<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
In besten Händen

Kommenden Sonntag wird beim EU-Sondergipfel die Welt gerettet. Und zwar endgültig. Echt jetzt.

Sarkozy: Mais non! C’est impossible!
Berlusconi: Aber wenn ich es dir doch sage!

Sarkozy: Gut, wenn du jetzt gesagt hättest vier. Oder von mir aus auch sechs. Aber acht 18-Jährige in einer Nacht?
Berlusconi: Und wenn ich am nächsten Morgen nicht meine 51. Vertrauensabstimmung gehabt hätte, ich schwöre dir: Dann hätte ich den anderen drei auch noch gezeigt, wo der Hammer hängt!

Merkel: Meine Herren, können wir dann?
Sarkozy: Gott, die Spaßbremse schon wieder.

Berlusconi: Andschela, du weißt doch: Ich kann immer!
Papandreou: Könnten wir uns bitte endlich wichtigeren Themen zuwenden?

Berlusconi: Wer hat dich denn gefragt? So viele Schulden wie du hab ich noch lang.
Merkel: Wir sollten jetzt einmal abklären, wie wir nach dem Schuldenschnitt für Griechenland die Banken rekapitalisieren. Irgendwelche Ideen?

Faymann: Also, ich hätt mir gedacht …
Merkel: Okay. Danke. Noch welche?

Sarkozy: Nachdem es dabei hauptsächlich um französische Banken geht, erinnere ich an die EU als größtes Friedensprojekt, appelliere an die gesamteuropäische Solidarität … und die ganzen anderen vor hohlem Pathos triefenden Phrasen erspar ich euch, weil es hört uns sowieso keiner zu. Also stelle ich ohne weitere Umschweife den Antrag, dass ihr zahlt.
Berlusconi: Wer genau wäre jetzt „ihr“?

Sarkozy: Na, die Deutschen.
Berlusconi: Brillante Idee! Ich bin dafür.

Sarkozy: Na also! Schön, dass das geklärt ist. Aber jetzt sag einmal, Silvio: Bist du da bei der sechsten, siebenten nicht schon ganz schön …
Merkel: Den Teufel werd ich tun! Meine Wähler zu Hause hauen mir die Hucke voll!

Sarkozy: Aber Angela! Ehrlich jetzt: besser deine als meine. Schau: Ich habe nächstes Jahr Wahl. Und wenn ich meine Banken jetzt selbst raushaue, ist mein Triple A weg. Und ohne mein Triple A fühl ich mich so … klein.
Barroso: Nun ja. Du bist ja auch …

Sarkozy: Wage es ja nicht, du, du … du größter lebender fauler Kompromiss!
Barroso: Moooment! Was ist mit Van Rompuy?

Berlusconi: Wer ist jetzt das wieder?
Faymann: Ich wollte nur anmerken, dass …

Merkel: Ich darf um ein wenig Disziplin in der Diskussion bitten, Herr Kollege! Sonst wollen demnächst die Slowaken auch noch mitreden.
Berlusconi: Die Slowaken, haha! Haben die überhaupt Schulden?

Barroso: Wir müssen unbedingt die Ansteckung der anderen verhindern. Portugal, Spanien, Italien …
Berlusconi: Glaube mir, mein Freund: Ich habe mich in meinem Leben schon so oft angesteckt, mir macht das keine Angst.

Merkel: Aber wenn Italien fällt, fällt auch der Euro, Mensch!
Berlusconi: Na und? Meine Tischdamen nehmen sicher auch Dollar.

Sarkozy: Wo sind übrigens der Spanier und der Portugiese?
Barroso: Die sitzen draußen am Gang auf dem Holländer und erzählen ihm was von Friedensprojekt und Solidarität und so.

Papandreou: Also wie ist es nun? Krieg ich jetzt die nächste Rate? Oder brauch ich gar nicht mehr heimzufahren?
Merkel: In diesen Sauhaufen von Land würd ich so oder so nicht mehr fahren. Streikt eigentlich gerade irgendwer nicht bei euch?

Faymann: Ha! Letztens ist in der „Heute“ gestanden, dass …
Sarkozy: Ist der da vielleicht dieser Van Rompuy?

Berlusconi: Keine Ahnung. Aber ich regiere ja auch nur nebenberuflich.
Barroso: Was sagen eigentlich die Briten?
Cameron: Wir? Ich darf daran erinnern, dass wir nicht den Euro haben.
Merkel: Na toll. Sonst noch was?

Cameron: Ja. Der Ärmelkanal ist eindeutig zu schmal.
Sarkozy: Jetzt wissen wir immer noch nicht, wer für meine Banken zahlt.
Papandreou: Eines kann ich mit absoluter Gewissheit sagen: ich nicht.

Sarkozy: 200 Milliarden zu verbraten und am Ende immer noch eine dermaßen erbärmliche Küche zu haben – das muss euch erst einmal jemand nachmachen.
Berlusconi: Apropos: Wohin gehen wir nachher essen?

Merkel: Wir müssen die Weltwirtschaft retten, Mensch!
Berlusconi: Jetzt sagt sie schon wieder Mensch zu mir. Muss ich mir das gefallen lassen?

Faymann: Ich würde ja sagen, dass …
Sarkozy: Das kann nicht Van Rompuy sein. Der redet zu viel.

Merkel: Die Märkte brauchen ein starkes und entschlossenes Zeichen! Sonst stürzen morgen wieder die blöden Börsen ab.
Barroso: Ich würde ein Communiqué vorschlagen.

Sarkozy: Ein Communiqué ist immer super.
Berlusconi: Ja! So à la: Wir brauchen den Euro, und wir werden ihn mit aller Entschlossenheit verteidigen und … überhaupt. Van Rompuy! Schreib du das doch zusammen.

Faymann: Aber ich bin doch gar nicht …
Papandreou: Und meine acht Milliarden?
Merkel: Na gut. Aber dafür zahlst du das Essen!

rainer.nikowitz@profil.at