<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Kastendenken

<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Kastendenken

Nach dem Hypo-Debakel mit möglicherweise 19 Milliarden Euro Schaden hat Österreich einen neuen Regierungssitz: die Tauchstation!

Spindelegger: Jetzt komm schon raus da.
Faymann: Nein.

Spindelegger: Sei net so feig! I hab mi a scho in die „ZiB 2“ traut.
Faymann: Is mir wurscht.

Spindelegger: In dem Kasten da drin wirst aber sicher net die Lösung für die Hypo finden.
Faymann: Aber sicher auch keinen Journalisten, der mi deppert danach fragt.

Spindelegger: Es gibt aber eine gute Nachricht.
Faymann: Unsere Umfragezahlen san nimmer einstellig? Wir san nimmer die unbeliebteste Regierung seit den roten Khmer?

Spindelegger: Na ja … Na, des net.
Faymann: Dann bleib i drin. Da hab i alles, was i brauch. Mei Ernennungsurkunde, de Handynummer vom ¬Ostermayer und den Ausschnitt aus „Vanity Fair“, wo drinsteht, dass i schöne Haar hab. Und vor allem: kein Volk. Des stört nur beim Regieren, des Volk.

Spindelegger: Der Fischer Heinzi hat gsagt, er gibt uns einen Vertrauensvorschuss.
Faymann: Scho wieder oder no immer? Also, is des no der Vertrauensvorschuss von der Neujahrsansprache – oder a neuer?

Spindelegger: A neuer, tät i sagen. Weil wir ja auch irgendwie neu san, hat er gmeint.
Faymann: Des is mir neu. Und es wird die öffentliche Meinung aber flugs zu unseren Gunsten wenden.

Spindelegger: I glaub, des glaubt er a.
Faymann: I schenk ihm zum Geburtstag a so an Kasten, wie i da hab. Da herinnen kriegt ma irgendwie a ganz andere Perspektive.

Spindelegger: Die wollen protestieren, beim nächsten Pressefoyer.
Faymann: Wer?

Spindelegger: Die Journalisten. Weil wir ihnen letzte Woche die Karmasin und die Heinisch-Hosek gschickt ham, statt dass ma über de Hypo berichtet hätten.
Faymann: Undankbare Gfraster! Inserate streichen! Allen!

Spindelegger: Äh … De, de si da aufregen, ham eh nie Inserate.
Faymann: Ah so? Na, da brauchen sa si net wundern, net wahr? I mein, i muss mi do net vor denen rechtfertigen.

Spindelegger: Eh net. Wegen 19 Milliarden? Wo komma denn da hin?
Faymann: Und wegen ana Bankenbeteiligung, de ma net zsammbracht ham? Lächerlich!

Spindelegger: Und wegen aner Bad Bank, de ma vor vier Jahren scho viel billiger ham hätten können? Und de ma nur deswegen net gmacht ham, weil ma des Budget schönrechnen wollten?
Faymann: Und wegen aner Notverstaatlichung, bei der ma’s gschafft ham, uns von den Bayern wie die ärgsten Amateure über den Tisch ziehen zu lassen?

Spindelegger: Und weil wir jetzt erst sagen, dass wir den Tatsachen ins Auge blicken müssen? Wann hätt ma eana denn sonst ins Auge blicken sollen? Vor der Wahl? Hallo?
Faymann: Und wegen … Jetzt fallt ma nix mehr ein. No irgendwas, wegen dem wir uns aber sicher net rechtfertigen müssen?

Spindelegger: Na ja … Wegen unserer Entscheidung, dass die Steuerzahler blechen müssen, und die, die Hypo-Anleihen ham, also Banken, Fonds, Versicherungen, kassieren.
Faymann: Ah so, ja! Natürlich. Der Gerechtigkeitsaspekt! Dafür hab i mi ja schließlich mein ganzes politisches Leben eingesetzt.

Spindelegger: Es kann doch bitte keiner erwarten, dass wir zu den Investoren gehen und sagen: Ja, hättet’s halt besser hingschaut, wem ihr da ein Geld gebt’s! Euer Pech!
Faymann: Na, da könnt ma uns vielleicht was anhören! De wären dann vielleicht so bös, dass sie uns nix mehr borgen. Des kann i vor meinen Wählern net verantworten. Da würd si ja jede sozialdemokratische Wirtschaftspolitik aufhören!

Spindelegger: Des versteht der kleine Mann sicher.
Faymann: Na ja … I muss scho zugeben, dass dem kleinen Mann manchmal des Verständnis für die großen Zusammenhänge a bissl abgeht. Und manchmal werd i a schon recht müde, sie ihm zu erklären. Drum sitz i ja in mein Kasten.

Spindelegger: Aber jetzt amoi unter uns: Des hamma wieder echt super hinbracht.
Faymann: Wie jetzt?

Spindelegger: Na ja, überleg amoi: Ein durchgeknallter blauer Landeshauptmann, der 20 Jahr lang der Erzfeind von unseren beiden Parteien war, produziert den wahrscheinlich größten Skandal der Nachkriegsgeschichte. Und wir schaffen’s sogar unter diesen Voraussetzungen, dass wir die Wuchtel volley übernehmen und im eigenen Kreuzeck versenken.
Faymann: Na ja. Muss ma a erst zsammbringen. Wobei des scho ungerecht is, dass jetzt alle wieder auf uns eindreschen. Wir san schließlich nur die Regierung. Was bitte erwarten si die Leut von uns?

Spindelegger: Am Montag is Sondersitzung im Parlament. De wollen an Untersuchungsausschuss und alles.
Faymann: Wenn i des scho hör! Was bitte soll da aussekumman?

Spindelegger: Dass wir …
Faymann: Dass wir …
Spindelegger: Geh, weißt was? Ruck umme!

rainer.nikowitz@profil.at