Rainer Nikowitz: Höhere Logik

Rainer Nikowitz: Höhere Logik

Der deutsche Innenminister Thomas de Maizière äußerte vergangene Woche leicht widersprüchliche Asyl-Wünsche in Richtung Österreich. Aber hier im nie geführten Interview wird alles restlos aufgeklärt.

profil: Herr Minister, Sie haben im neuen Schurkenstaat Österreich für etwas Verwirrung gesorgt.
De Maizière: Das verbuche ich schon mal als Erfolg. Normalerweise gelingt mir das nämlich nur in Deutschland.

profil: Konkret ging es vor allem um Ihre Aussage, dass Österreich einerseits keine Flüchtlingsobergrenze einführen, andererseits aber auch nicht pro Tag 3200 Flüchtlinge, die nach Deutschland wollen, durchreisen lassen dürfe -weil das nämlich zu viele seien. Können Sie mir erklären, wie das zusammenpasst?
De Maizière: Das könnte ich natürlich. Aber ein Teil meiner Antwort würde die Bevölkerung verunsichern.

profil: Nun ja. Ich denke, das fällt unter "G'hupft wie g'hatscht".
De Maizière: Das verstehe ich jetzt nicht. Aber es klingt irgendwie nach einem neuerlichen Affront.

profil: Entschuldigung, mein Fehler. Das bedeutet in etwa: Auch schon egal. Noch mehr Verunsicherung, als eh schon da ist, werden selbst Sie kaum mehr hinbekommen.
De Maizière: Es ist doch wohl klar wie Kloßbrühe, was ich gemeint habe! Logik ist nicht gerade die Stärke von euch Schluchtenscheißern, was?

profil: Wir werden es schon verstehen. Wir schaffen das!
De Maizière: Also, nochmal zum Mitschreiben: Österreich kann nicht einfach eine Obergrenze festlegen. Deutschland macht das ja auch nicht.

profil: Wobei Ihnen 3200 pro Tag aber jedenfalls zu viele sind.
De Maizière: Deutlich zu viele! Das Durchwinken muss ein Ende haben.

profil: Das bedeutet aber dann doch, wir müssen sie spätestens an unserer Grenze aufhalten.
De Maizière: Sind Sie des Wahnsinns? Das ist ein vollkommen inakzeptabler Alleingang, der jegliche europäische Solidarität vermissen lässt!

profil: Dann wiederum ist also die letzte Konsequenz aus Ihren Aussagen: Österreich muss alle reinlassen -und darf keinen rauslassen.
De Maizière: Wie kommen Sie denn darauf?

profil: Ich fürchte, ich habe da wirklich ein logisches Problem.
De Maizière: Es ist eben offenbar nicht jedem gegeben Ich meine, worüber diskutieren wir hier als Nächstes endlos herum? Darüber, dass Rechtecke gar nicht rund sind?

profil: Äh... Na ja, die Verwendung des Begriffs "Ecke" würde eigentlich darauf hindeuten, dass...
De Maizière: Oder darüber, dass um Mitternacht die Sonne über Berlin gar nicht im Zenit steht?

profil: Nein, Sie haben Recht. Darüber sollten wir vielleicht tatsächlich lieber nicht diskutieren.
De Maizière: Wenn ich das mal meiner Kanzlerin erzähle. Die wird auch fassungslos sein.

profil: Das soll ja durchaus ein Gefühl sein, das sich rund um Sie herum zusehends öfter ereignet.
De Maizière: Wir verstehen auch diese Kehrtwende von eurem Faymann überhaupt nicht. Wir waren uns so sicher, dass er unsere Politik mitträgt! Erst unlängst habe ich zu Angela gesagt, weißt du, hab ich gesagt, es ist einfach furchtbar, wenn so eine Gewissheit zerbricht, die man immer hatte.

profil: Ja. Das muss schlimm sein.
De Maizière: Ich meine, das war so ähnlich, als würde plötzlich in der Zeitung stehen: Nashörner können gar nicht fliegen.

profil: Weil sie zu schwer sind.
De Maizière: Oder noch unlogischer: Weil sie keine Flügel haben!

profil: Wann waren Sie eigentlich das letzte Mal in einem Zoo?
De Maizière: Da geh ich nicht hin. Wenn ich Zäune sehen will, fahr ich hinunter zu euch. Nach Spülfeld.

profil: Spiel.
De Maizière: Ja, das scheint ihr Ösis offensichtlich zu glauben. Aber es ist mein bitterer Ernst!

profil: Das befürchte ich auch. Aber, sagen Sie: Was wird Deutschland eigentlich tun, wenn die von Ihnen angestrebte Lösung mit der Türkei doch nicht funktionieren sollte? Was ja in Kenntnis der Person Erdogan natürlich sehr weit hergeholt ist.
De Maizière: Allerdings. Genauso gut könnten Sie mich jetzt fragen, was Deutschland zu unternehmen gedenkt, wenn das Gras aufhört, von oben nach unten zu wachsen.

profil: Eh. Aber trotzdem: Was wäre, wenn?
De Maizière: Das Problem kann jedenfalls sicher nicht auf dem Rücken eines Landes ausgetragen werden.

profil: Österreichs?
De Maizière: Griechenlands!

profil: Warum darf eigentlich noch einmal Griechenland durchwinken und Österreich nicht?
De Maizière: Was für eine dumme Frage! Warum wird das Meer am Horizont nicht zum Wasserfall, wo doch die Erde eine Scheibe ist?

profil: Ich fürchte, ich kann Ihnen leider schon wieder nicht ganz folgen.
De Maizière: Es hat offensichtlich überhaupt keinen Sinn, Ihnen etwas erklären zu wollen. Ich gehe jetzt. Kellner! Zahlen, bitte! Wie viel bekomme ich von Ihnen?

rainer.nikowitz@profil.at