Rainer Nikowitz: Innenverteidigung

Rainer Nikowitz: Innenverteidigung

Trotz der haltlosen Kritik der Jagdgesellschaft ist man in der FPÖ wild entschlossen, die erfolgreiche Regierungsarbeit unverändert durchzuziehen.

Kickl (am Telefon) : Wos heißt, dos geht nit? Die Fotos vom Kunasek Mario sein Generalsekretär miassn ja ab jetzt a in alle Kasernen hängen. Also wo bitte is dos Problem, wenn a Foto von mein Schäfer in alle Polizeidienststellen hängt? Der is sogar quasi no prominenter als der Generalsekretär. Weil von der Seitn hat er a ziemliche Ähnlichkeit mit dem Kommissar Rex. Also, umsetzen bitteschön. Und zwar pronto! Die Zeiten des politischen Stillstands san nämlich endgültig vorbei. (legt auf)
Moser: … und darum war sehr wohl Gefahr im Verzug bei dieser rechtswidrig unterbliebenen Löschung, weil wenn hier nicht amtlicherseits – und, wie ich, natürlich ohne der Untersuchung durch die bekanntlich unabhängige Justiz vorgreifen zu wollen, betonen möchte, vollkommen und ohne jeden Zweifel rechtmäßig, denn der Anschein, wenn ein solcher bestehen sollte oder könnte, ist ja von Haus aus nicht vorliegend – eingegriffen worden wäre, dann wäre die unterbliebene Löschung möglicherweise noch per Fernzugriff erfolgt – meine Experten, die alle Internet können, haben mir bestätigt, dass eine solch perfide Tathandlung heutzutage tatsächlich schon im Bereich des technisch Machbaren liegt – und nach erfolgter Löschung wäre es natürlich schwierig gewesen, die Beweisführung zu beweisen, dass sie unterblieben ist. So makellos schön und perfekt, wie diese ganze Sache abgelaufen ist, war sie ­sicherlich und durchaus, wenn nicht sogar. Mit einem Wort: ausgesprochen rechtsfreundlich. Also bitte recht freundlich!
Kickl: Hä?
Moser: I üb für mei nächstes, keine Fragen offen lassendes Interview.
Kickl: Aha. Da muss i jetzt sagen: Obwohl i mi in der Gschicht ganz guat auskenn, weil i schließlich dem Drehbuchschreiber jeden Tag die Zähnd putz, hab jetzt nit amol i a Wort verstanden.
Moser: Echt net? Gott sei Dank! Weißt, wie lang i mi mit dem Text scho herumplag? Und jetzt sitzt er endlich so, wie er soll.
Hofer: Und wie tu ma jetzt weiter?
Kickl: Beim BVT? Na, wie scho: Business as usual. Alles abstreiten und die verfolgte Unschuld spielen.
Hofer: Des weiß i. I bin net erst seit gestern in der am ungerechtesten behandelten Partei weltweit. I hab gmeint: Wie mach ma weiter mit unserer Politik für die Menschen?
Kickl: Was warat jetzt dos?
Hofer: Mit unserer Politik für unsere Menschen, die wir auf geile Jobs setzen, mein i. Weil des wird jetzt net grad einfacher werden, wo du di so ungschickt angstellt hast.
Kickl: Jetzt fangst du a no an?
Hofer: I hab fürs Umfärben jedenfalls ka Prätorianergarde braucht.
Moser: Der Einsatz der EGS war keineswegs unangemessen oder gar überzogen, man muss vielmehr sagen, dass, hätten wir nicht, dann wären wir erst recht wieder von allen – und noch darüber hinaus. Außerdem …
Kickl: Is ja scho guat! Entspann di!
Moser: Sorry. Wann i amoi im Beschwichtigungsmodus renn, dann kumm i immer so furchtbar schwer wieder auße.
Kickl: Norbert, dass du für die Ederer und de alle kan Wachkörper braucht hast, is jetzt aber ka Kunst. Außerdem hab i sogar no deeskaliert, wie i dem HC widersprochen hab von wegen „Staat im Staat“.
Hofer: Was? Des hat er gsagt über uns? Seit wann sagen wir des laut?
Kickl: Nit über uns! Übers BVT!
Hofer: Ah so! Wo is er eigentlich, der HC?
Kickl: Im Ausland.
Hofer: Republika Srpska oder Krim?
Kickl: Wien-Neubau. Mittagessen.
Hofer: Der traut si was.
Kickl: Ein Mann, der scho von so vielen Paintbällen getroffen worden is, hat vor nix mehr Angst.
Moser: Man muss auch keine Angst um den Rechtsstaat haben, wenn die Indizien dermaßen wasserdicht – und das ist jetzt keine Präjudizierung meiner Richter, maximal eine dringende Empfehlung auf der Basis hieb- und stichfester, sodass man die ganze Angelegenheit nach menschlichem Ermessen überhaupt nicht anders sehen kann als ich, weshalb man schon aus Budgetgründen die Untersuchung eigentlich gleich bleiben lassen könnte und …
Hofer: Josef, bitte! Ma kann’s a übertreiben. Außerdem find i’s zwar super, dass du uns so verteidigst – aber du bist do jetzt a Türkiser, oder?
Moser: Lustig. Der Kurz glaubt des a.
Hofer: Apropos kurz: Wisst’s, was überhaupt des Ärgste is?
Kickl: Was denn? Hat der Mann, der unter uns Kanzler-Avatar ist, am End irgendwas vermeldet?
Hofer: Na. So weit kommt’s no, heast! Aber es is so a schlimm genug.
Kickl: Jetzt sag scho!
Hofer: Es is scho vier Tag her, dass i des letzte Mal im Fernsehen war. Und da a nur ganz kurz!
Kickl: Es gibt noch viel zu tun.