<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Heulen nach Athen

Wenn man den Egon, den Ferdl und mich gefragt hätte, wäre ja die Geschichte mit den Griechen ganz anders gelaufen. Aber fragt uns wer?

Wenn wir so zusammensitzen beim Wirten, der Egon, der Ferdl und ich, dann retten wir immer die Welt. Weil erstens tut es ja sonst keiner, und zweitens ist im Fernsehen eh nix Gscheites.

Man muss aber schon sagen: Es ist wirklich eine undankbare Hackn. Und sie wird immer schwieriger.

Nehmen wir nur einmal die Griechen. Das muss man sich einmal einteilen: Die haben noch mehr Schulden als die Kärntner! Und wer peckt das wieder alles? Na klar: der Egon, der Ferdl und ich. Und da kann man echt nur sagen: Na, na und noch mal na, Mouskouri!

Der Egon meint, man sollte den Griechen nicht nur den Euro wegnehmen, sondern sie überhaupt gleich aus der EU ausschließen. Weil, wohin soll das schon groß führen, wenn ein ganzes Land keine Ahnung vom richtigen Alphabet hat und immer noch in Hieroglyphen rechnet? In den Abgrund, ganz klar.

Außerdem findet es der Egon extrem unsolidarisch, dass die Griechen unbedingt den Analverkehr erfinden mussten – wo doch seine Frau so überhaupt nicht drauf steht. Also brauchen sie ihm jetzt umgekehrt wirklich nicht mit ihrem Geschwafel von gesamteuropäischer Solidarität und so kommen.

Der Ferdl wiederum sieht das Ganze eher von der kulinarischen Seite, weil der Ferdl ist ein großer Gourmand. Der kann dir genau sagen, in welchem Schnitzlplatzl in ganz Favoriten die Panier am knusprigsten ist. Na ja, und von dem her, sagt der Ferdl, wer zur europäischen Esskultur nur lauwarmen Gatsch in zwei Zentimeter Olivenöl beigesteuert hat und einen Wein, der schmeckt wie das Lulu vom Herkules – der Herkules ist der Rottweiler vom Ferdl, und der war einmal nierenkrank, und der Ferdl wollte damals nach der Diagnose vom Tierarzt eine zweite Meinung einholen, nämlich seine eigene, und seitdem weiß er halt, wie das …, na egal – und in dem dann auch noch die paar Kiefern ausgekocht werden, die nicht alljährlich traditionellerweise für Bauland abgefackelt werden, der hat es auf gar keinen Fall verdient, von uns erhalten zu werden.

Und dem Udo Jürgens, sagt der Ferdl dann verächtlich, dem sollte man seinen Orden schon allein deswegen wieder wegnehmen, weil er damals so gut vom „Griechischen Wein“ gesungen hat. Aber wegen allem anderen natürlich eh auch.

Allerdings, hat der Egon dann letztens gemeint, eines müsse man schon sagen: Immerhin hätten die Griechen doch damals die Philosophie und die Demokratie erfunden. Der Dodekanes, der Demestica, der Taramasalata und wie sie alle geheißen haben. Da hab ich den Egon aber dann schon fragen müssen, ob er wo angerennt ist. Die Demokratie? Was soll denn das bitte für ein Argument sein – in Österreich? Und die Philosophie, was bringt uns die? Einen Haufen Langhaarige, die den Dreck studieren – auf Kosten vom Egon, vom Ferdl und von mir.

Und außerdem sage ich: Wäret den Anfängen! Wenn wir heute die Griechen einfach so rausreißen, stehen morgen zwölf Portugieser vor meiner Tür, jaulen mir einen todlangweiligen Fado vor und halten dann die Hand auf. Und übermorgen kommen die spanischen Negeranten, tranchieren den nächstbesten Stier und wollen dann mit meiner Marie die Gage vom Cristiano Ronaldo zahlen.

Es ist halt mit diesen ganzen Südländern immer wieder dasselbe Problem: Die haben nun einmal die Arbeit nicht erfunden. Immer, wenn ich mir meinen Notstand abholen geh, komm ich bei einer Riesenbaustelle vorbei. Da rennen ja genug so Schwarzhaarige herum. Und ich hab mich einmal drei Stunden hingestellt und mir das wirklich ganz genau angeschaut: Glauben Sie, auch nur ein Einziger von denen trägt irgendwann mehr als einen Zementsack auf einmal? Nie im Leben.

Wo wären wir denn, wenn wir das nach dem Krieg so gemacht hätten? Wie hätten wir denn unser Land so schnell wieder auf Vordermann gebracht, wenn nicht durch unseren Fleiß? Nichts haben wir ja gehabt, gar nichts. Ich bin Jahrgang ’57 und kann mich noch genau erinnern: Schwarz-Weiß-Fernsehen, ein Käfer ohne Klimaanlage. Es war schon eine harte Zeit. Aber das will ja heute keiner mehr hören.

Der Egon sagt, er sieht überhaupt nicht ein, dass wir wegen den Griechen und dann vielleicht auch noch den Portugiesern jetzt bei unseren Leuten sparen sollen. Und dass sie ihn dann vielleicht erst mit 56 in die Frühpension gehen lassen, nur damit sie in Athen die Angora neu pflastern können. Gut, der Egon hat eh gute Karten mit seinem Burn-out-Syndrom, das er sich zugezogen hat, wie er als Postler eine Woche bei der Polizei gehackelt hat. Aber es hat ja nicht jeder so ein Glück.

Der Ferdl wird dann immer ganz nachdenklich und meint, es ist ja schon ein Wahnsinn, dass unsere Politiker nicht mehr auf das Volk hören. Und einfach so auf den gesunden Hausverstand verzichten. Dann kriegen wir immer einen ziemlichen Zorn und gehen heim. Und dann, was passiert dann bitte? Dann ist im Fernsehen wieder nichts Gscheites. Also treffen wir uns morgen wieder beim Wirten. Der Egon, der Ferdl und ich.

rainer.nikowitz@profil.at