<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Krieg der Welten

Nachdem der ORF wieder einmal haltlos versagt und keine spannende Konfrontation der Bundespräsidentschaftskandidaten zusammenbringt, muss klarerweise profil eingreifen.

profil: Eigentlich wollten wir jetzt anfangen, aber Frau Rosenkranz hat Verspätung.
Fischer: Vielleicht sollte sie nicht immer im Rückwärtsgang fahren.
Rosenkranz: Das hab ich gehört!

profil: Frau Rosenkranz! Warum kommen Sie erst jetzt?
Rosenkranz: Zuerst hat mich ein menschenrechtswidriges Fahrverbotsgesetz behindert und dann dieser komische Vogel, der sich mit einem Rosenkranz beim Eingang angekettet hat.
Fischer: Mit Ihrem Mann? Freiwillig? Das muss der Küssel sein.

profil: Das ist nur der dritte Kandidat, Herr Gehring von den Christen. Er protestiert dagegen, dass er hier nicht mitdiskutieren darf. Wir werden uns gleich um ihn kümmern.
Rosenkranz: Nicht nötig. Das macht schon Thor.

profil: Ihr Lieblingsgott?
Rosenkranz: Mein Leibwächter.
Fischer: Können wir dann bitte endlich anfangen?
Rosenkranz: Haben Sie es so eilig? Wartet schon der nordkoreanische Diktator im Tratsch bei Gesichtsbuch?
Fischer: Muss ich das jetzt verstehen? Ist das wieder irgendein Code für Ihre Freunde?

profil: Frau Rosenkranz meint wohl: im Chat bei Facebook.
Fischer: Ah! Na ja, immerhin kann sie ja Englisch. Wahrscheinlich, damit sie der lokalen Bevölkerung Befehle erteilen kann, wenn London endlich gefallen ist.

profil: Darf ich kurz versuchen, das Gespräch in andere Bahnen zu lenken? Herr Bundespräsident, Ihr Amtsverständnis kennt man ja nun seit sechs Jahren. Welche Schwerpunkte würden Sie denn in den nächsten sechs Jahren setzen?
Fischer: Nun, ich würde vor allem einmal versuchen, die Einschaltquoten am Ende meiner Neujahrsansprachen gegenüber dem Anfang nur mehr zu halbieren, statt wie bisher zu vierteln.
Rosenkranz: Da haben wir schon einmal einen fundamentalen Unterschied: Ich würde überhaupt keine Neujahrsansprache halten.
Fischer: Warum nicht? Beginnt das germanische
neue Jahr an einem anderen Tag?
Rosenkranz: Weil bei mir der ORF sicherlich auch die Tonspur manipulieren würde – wie er es ja bereits vorexerziert hat.

profil: Sie meinen, man würde dann auch bei Ihnen kein „Sieg Heil!“ ­hören?
Rosenkranz: Dem Gutmenschen-Rotfunk ist alles zuzutrauen.
Fischer: Des Weiteren würde ich mich in den nächsten sechs Jahren ganz ­intensiv aus der Tagespolitik heraushalten.

profil: Ganz im Gegensatz zu den vergangenen sechs Jahren.
Fischer: Schauen Sie: Die Österreicher wünschen sich nun einmal einen diplomatischen Grüß-August in der Hofburg. Also sollen sie ihn haben.
Rosenkranz: Typisch. Kein Mut, keine Werte. Bei mir wär das ja völlig anders. Ich wäre eine aktive Bundespräsidentin. Ich würde mich da immer wieder betätigen.
Fischer: Das glaub ich Ihnen aufs Wort.
Rosenkranz: Ich hätte zum Beispiel diesen Schandvertrag von Lissabon nie und nimmer unterschrieben.

profil: Und dann? Wie sollte es denn dann Ihrer Meinung nach weiter­gehen?
Rosenkranz: Raus aus der EU und zurück zur Eigenständigkeit. Allenfalls könnte man noch eine engere Zusammenarbeit mit der Schweiz andenken. Eine Freizone.

profil: Freizone?
Rosenkranz: Ja. Eine Minarettfrei­zone.
Fischer: Man könnte es vielleicht auch Alpenfestung nennen.
Rosenkranz: Das fällt mir jetzt aber schon auf, dass Sie immer wieder an rechtsextremem Gedankengut anstreifen. Wie damals im Parlament.
Fischer: Das war doch damals nur eine Reaktion auf die Rede eines FPÖ-­Abgeordneten.
Rosenkranz: Aha. Also doch nur plumpe Anbiederung.

profil: Eine prinzipielle Frage: Wozu braucht Österreich eigentlich überhaupt das Amt des Bundespräsidenten?
Fischer: Weil …, ding, na so halt.
Rosenkranz: Auch hier unterscheiden wir uns grundsätzlich. Dieses Amt ist völlig überflüssig.

profil: Und warum soll dann irgendjemand Sie in dieses Amt wählen?
Fischer: Na, genau deshalb.

profil: Das klingt jetzt so, als hielten Sie es auch für überflüssig.
Fischer: Das hab ich nicht gesagt. Ich denke, ich habe mich vorher klar ausgedrückt: Das Amt des Bundespräsidenten ist wichtig, weil …, ding …

profil: Angenommen, die FPÖ gewänne die nächste Nationalratswahl. Würden Sie H. C. Strache einen Regierungsbildungsauftrag erteilen?
Fischer: Nun, nach den Usancen ist es nun einmal so, dass die stärkste …
Rosenkranz: Usancen? Papperlapapp! Nein, würde ich nicht.

profil: Das kommt jetzt doch einigermaßen überraschend.
Rosenkranz: Ich war auch überrascht, als er sich von mir distanziert hat.

profil: Eine abschließende Frage noch: Wie lautet Ihr Wahlziel?
Rosenkranz: Wenigstens den angeketteten Bibel-Kasperl schlagen.
Fischer: Die Stimme von Erwin Pröll bekommen.

rainer.nikowitz@profil.at