<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Il buffo

Silvio Berlusconi hat Probleme mit der Staatsanwaltschaft, weil er angeblich mit minderjährigen Prostituierten näheren Kontakt pflegte. Ein Gespräch über Frauen, Kommunismus – und Frauen.

Berlusconi: Es gibt jetzt zwei Möglichkeiten: Entweder dieser Moment ist für Sie der größte Ihres Lebens – oder Sie sind Kommunist.

profil: Äh, zuerst einmal: Guten Tag!
Berlusconi: Verdammt. Ein Kommunist. Das heißt wohl, ich kann die Fragen, die ich für mich vorbereitet habe, wieder einstecken. Schade. Da waren so schöne dabei.

profil: Welche denn zum Beispiel?
Berlusconi: Sind Sie eigentlich als Unternehmer, als Politiker oder als Liebhaber am hervorragendsten?

profil: Schwierige Frage. Und die Antwort?
Berlusconi: Genauso gut könnten Sie Superman fragen, ob er besser fliegen oder den Signorinas mit seinem Röntgenblick unter den Rock schauen kann!

profil: Sie haben ja auch einmal gesagt, Sie seien quasi Superman.
Berlusconi: Ich verrate Ihnen jetzt ein Geheimnis: Ich kann nicht fliegen.

profil: Ich werde diese Information vertraulich behandeln.
Berlusconi: Tatsächlich? Sie sollten Staatsanwalt in Italien werden.

profil: Bei diesem Stichwort drängt sich die Frage auf: Hatten Sie nun Sex mit Prostituierten?
Berlusconi: Mal ehrlich: Sehe ich so aus, als müsste ich für Sex bezahlen?

profil: Sie meinen, mit Ihren implantierten Haaren, dem gelifteten Gesicht und der Botox-Produktion eines Kleinstaates in der Stirn?
Berlusconi: Ja! Ist alles toll geworden, oder? Manchmal stehe ich vor dem Spiegel und denke mir: „Ich könnte mich glatt in mich verlieben – wenn ich es nicht schon wäre!“

profil: Klar. Sie sind ja auch nur ein Mensch.
Berlusconi: So weit würde ich nun wieder nicht gehen. Aber was soll ich denn machen, wenn mir all diese jungen Frauen nachlaufen? Sie mögen ja sech …, äh, fünfzig Jahre jünger sein als ich – aber dürfen sie deshalb keinen exquisiten Geschmack haben?

profil: Und wie ist es mit Minderjährigen, die völlig fälschlicherweise der Prostitution bezichtigt werden? Mit „Ruby der Herzensbrecherin“ zum Beispiel?
Berlusconi: Ich bin wie ein Vater für all diese Mädchen! Wenn sie so völlig verloren dastehen, in die kalte Welt gestoßen mit ihren künstlichen Finger­nägeln, den Haar-Extensions – und erst ihren unschuldigen Silikonbrüsten! Wer kümmert sich denn sonst um sie? Die Kirche vielleicht?

profil: Die kümmert sich eher um Sie: Der Vatikan hat sich besorgt über Ihren Lebenswandel und Ihre Vorbildwirkung gezeigt.
Berlusconi: Daran kann man sehen, wohin die Kommunisten schon überall vorgedrungen sind!

profil: Warum, glauben Sie, hat es damals gegen die schwarz-blaue Regierung in Österreich Sanktionen gegeben, aber nie gegen Sie?
Berlusconi: Ich habe Schüssel schon damals gesagt: „Vergiss bei Staatsbesuchen das Gebrüll in der Oper und das Gehopse von diesen doofen Lipizzanern – besorg dir lieber ein paar Mädchen!“

profil: Stimmt es, dass Sie auch bei einem Treffen mit Wladimir Putin zehn Mädchen bestellt haben?
Berlusconi: Putin ist eben nicht nur ein ebenso lupenreiner Demokrat wie ich, sondern auch ein richtiger Mann. Keine Schwuchtel wie dieser Deutsche.

profil: Sie meinen Westerwelle.
Berlusconi: Was, der auch? Ich wusste es nur von Merkel.

profil: Lassen Sie uns über etwas anderes sprechen.
Berlusconi: Da bin ich auch sehr dafür.

profil: Italien wird immer wieder als ein Land genannt, dem es ähnlich wie Griechenland oder Irland ergehen könnte. Schließen Sie aus, dass Sie irgendwann einmal EU-Finanzhilfe benötigen?
Berlusconi: Gut. Ich konnte ja nicht ahnen, dass Sie gleich mit so einem langweiligen Thema daherkommen. Reden wir doch wieder über Frauen.

profil: Was halten Sie vom ungarischen Mediengesetz?
Berlusconi: Ah ja. Schon besser. Ich meine, man sollte sich dieses Gesetz einmal in Ruhe genau ansehen.

profil: Und erst dann sollte die EU eingreifen?
Berlusconi: Wenn man draufkommt, dass da wirklich all das drinsteht, was behauptet wurde – dann muss man es selbstverständlich kopieren!

profil: Also ist Viktor Orban ein Gewinn für Europa.
Berlusconi: Unbedingt! Ich muss ihn demnächst einmal einladen. Zu einem informellen Treffen. Der ist sicher auch keine Schwuchtel.

profil: Wo sehen Sie Europa in zehn Jahren?
Berlusconi: Nun, ich will jetzt nicht zu optimistisch klingen, aber die wirtschaftliche Situation ist mies, die Fremdenfeindlichkeit und der Zulauf zu Rechtsaußenparteien steigen – ich ­würde also sagen, das sieht durchaus vielversprechend aus!

profil: Finden Sie.
Berlusconi: Ja! Jetzt noch ein paar Mädchen dazu – und fertig!

rainer.nikowitz@profil.at