Krise, wohin man schaut: Jetzt sogar schon an der Tankstelle. Da hört sich der Spaß auf. Und wir immer noch mehr oder weniger völlig ohne Schutz! Weil ohne Volkskanzler.

Drucken

Schriftgröße

Angesichts der Herausforderungen der alleraktuellsten von den ganzen aktuellen Krisen, durch die wir zunehmend ramponiert hindurchtaumeln, ist es natürlich schon ausgesprochen schade, dass Österreich noch immer volkskanzlerlos ist. Gerade jetzt, wo wir eine ruhige, ordnende Hand, klares Denken und umsichtiges Handeln sine ira et studio so bitter nötig hätten. 

Man stelle sich also zumindest kurz in einem rosigen Tagtraum vor, Herbert Kickl hätte sich nicht vor einem Jahr, indigniert ob des unerklärlichen Ausbleibens eines Angebots, ihn zum unumschränkten Alleinherrscher zu machen, ins Schmollwinkerl gestellt und die vor ihm am Präsentierteller liegenden Schlüssel des Kanzleramts ausgesprochen mutig dort liegen gelassen. Sondern er säße tatsächlich jetzt am Ballhausplatz. 

Wie gut es uns da ginge! 

Nichts wäre mehr ein Problem! Weil alle im Handumdrehen gelöst! Und vor allem könnte uns der Iran-Krieg so herzlich egal sein, wie er es von Rechts wegen ohnehin zu sein hätte, so weit entfernt von den Mauern der Festung Österreich, wie der stattfindet. Die leidige Sache mit den explodierenden Spritpreisen wäre unter einem Kickl längst kein Thema mehr, niemand würde dank des genialen blauen Modells auch nur einen Cent mehr an der Tankstelle bezahlen. Der dortige heiße Preis würde zwar 3,4 Milliarden – nach blauer Berechnung, also vermutlich von den Grundrechenarten nur peripher gestreift – Subvention aus dem Budget erfordern, das bekanntlich vor herumliegenden Milliarden nur so überschwappt.

Diese kluge Außenpolitik würde wiederum bedeuten, dass uns auch die Straße von Hormus dorthin gehen könnte, wo wir gelernte Österreicher es besonders gernhaben: am Arsch vorbei!

Diese würden aber mittels Streichung der Ukraine-Hilfen und nicht näher spezifizierter „Klima- und Transformationsförderungen“ ebenso locker wie sogleich wieder herinnen sein. Weiß die FPÖ exklusiv. Wobei: Die Ukraine-Hilfen wären ja nach einem Jahr Kickl ohnehin schon längst gestrichen. Als erste Amtshandlung vermutlich. Und wohl auch längst schon wieder ausgegeben. Für sicherlich unglaublich viele sinnvolle Dinge, daran kann es gerade bei der FPÖ keinen Zweifel geben. Aber weg wären sie leider trotzdem.  

Aber nun gut: Das wäre auch nicht weiter tragisch. Wir hätten trotzdem jetzt billigen Sprit im Überfluss, jawohl. Und zwar aus einem anderen Grund. Denn abgesehen von allem anderen wären wir ja unter Kickl auch wieder so richtig neutral. Und würden also Wladimir Putins Speichel gewohnheitsmäßig als Nahrungsergänzungsmittel verwenden. Und diese kluge Außenpolitik würde wiederum bedeuten, dass uns auch die Straße von Hormus dorthin gehen könnte, wo wir gelernte Österreicher es besonders gernhaben: am Arsch vorbei! Denn wir würden unser Öl und unser Gas ja klarerweise schon längst wieder aus Russland bekommen. Und zwar zu einem absoluten Freundschaftspreis, versteht sich. Hofschranzenrabatt. Steht im Kleingedruckten des Freundschaftsvertrags der FPÖ mit „Einiges Russland“. 

Aber wer weiß: Vielleicht wäre ja überhaupt alles anders und diese Spritpreisbremse überhaupt gar nicht erst nötig, wenn Herbert Volkskanzler wäre. Denn schließlich hat er als einer der führenden Vertreter der europäischen Schoßhundfraktion einen besonders heißen Draht zu seiner Merkwürdigkeit Donald I. Soll heißen: Der Herbert hätte in Sachen Iran sowieso sicherlich mehr als nur ein Wörtchen mitzureden. 

Von der NATO-Beate kennt Trump hingegen nicht einmal den Namen. Also wer weiß, ob angesichts dessen jetzt überhaupt Krieg wäre – wenn Herbert den Donald vor den möglichen negativen Folgen für die Weltwirtschaft im Allgemeinen und Europa im Besonderen gewarnt hätte. Wie es ja sicherlich zum Beispiel Giorgia Meloni getan hat. Oder Viktor Orbán, ein besonders dicker Wurmfortsatz von Trump. Die beiden haben sicherlich ihre herausragenden Beziehungen spielen lassen. Also nachdem sie in den Nachrichten gehört haben, dass jetzt Krieg ist. 

Umso betrüblicher ist jetzt aber, dass ihnen dieser internationale Schulterschluss der Nationalisten nicht wirklich etwas zu bringen scheint. Frau Meloni hat das für sie wichtige Justizreferendum verloren, offenbar nicht zuletzt deshalb, weil ihr die diesfalls leider nicht sehr weitblickenden Wähler ihre guten Beziehungen zu Trump nicht ausreichend gedankt haben. 

Und die Umfragen vor den baldigen ungarischen Wahlen verheißen nichts Gutes für Viktor Orbán. Okay, die jüngste explizite Wahlempfehlung vom sympathischen Onkel aus Amerika hat hier sicherlich noch nicht ausreichenden Niederschlag gefunden. Und vermutlich auch nicht der Werbeauftritt von Herbert Kickl in Budapest, anders ist es nicht wirklich zu erklären, dass Orbán immer noch hinten liegt. Daran, dass die Ungarn gerade dabei sind, aus Schaden klug zu werden, kann es ja nicht liegen. Angesichts der drohenden Niederlage von Orbán wäre es jetzt auch noch einmal wichtiger, in Brüssel blaue Spitzenvertreter zu haben – vor allem, wenn Gipfel ist und Lawrow Redebedarf hat. 
Aber leider. Wir haben ja keinen Volkskanzler. So sad.

Rainer   Nikowitz

Rainer Nikowitz