<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Jessas, Maria!

Wenn die Finanzministerin nach – wie Werner Faymann sagen würde – Europa fährt, begegnet man ihr dort neuerdings mit noch mehr hart erarbeitetem Respekt.

Fekter: Jean-Claude, alte Haut! ­Servas! Alles senkrecht?

Juncker: Oh Gott!

Fekter: Aber geh! Wer wird denn gar so förmlich sein? Hehehe! Was machen die Nierensteine?

Juncker: Ich möchte das eigentlich nicht unbedingt besprechen. Nicht hier. Und noch weniger mit Ihnen.

Fekter: Aber geh! Jetzt zier dich halt nicht so! Wir sind ja unter uns. ­Waren wir ja beim letzten Mal auch, weißt noch? Hehe! Und wegen dem kleinen Lapsus, wie ich die Gschicht mit den 800 Milliarden ausgeplaudert hab, wirst ja hoffentlich nimmer angfressen sein. Also: Wie schaut’s aus? Tut’s noch weh beim Lulumachen?

Juncker: Äh …, bei was?

Fekter: Ah, sagts ihr des leicht nicht a so? Dabei hätt ich mir grad dacht, in ­Luluxemburg verstehts ihr des! Ha! Luluxemburg! Köstlich, oder?

Juncker: Fürwahr.

Fekter: „Fürwahr“, sagt er. Jetzt tu halt nicht so gspreizt! Mach’s doch so wie ich! Red ein bissl mehr, wie dir der Schnabel gewachsen ist. Des wollen die Leut. Bürgernähe, verstehst? Dann fressen sie auch jedes neue Rettungspaket. Egal, wie viele Trilliarden Euro von ihrem Geld da wieder drin sind.

Schäuble: Wenn Sie so genau wissen, was die Leute wollen, warum stehen Sie dann eigentlich vor der ­Ablöse als Finanzministerin?

Fekter: Ablöse? I? Der is leiwaund! Ich werde niemals nicht abgelöst, hast mi? Weil ich jetzt nämlich des Abkommen mit der Schweiz gecheckt hab. Und jetzt rollt der Rubel, und ich bin der Star der ÖVP!

Juncker: Sie? Ein Star?

Fekter: Ja! Die Lady Gaga praktisch!

Schäuble: Der Vergleich scheint mir gar nicht so weit hergeholt. Aber darf ich Sie daran erinnern, dass die EU es ohnehin lieber gehabt hätte, wenn ein gemeinsames ­Abkommen mit der Schweiz ausgehandelt worden wäre?

Fekter: Tja. Dazu kann ich nur ­sagen: Mir doch wurscht! Dann wär ich ja jetzt net die Lady Gaga.

Juncker: Oh doch, Gnädigste. Glauben Sie mir, das wären Sie.

Fekter: Und außerdem würden wir ja dann auch unsere Daten hergeben müssen. Und wenn’s nicht um die Vorratsdatenspeicherung geht, sind uns unsere Daten heilig. Und das Bankgeheimnis!

Schäuble: Aber das Bankgeheimnis nützt doch nur den Steuerhinterziehern. Wo ist denn da der Unterschied zur Schweiz?

Fekter: Das is ein riesengroßer Unterschied, Freund der Blasmusik. Ich werd’s dir in einfachen Worten erklären: Wenn das Schwarzgeld bei uns liegt, dann …, dann …, dann ist es nicht in der Schweiz. Des is der Unterschied.

Schäuble: Das verstehe, wer will.

Fekter: Was gibt’s da net zu verstehen? Ka Wunder, dass wir mit dem Euro so damisch dastehen, wenn der deutsche Finanzminister net amoi das kleine Einmaleins beherrscht, heast.

Juncker: Was bin ich froh, dass ich nur mehr zwei Monate Vorsitzender der Eurogruppe bin.

Fekter: Ah ja, da wollt i eh einmal diplomatisch nachfragen: Wie schaut’s denn da mit der Nachfolge aus? Warum nehmen wir net wen, der fachlich a Hammer is, eloquent wia nur was und a no super ausschaut? Also quasi: mich?

Schäuble: Bei aller Liebe, Frau Kol­legin …

Fekter: Liebe? I hab’s gwusst! Erscht unlängst bin i heimgflogen von ­einem von unseren unnötigen ­Treffen da in Brüssel, und dann hab i dem Spindelegger Michl gsagt: Du, hab i gsagt, i glaub, der Schäuble hat an Stand auf mi. Und Recht hab i ghabt! Man kann sagen, was man will, aber a sensible Frau spürt ­so was halt.

Juncker: Ich glaub, ich werd nicht mehr.

Fekter: Aber geh, hör auf! Sicher wirst du wieder! Wer wird denn so depressiv werden, wegen a paar Nierenstana! A so a Hypochonder, heast! Schau, wenn ma de zum ­Beispiel zertrümmert, dann wird des so eine Art Sand, und der geht dann beim Pieseln ab. Da wirst dann zwar kurz glauben, es zerreißt dir deinen Johannes, aber glaub mir: nix gegen eine Geburt! Da glaubst nämlich wirklich, es … Na, wurscht jetzt. Über des redets ihr Männer ja net gern. Aber jedenfalls, Jean-Claude, wenn des dann vorbei is, dann bist wieder wie neu, wirst sehen.

Schäuble: Wir hatten uns in diesem Kreis ja bereits darauf verständigt, dass der neue Vorsitzende aus einem Triple-A-Land kommen soll. Und da kommt ja Österreich wohl leider nicht mehr infrage.
Fekter: Aha. Na ja … Des is aber a Witz, dass wir des Triple-A jetzt mit unserem suprigen Sparpaket net wieder zurückkriegen, des weißt schon, oder?

Juncker: Uns ist die wahre Tragweite dieses so genannten Sparpakets sehr wohl bewusst.

Fekter: Na, schau. Ihr seids ja eh net so daneben, wie alle immer sagen. Also wie is des jetzt, Burschen? Wann wählen wir mich?

rainer.nikowitz@profil.at