olympia aus dem Anabolika-Silo gelassen werden und dann brüllend ein kleines Auto hochreißen. Das sind auch immer Ungarn, oder?
Orbán: Das sind Bulgaren.
Faymann: Auf alles tät er was drauf wissen, heast. Na, dann nimm das: Nettoempfänger!
Orbán: Nettozahler!

Faymann: Das soll eine Beschimpfung sein?
Orbán: Wer ist denn dämlicher?
Faymann: Andererseits: Ihr habt’s schon vor 100 Jahren nichts als Schwierigkeiten gemacht. Wenn wir A gsagt haben, dann ihr garantiert B. Und wenn es schon unterm Kaiser nicht funktioniert hat mit euch, warum sollte es jetzt anders sein?
Orbán: Noch dazu, wo wir jetzt die Rollen getauscht haben.
Faymann: Inwiefern?
Orbán: Damals hattet ihr einen Kaiser und wir nicht. Diesmal ist es ja eher umgekehrt.

Faymann: Wie kann man sich nur dermaßen in seinen nationalistischen Schrebergarten einbunkern? Kaiser von Ungarn? Und sich darauf was einbilden? Wie groß ist denn bitte schon Ungarn?
Orbán: Kleiner als Deutschland.
Faymann: Na, das will ich meinen.
Orbán: Aber deutlich größer als Liesing.
Faymann: Aber wer hier der Gute ist und wer der Böse, das sieht doch ein Blinder. Hier das Land, das seine Grenzen und seine Herzen öffnet …
Orbán: … solange ich ihm nicht jeden Tag 10.000 Leute nach Nickelsdorf stelle.

Faymann: Und auf der anderen Seite das Land des Stacheldrahts und der Brutalität … Des Stacheldrahts … Wann wär denn der zu Kroatien so ungefähr fertig, glauben Sie?
Orbán: Warum?
Faymann: Ach, nur so.
Orbán: Nachdem ich nicht annehme, dass Ihre Frage darauf abzielt, wann denn endlich Ungarn mit hochgradig verteufelswerten Methoden dafür sorgt, dass die Flüchtlingskrise in Österreich beendet wird, kann es ja wohl nur darum gehen, dass Sie sehr am Szegediner meines Innenministers interessiert sind.
Faymann: Äh … Na ja.

Orbán: Und übrigens: Ferenc Puskás war viel besser als Hans Krankl.
Faymann: Also, das kann man jetzt aber so und so sehen.
Orbán: Somlauer Nockerl: solide, verlässlich süße Schokomasse. Salzburger Nockerl: überteuerte Luft mit Schaumblasen rundherum.
Faymann: Mein Gott, ist das jetzt vielleicht kindisch!
Orbán: Und jetzt geben Sie mir noch die Adresse von Ihrem Wirten ums Eck.
Faymann: Ah! Wollen Sie da bei Ihrem nächsten Staatsbesuch mit mir hin?
Orbán: Ich würde eher tippen: mit Ihrem Nachfolger.
Faymann: Mir bleibt immer noch Ciaslat!

rainer.nikowitz@profil.at