<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
History Channel

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Am 27. September 2012 wurde Weltgeschichte geschrieben. Und jetzt raten Sie einmal, wo.

Brüssel. Die EU-Kommission entscheidet sich am 27. September zu einem dramatischen Schritt – den Insider allerdings schon längst erwartet haben: Sie bringt Griechenland vor Gericht. Und warum sonst, wenn nicht wegen der Unechten Karettschildkröte. Eine auf der Insel Zakynthos betriebene Mülldeponie verstößt nach Ansicht der Kommission gegen europäisches Recht, weil sie das Tier – das sich bekanntlich von der Echten Karettschildkröte durch einen dickeren Kopf mit mächtigeren Kiefern und fünf anstatt vier Paar Rippenschilde unterscheidet – bei der Eiablage behindere. Nach Bekanntwerden dieser Entscheidung wird in Griechenland selbstverständlich ein Generalstreik ausgerufen.

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Berlin. Bei der Vorstellung seiner Hundekollektion „Glööckler Dog Couture by Karlie“ stellt der Designer Harald Glööckler eindrucksvoll unter Beweis, dass auch Vierbeiner extravagant auftreten können. Hundemodels führen Accessoires wie strassbesetzte Halsbänder, Leinen, Spielzeug und Näpfe vor, die in keinem gut sortierten Haushalt fehlen sollten. Die Inspiration zu diesem längst fälligen Coup stammt übrigens von niemand Geringerem als „Billy King“, Glööcklers Papillon-Zwergspaniel, der das starke Medieninteresse dazu nützt, sich in einem sehr persönlichen Statement mit der Unechten Karettschildkröte zu solidarisieren.

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Los Angeles. Hollywood-Schauspielerin Jennifer Garner beendet das monatelange weltweite Rätselraten – und erklärt ihre Familienplanung für abgeschlossen. Sie wolle nicht mehr als die drei Kinder, die sie schon habe, so Garner in einem aufsehenerregenden Fernsehinterview. Allerdings deutet die Aktrice an, dass es trotzdem passieren könne, dass sie und ihr Mann und Kollege, Ben Affleck, noch einmal Eltern würden. „Man muss meinen Ehemann ja nur anschauen: Er ist vom Typ ‚Wunder-Sperma‘.“

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Wien. Die Tageszeitung „Österreich“ lässt ihre zahllosen nicht zahlenden Fans in völliger Ratlosigkeit zurück: In der Ausgabe vom 27. September sind die Worte „Karina“ sowie „Sarkissova“ selbst nach mehrmaligem Durchblättern nicht und nicht zu entdecken. Herausgeber Wolfgang Fellner entschuldigt sich nach wüsten Protesten für diesen in der Historie des Blatts einmaligen Fauxpas und schenkt der gekränkten österreichischen Paris Hilton ein auf Initiative von Medienstaatssekretär Josef Ostermayer von der Asfinag bezahltes, strassbesetztes Halsband aus der neuesten Glööckler-Kollektion – sowie ein „Meet & Greet“ mit Ben Affleck.

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Panama. Die Polizei nimmt am Flughafen von Panama-Stadt einen Mann fest, der 60.000 Dollar in seinem Magen hat. Die 95 Päckchen mit den komprimierten Geldscheinen werden anschließend in einem Krankenhaus zutage gefördert – wie genau, lesen Sie morgen exklusiv in „Österreich“. Erste Mutmaßungen, es handle sich bei dem Festgenommenen um den Abgeordneten zum Nationalrat Erich Tadler, bestätigen sich glücklicherweise nicht. Im Gegensatz zu seiner Verhaftung während der Fußball-EM in Warschau, als seine verzweifelten Bemühungen, die von unbekannten Tätern mit den Farben der deutschen Fahne beschmierte Löwenstatue vor dem polnischen Präsidentenpalast wieder zu reinigen, von der Polizei gröblichst missverstanden wurden, hat er diesmal ein wasserdichtes Alibi (siehe unten).

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Ebreichsdorf. Frank Stronach löst endgültig Laura Rudas als jüngste Polithoffnung Österreichs ab. Er stellt sein „Team Stronach“ vor – wobei die Betonung hiebei zumindest nicht exzessiv auf „Team“ liegt – und verspricht dabei, sich künftig sogar den Namen Erich Tadler zu merken, da dieser immerhin einer der hoffnungsvollsten der bisher von ihm erstandenen Mandatare sei.
Die von dem bescheidenen ehemaligen Tellerwäscher angekündigte Schreibung von Weltgeschichte findet – trotz der, wie weiter oben ersichtlich, wahnsinnig dichten Nachrichtenlage an diesem Tag – tatsächlich statt, allerdings weniger aufgrund des durchdachten Parteiprogramms, als vielmehr durch eine ungeheuerliche Attacke gegen den beliebtesten Landeshauptmann der Welt: Stronach bezeichnet Erwin Pröll, den Mann, der für das Viertel unter dem Manhartsberg so viel geleistet hat wie neben ihm nur noch Hans-Georg Brandmeier, der Erfinder des Kreisverkehrs, und der sein mit jenem von Stronach durchaus vergleichbares Selbstbewusstein immerhin glanzvollen Wahlsiegen gegen Kaliber wie Ernst Höger oder Heidemaria Onodi verdankt, als „größten Schmähtandler überhaupt“.
Als Barack Obama davon hört, fällt unbestätigten Berichten zufolge der Ausdruck „bloody hell“. Wladimir Putin wiederum drückt beim Abspielen seiner „Pussy Riot“-CD auf die Pause-Taste und geht kurz in sich. Und die chinesische Regierung verlangt ultimativ von Google, den Suchbegriff „Erwin Pröll“ für das ganze Land zu sperren.

Ja. Frank Stronach hat es also wirklich geschafft, dass die Welt den Atem anhält. Und sie tut es bis heute. Langsam wird sie schon ein bisschen blau im Gesicht.

rainer.nikowitz@profil.at

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