Rainer Nikowitz: Der Herbst der Patriarchen

Rainer Nikowitz: Der Herbst der Patriarchen

Mit dem Bundeskanzler und dem Wiener Bürgermeister könnten sich noch heuer die zwei prominentesten Gesichter der Sozialdemokratie andere Betätigungsfelder suchen müssen.

Faymann: I hab da a Gewissensfrage an dich …
Häupl: Die Antwort is: Ja. Und i hab selbstverständlich inhaliert. I bin ja net deppert.
Faymann: Äh … ja. Eh. Was i aber in Wirklichkeit wissen wolltert: Was wirst du nach dem 11. Oktober machen?
Häupl: Mich langsam, aber ausgesprochen sicher wieder an mei absolute Mehrheit gwöhnen.
Faymann: Michl?
Häupl: Hmm?
Faymann: Außer uns zwa is kana da.
Häupl: Willst du etwa andeuten, dass es eventuell unter Umständen vielleicht möglich sein könnte, dass i de Absolute net schaff?
Faymann: Na ja … Ja.

Häupl: Dann hätt i auch a Gewissenfrage an dich …
Faymann: Ja, auch. Aber mir hat’s damals eine von der Jungen ÖVP ins Cola getan. Weil si mi abschleppen wollt.
Häupl: I bin mir jetzt net ganz sicher, ob wir von demselben reden … Aber wurscht. Mei Frag wär nämlich auch: Was wirst du nach dem 11. Oktober machen?
Faymann: I? Wieso i?
Häupl: Na ja, lass es mich so formulieren: Solltest du bis zum 11. Oktober aufgrund irgendeiner besonderen kosmischen Konstellation, was weiß i, weil der Uranus in Opposition zu Alpha Centauri und dem Steinbock steht, was so nur alle 100.000 Jahr vorkommt, solltest du also deswegen tatsächlich no Kanzler sein und dann die Wiener SP des Ergebnis einfahren, mit dem du offenbar rechnest – dann werd net nur i auf amoi über ganz viel Tagesfreizeit verfügen.

Faymann: I versteh net, warum immer i an allem Schuld bin. I mach do gar nix.
Häupl: Vielleicht solltest du amoi drüber nachdenken, ob diese beiden Sätze net irgendeinen Bezug zueinander ham.
Faymann: Außerdem is des a Landtagswahl. So wie in der Steiermark und im Burgenland a. Des hat mit dem Bund nix zum tun.
Häupl: Ja. Aber nur, wenn’s a Erfolg wird.
Faymann: Mei Wahl war vor eineinhalb Jahr. Und i hab gwonnen, scho vergessen?
Häupl: Ja.
Faymann: Ja was?
Häupl: Ja, scho vergessen. Und net nur i, fürcht i.
Faymann: Was soll i denn bitte machen? Soll i dem Mitterlehner sagen: So. Und jetzt halt i so lang die Luft an, bis du der Vermögenssteuer zustimmst?
Häupl: An Versuch warat’s wert.

Faymann: Du hast leicht reden mit deinem Koalitionspartner …
Häupl: … der ma Minimum fünf Prozent kostet, einfach, weil i eam hab.
Faymann: Net, dass di wer dazu zwungen hätt, oder? Den Schiefer hast dir ganz allan einzogen.
Häupl: Mit den Schwarzen warat’s leichter gwesen, zugegeben. Bis auf des, dass mir die Marek vor lauter Dankbarkeit jeden Tag den Schleiertanz gmacht hätt.
Faymann: Glaubst eigentlich, es liegt an uns persönlich?
Häupl: Was?
Faymann: Na, der Sinkflug, den ma hinlegen.
Häupl: Niemals!
Faymann: Also dann stimmt’s, was alle sagen: Die Sozial-
demokratie weiß einfach nimmer, wofür sie stehen soll. Mir san programmatisch völlig ausgeblutet.
Häupl: Na ja, drum mach ma ja jetzt „Back to the Roots“. Und rücken nach links.
Faymann: Ja, aber face it: A Tsipras und a Varoufakis wird aus uns zwa nimmer.

Häupl: Des kummt drauf an. Wenn si Wien zum Beispiel noch a paar Jahr aus der Krise hinausinvestiert, samma a Neger.
Faymann: Heast! Des sagt ma net!
Häupl: Geh bitte, lass mi anglahnt! Endlich amoi hab i ka grüne Moralpolizei neben mir, und dann kummst du daher!
Faymann: Hast du eigentlich scho a Idee, wer dei Nachfolger wird?
Häupl: Na ja. Der Schieder?
Faymann: Aber der wird doch scho meiner!
Häupl: I hab ma denkt, deiner wird der Kern.
Faymann: Der kann des do net.
Häupl: Und wenn des so a Universalgenie wie die Dorli sagt, dann muss es ja wohl stimmen. Was is mit dem Hundstorfer Rudl?
Faymann: Der wird Präse.

Häupl: Na guat. Dann nimm i halt den Wohnbaustadtrat.
Faymann: Hervorragende Wahl. Aus dem Ressort is scho viel Gutes gekommen! Aber der is doch net für Rot-Grün.
Häupl: Dann wird er si halt den Schleiertanz vom Juraczka anschauen müssen. Nimmer mei Bier.
Faymann: Wobei i de Periode scho no gern fertig machert.
Häupl: Weil du no wichtige Weichenstellungen für das Land vornehmen willst?
Faymann: Weil i dann zehn Jahr Kanzler gwesen warat. Tät si einfach cool anhören.
Häupl: Ah so, ja. I hab kurz vergessen, mit wem i da red.
Faymann: Außerdem … du kannst einfach in Pension gehen – aber wo findert i jetzt auf die Schnelle an Job, der meinen Qualifikationen entspricht?
Häupl: Des wär net so a Problem. Im Personalleasingbereich suchen sie immer belastbare Mitarbeiter.
Faymann: Du warst immer scho a Herzerl.
Häupl: Freundschaft!

rainer.nikowitz@profil.at